Ole Humpich
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Gäste! Es ist natürlich immer ein wenig schwer, wenn man, glaube ich, als vorletzter Redner in die Runden geht. Da kommt nicht mehr ganz so viel Neues. (Abgeordnete Ute Reimers-Bruns [SPD]: Das bin ich wohl!) Bitte? (Abgeordnete Ute Reimers-Bruns [SPD]: Die Vorletzte bin ich wohl!) Ach so. Heute sprechen wir über ein zentrales Thema für die Zukunft unserer Gesellschaft: die Ausbildung und Zukunftssicherung der Beschäftigung im Pflegebereich. Es ist unübersehbar, dass uns die demografische Entwicklung und der steigende Bedarf an Pflegekräften vor enorme Herausforderungen stellen und auch stellen werden. Im November letzten Jahres wurde der Landespflegebericht vorgelegt, der auf einer umfassenden Datenlage beruht und die aktuelle Versorgungssituation darlegt. Doch die vorliegenden Zahlen und Antworten des Senats auf die Große Anfrage zum Stand der Pflegeausbildung in Bremen zeigen uns auch, dass wir diesen Herausforderungen bislang noch nicht ausreichend begegnen. Zunächst möchte ich auf die Ausbildungsplätze eingehen. Es ist erfreulich, dass die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze seit 2021 deutlich erhöht wurde und das auch ohne eine Ausbildungsabgabe. Doch gleichzeitig müssen wir feststellen, dass diese Plätze nicht voll ausgeschöpft werden. Die vorhandenen Kapazitäten bleiben teilweise ungenutzt. Das ist nicht glücklich. Besonders besorgniserregend ist dabei der geringe Zuspruch in der Teilzeitausbildung. Hier scheint noch ungenutztes Potenzial zu schlummern, das wir unbedingt heben müssen. Wir müssen die Teilzeitausbildung attraktiver gestalten, denn sie bietet insbesondere Menschen mit familiären Verpflichtungen oder anderen persönlichen Herausforderungen eine wichtige Chance auf berufliche Qualifikation. Eine weitere Herausforderung, das haben wir heute schon gehört, ist die hohe Abbruchquote. Mit 30,5 Prozent liegt sie auf einem wirklich sehr alarmierenden hohen Niveau. Besonders interessant dabei ist aber, wenn man sich die Abbruchquote genauer anschaut, dass sie stark von der gewählten Vertiefung abhängig ist. Das bedeutet, dass wir die Attraktivität und Unterstützung in allen Bereichen der Pflegeausbildung gleichermaßen sicherstellen müssen. Die Beratungsstelle „Bleibt dran an der Pflege“ hat hier bereits gute Arbeit geleistet, doch wir müssen diese Angebote weiter ausbauen und gezielt auf individuelle Bedürfnisse der Auszubildenden eingehen, denn, meine Damen und Herren, wir dürfen junge Menschen in der Pflege nicht verlieren. (Beifall FDP) Ein weiterer kritischer Punkt in der Planung der Ausbildungskapazitäten ist, dass es nur wenige Pflegeschulen gibt, die in den kommenden Jahren ihre Kapazitäten erhöhen können oder erhöhen wollen. Hier muss der Senat aktiv werden, um den steigenden Bedarf zu decken. Es gibt positive Ausnahmen wie die Heimstiftung und Friedehorst beispielsweise, die ihre Kapazitäten erhöhen. Doch dies darf nicht die Ausnahme bleiben. Wir fordern den Senat auf, mehr Anreize zu schaffen, um die Ausbildungskapazitäten in den Pflegeschulen zu steigern und zu erhöhen. Ein weiteres zentrales Thema, was damit einhergeht, ist die Gewinnung von Lehrkräften. Es ist absehbar, dass der Bedarf an qualifiziertem Lehrpersonal steigen wird, insbesondere, wenn wir die Ausbildungskapazitäten erweitern wollen. Hier begrüßen wir das Sonderprogramm zur Lehrergewinnung. Doch es darf nicht bei einem einzelnen Programm bleiben. Wir brauchen eine nachhaltige Strategie zur Sicherstellung der Lehrkapazitäten an unseren Pflegeschulen. Kurzer Exkurs ins Digitale: Die Digitalisierung in der Pflege soll zur Entlastung für Beschäftigte und zur Unterstützung der Ausbildung genutzt werden. Der Einsatz von digitalen Tools kann hierzu weiterhin beitragen, den Pflegealltag zu erleichtern und Ausbildungsinhalte besser zu vermitteln. Hier muss und sollte Bremen Vorreiter sein und innovative Ansätze fördern. Ein positives Beispiel ist das Modellprojekt „INGA“, wo es um die Ansprache internationaler Pflegepersonen geht, um sie für den deutschen Arbeitsmarkt zu gewinnen. Doch wie heute Vormittag bereits erwähnt, dürfen wir uns nicht vollumfänglich auf ausländische Fachkräfte, egal in welchem Bereich, verlassen. Denn auf lange Sicht ist dies absolut nicht die langfristige und nachhaltige Lösung. Lassen Sie mich zum Schluss kommen. Es ist die Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass der Pflegeberuf in einem positiven Licht dasteht. Der Ruf nach immer mehr Geld und die oft negative Darstellung der Arbeitsbedingungen in der Pflege tragen nicht unbedingt zur Attraktivität des Berufsbilds der Pflege bei. Wie wir heute teilweise auch schon gehört haben, sind es schwierige Arbeitsbedingungen in der Pflege, eine schlechte Bezahlung. So, meine Damen und Herren, kann und wird man keine jungen Menschen für die Pflege gewinnen. (Beifall FDP) Lassen Sie uns doch eher darauf hinweisen, dass Auszubildende zur Pflegefachfrau oder Pflegemann bereits im ersten Ausbildungsjahr eine attraktive Vergütung erhalten, nämlich rund 1 340 Euro brutto. Meine Damen und Herren, so viel habe ich nicht mal in meinem dritten Lehrjahr verdient, und ich habe eine Ausbildung in einem Büro gemacht. Pflege, meine Damen und Herren, ist nicht nur Waschen, Füttern und Trocknen. Pflege ist viel mehr. Pflege ist eine ehrenwerte und erfüllende Aufgabe, bei der es darum geht, Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen und zu versorgen. Es ist an uns, das Image der Pflege zu verbessern und zu zeigen, dass dieser Beruf nicht nur gesellschaftlich notwendig, sondern auch persönlich bereichernd ist, meine Damen und Herren. – Vielen Dank! (Beifall FDP)
