Ole Humpich
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Gäste! Der Kräftemangel ist mit eine der aktuell größten Herausforderungen, die wir in unserem Land zu meistern haben und vor der wir aktuell stehen. Dabei ist es unerlässlich, dass wir darauf mit klugen und effizienten Maßnahmen reagieren. Zunächst möchte ich betonen, dass die grundsätzliche Idee eines „Welcome Centers“ zur Bündelung von Angeboten für internationale Fachkräfte absolut richtig ist, wir uns jedoch nicht nur auf Fachkräfte aus dem Ausland verlassen dürfen. Das Konzept, verschiedene Dienstleistungen an einem Ort zu vereinen, wurde bereits in früheren Debatten zur Fachkräfteeinwanderung von Lobbyverbänden vorgeschlagen. Auch wir als FDP haben uns bereits 2015 mit diesem Thema auseinandergesetzt. Diese Zentren können eine zentrale Anlaufstelle für Fachkräfte und Unternehmen sein, die oft mit komplexen behördlichen Anforderungen konfrontiert sind. Ein solches Modell hat auch in anderen Bundesländern bereits Anwendung gefunden. Wie das Beispiel Schleswig-Holsteins zeigt, ist es sehr wichtig, dass die Umsetzung dann auch richtig erfolgt, denn aktuell ist es in Schleswig-Holstein so, dass das „Welcome Center“ dort eigentlich keine richtige Aufgabe und keinen richtigen Nutzen hat. Das von der CDU eingebrachte Konzept, den bestehenden Willkommensservice der WFB zu einem schlanken und effizienten „Welcome Center“ weiterzuentwickeln, das sich auf ausländische Fachkräfte konzentriert, ist dabei der richtige Weg. Die Forderung nach einer starken Einbindung bestehender Strukturen, die Vermeidung von Doppelstrukturen und eine zielgerichtete Ansprache der Fachkräfte ist genau das, was Bremen jetzt braucht. Als FDP-Fraktion unterstützen wir diesen Antrag, weil er auf eine pragmatische und wirtschaftlich sinnvolle Art und Weise die dringend benötigte Integration von internationalen Fachkräften vorantreibt. Demgegenüber steht der Antrag der Regierungskoalition, der ein groß angelegtes „Welcome Center“ nach Hamburger Vorbild sieht. Ich finde es spannend, dass in den Redebeiträgen vorher schon rausgekommen ist, dass das Hamburger Modell eigentlich auch nicht funktioniert und Sie es jetzt gerne hier in Bremen haben wollen. (Abgeordnete Ute Reimers-Bruns [SPD]: Eben nicht!) Dieses soll sich nicht nur auf internationale Fachkräfte, sondern auch auf geflüchtete Menschen konzentrieren, beraten und betreuen. Wir sehen darin ein erhebliches Risiko. Ein solcher Ansatz würde unweigerlich zu einer Überlastung der Strukturen führen, wie es auch in Hamburg zu beobachten ist. Die Gefahr von langen Wartezeiten und ineffizienten Prozessen ist dabei sehr groß. Noch problematischer ist jedoch, dass unterschiedliche Bedürfnisse von verschiedenen Fachkräften oder geflüchteten Menschen dabei eine Rolle spielen, wie wir es ja auch heute schon gehört haben. Das führt dazu, dass am Ende des Tages keiner der beiden Zielgruppen adäquat geholfen wird. Ein weiteres Problem, das wir im Antrag der Koalition sehen, ist die Schaffung von Doppelstrukturen. Wir haben bereits funktionierende Angebote, beispielsweise bei der Handelskammer, die durch eine intelligente Vernetzung und gezielte Erweiterung verbessert werden können. Es ist nicht notwendig, dafür teure und ineffiziente Parallelstrukturen aufzubauen, die am Ende mehr Probleme schaffen, als sie eigentlich lösen sollen. Sehr geehrte Damen und Herren, wenn wir den Fachkräftemangel wirklich ernsthaft bekämpfen wollen, müssen wir gezielt und effizient vorgehen. Dabei ist es egal, ob wir auf Fachkräfte aus dem Ausland setzen oder endlich Potenziale heben, die in der Republik selbst vorhanden sind. Der CDU-Antrag bietet genau diese Perspektiven. Er setzt auf bewährte Strukturen, vermeidet unnötige Kosten und bietet eine maßgeschneiderte Lösung für die Integration internationaler Fachkräfte. (Zuruf Abgeordneter Volker Stahmann [SPD]) Deswegen sprechen wir uns klar für diesen Antrag aus und lehnen den Antrag der Regierungskoalition ab, (Beifall FDP) indem wir auf schlanke und effiziente Strukturen setzen, die wirklich fundiert dafür sorgen, dass Bremen ein attraktiver Standort für internationale Fachkräfte wird und dann auch bleibt. Denn dieses Bleiben ist eigentlich die größte Herausforderung dabei, die es dann auch zu meistern gibt. Meine Damen und Herren, abschließend möchte ich sagen, dass es eine Gefahr birgt, sich nur auf ausländische Fachkräfte zu verlassen. Wir müssen dafür sorgen, dass sich Arbeit in Deutschland wieder lohnt, mehr lohnt, als weich in Sozialsysteme zu fallen. – Vielen Dank. (Beifall FDP)
