Ole Humpich
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Gäste, liebe Vertreter:innen der Selbsthilfegruppe! Schön, dass Sie heute bei dieser spannenden Debatte dabei sind! (Beifall FDP, SPD, DIE LINKE) Rund zwei Millionen Frauen in Deutschland sind von Endometriose betroffen. Pro Jahr erkranken circa 40 000 Frauen neu. Obwohl Endometriose eine so weit verbreitete Krankheit ist, vermeintlich eine Volkskrankheit, kommt ihr nicht die entsprechende Bedeutung zu. Endometriose ist eine gynäkologische Erkrankung, deren Ursache bislang wissenschaftlich nicht geklärt ist und die bei circa zehn bis fünfzehn Prozent aller Frauen und Mädchen im fortpflanzungsfähigen Alter auftritt. Die Beschwerden gehen für die betroffenen Frauen und Mädchen mit erheblichen Einschränkungen im privaten und beruflichen Alltag und auch in der Lebensqualität einher. Trotz der Zahl an Betroffenen des chronischen Krankheitsverlaufs, der Schmerzsymptomatik und Problemen im Hinblick auf die Möglichkeit schwanger zu werden, sind oft weder Ärztinnen und Ärzte noch Patientinnen ausreichend über Endometriose aufgeklärt. In der Folge vergehen vom Auftreten erster Symptome bis zur Diagnose häufig zwischen sieben und zehn Jahren. Endometriose ist eine der verbreiteten Krankheiten im gynäkologischen Bereich. Trotzdem können viele Menschen in der Bevölkerung damit wenig anfangen. Deshalb ist die Aufklärung in der Öffentlichkeit von großer Bedeutung, und es liegt auch in der Verantwortung der Bundesländer, Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Situation der Betroffenen zu verbessern. (Beifall FDP) Dies greift unser Antrag nun neben anderen Themen auf. Wir möchten gemeinsam mit Ihnen und unserem Antrag dafür sorgen, dass die Erkrankung der Endometriose mehr in die Öffentlichkeit kommt. Schauen wir auf die Zahlenlage in Bremen, hier hätte ich Ihnen ehrlicherweise gern mehr erzählt, aber aus unserer Großen Anfrage hat sich leider Folgendes ergeben: Es fehlt aktuell an einer validen Datenlage zur Zahl der Erkrankungen im Land. Daher fordern wir mit unserem Antrag, zu erfassen, wie viele Diagnosen im Land Bremen gestellt werden. Daraus können dann im Nachgang weitere Schritte in der Versorgung geplant und gegebenenfalls erweitert werden. Es gibt zwar – und das werden wir sicherlich heute auch hören, weshalb das alles nicht nötig ist – eine kleine Endometriose-Sprechstunde, die aber eigentlich nur im Rahmen der normalen gynäkologischen Sprechstunde im Klinikum Bremen-Nord stattfindet, also nicht direkt und spezialisiert ist. So muss dafür gesorgt werden, dass auf systematische Weiter- und Fortbildungen in dem Bereich der Endometriose-Diagnose hingewirkt wird. Dadurch können Fehldiagnosen vermieden werden, die eine Erkrankung falsch positiv erkennen oder im schlimmsten Fall gar nicht oder zu spät erkennen. Gleichzeitig sollte geprüft werden, inwiefern Endometriose in die Aus- und Fortbildungsangebote von Lehrkräften aufgenommen werden kann. Neben Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen ist es, wie bereits erwähnt, wichtig, die öffentliche Wahrnehmung und die Angst vor der Erkrankung zu reduzieren. Dafür könnte beispielsweise der 29. September als Tag der Endometriose genutzt werden. Es sollte dabei geprüft werden, inwiefern auch eine langfristige Konzeption und Durchführung einer öffentlich wirksamen und landesweiten Kampagne möglich und als sinnvoll zu erachten ist, ähnlich, wie wir es ja in einer vergangenen Bürgerschaftssitzung zum Thema Demenz beschlossen haben. Dabei kann direkt in einem kleinen Schritt geschaut werden, ob auch die Webseite der Gesundheitssenatorin bereits Informationsangebote zur Diagnose Endometriose enthält und ob diese gegebenenfalls ergänzt werden müssen. Die Betroffenen benötigen verlässliche und aktuelle Informationen zur regionalen Struktur. Diese Informationen sind aktuell größtenteils noch nicht auf der Webseite der Gesundheitssenatorin zu finden. Es wäre ein einfacher und kleiner Schritt, wie wir es hier im Land Bremen den Menschen, die von Endometriose betroffen sind, einfacher machen können. Dafür brauchen wir den Bund gar nicht. Unabdingbar für die oben genannten Punkte ist, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen KV und dem Land Bremen stattfindet. Dadurch können wir beispielsweise ein Pilotprojekt nach Bremen bekommen und so auch wieder eine Leuchtturmfunktion einnehmen. Meine Damen und Herren, wir müssen Endometriose mehr in die Öffentlichkeit rücken und Erkrankte besser versorgen. Unser Antrag benennt konkrete Vorschläge, die auf Landesebene umgesetzt werden können. Es sind kleine erste Schritte, die aber zur Verbesserung der Rahmenbedingungen vor Ort beitragen können und damit zu einer aufgeklärteren und nachhaltigeren Versorgung der Betroffenen führen können. Über Ihre Zustimmung, liebe Koalition, freuen wir uns sehr. – Vielen Dank! (Beifall FDP)
