Tim Sültenfuß
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleg:innen, liebe Gäste! Ja, Herr Schröder, das mit dem Beispiel aus Göteborg fand ich auch irgendwie ganz nett gerade, aber es ist schon die Frage: Was passiert, wenn sich das in Deutschland oder in Bremen rumspricht und die ganzen Leute, die ja sonst immer die Autos in den Parkhäusern aufbrechen, weil sie da ein paar Autoradios klauen können, dann merken, dass man einfach so in die Bibliothek gehen und da alles klauen kann, Computer und so weiter? Ich weiß nicht, ob das so ein guter Vergleich ist. Aber na ja, ich habe ja in meinem ersten Teil schon gesagt, dass wir davon ausgehen, dass eine Rund-um-die-Uhr-Öffnung der Bibliothek mit erheblichen Kosten verbunden wäre. Das heißt, wir müssen doch noch einmal über das Geld sprechen. Ich wollte es eigentlich nicht sagen, aber Sie wollen es ja alle hören: Die Schuldenbremse muss natürlich abgeschafft werden und wir müssen auch umverteilen. (Zurufe CDU, FDP: Oooh!) Das Geld ist in Bremen ja bekanntlich knapp, und genau wie die Haushalte der anderen Ressorts ist auch der Wissenschaftshaushalt sozusagen auf Kante genäht. Uns als LINKE schmerzt besonders, dass es bisher nicht gelungen ist, dem Studierendenwerk mehr Mittel zur Verfügung zu stellen, um Mieten und Essenspreise stabil zu halten. Falls wir es schaffen sollten, dem Wissenschaftshaushalt noch irgendwie zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen, dann wäre meine Priorität auf jeden Fall das Studierendenwerk und keine 24-Stunden-Öffnung der Bibliothek. Das würde wirklich vielen Studierenden etwas bringen, statt nur einigen wenigen, die dann nachts zum Lernen in die Bibliothek gehen wollen. (Beifall DIE LINKE) Was wir auch nicht vergessen sollten – es wurde vorhin schon gesagt, ich sage es trotzdem noch mal –, dass inzwischen wesentliche Angebote der Staats- und Universitätsbibliothek bereits online verfügbar sind. Zeitschriften und Nachschlagewerke können vom Heimarbeitsplatz abgerufen werden. Die Unibibliothek bietet inzwischen viele Bücher auch als E-Book an. Die 24-Stunden-Bibliothek gibt es also längst im Internet. Auch für diese Bedarfe ist die Nachtöffnung überhaupt nicht mehr erforderlich. Deswegen lehnen wir diesen sehr weitgehenden Antrag der CDU ab. Ich denke zwar schon, dass die Staats- und Universitätsbibliothek im Blick behalten sollte, ob man zum Beispiel die Abendöffnung bei besonders hoher Nachfrage ausdehnen könnte. Ich vertraue aber darauf, dass die Bibliothek hier von allein ein Auge drauf haben wird und dafür keinen Antrag der Bürgerschaft braucht. – Vielen Dank! (Beifall DIE LINKE, SPD)
