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Ole Humpich

FDP 14.02.2024 Sitzungen 21/9

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir haben schon viel zu dem Thema gehört, und nach dem sehr spannenden Vormittag, nach dem feurigen Vormittag bin ich sehr dankbar für eine konstruktive Debatte. Wir haben hier nun eine Große Anfrage der Koalition zu einem Thema vorliegen, welches uns gefühlt schon länger beschäftigt, welches schon länger in der Luft liegt, beispielsweise seit 2021. Das ist noch ein wenig vor meiner Zeit hier, trotzdem habe ich einen Antrag gefunden, der den Titel „First Things First – physische und psychische Auswertung der Pandemie auf Kinder und Jugendliche interdisziplinär beraten“ trägt. Mit dem Thema haben wir uns damals bereits befasst und fraktionsübergreifend die Behandlung von Schwerpunkthemen beschlossen. Viele gesellschaftliche Auswirkungen als Folge der Pandemie waren schon damals sichtbar, und es wurde schon damals gefordert, sie nicht zu ignorieren. Darüber herrschte fraktionsübergreifender Konsens. Ich denke, das ist auch bis heute so. Damals wurde beschlossen, dass mit den relevanten Akteuren die Bedarfe identifiziert werden, und noch immer gilt, dass die Kinder und Jugendlichen, aber auch die Erziehungsberechtigten in Krisensituationen nicht allein gelassen werden dürfen. Die Frage ist: Was ist seitdem passiert? Mich freut es sehr, wenn wir durch das Ressort einen umfassenden Bericht in einer der nächsten Deputationssitzungen erwarten dürfen. Nun zur Anfrage. Die Anfrage zeigt auf der einen Seite – und das haben wir auch schon gehört – ein Gefühl von: Na ja, die Situation ist nicht gut, aber nicht ganz so schlimm, wie gedacht. Auf der anderen Seite zeigen die Antworten noch einmal mehr als vermutet, dass Kinder die größten Opfer der Coronapandemie waren und es nach wie vor sind, und dafür muss weiterhin mehr getan werden, um nur auf einen Aspekt einzugehen. Ich war lange Jahre Fußballtrainer in einer Jugendmannschaft, und es hat mir in der Seele weh getan, Kinder zu sehen, die nicht mehr mit ihren Freunden und Freundinnen zum Kicken auf den Sportplatz gehen konnten oder gemeinsam mit dem Fahrrad die Straßen und Stadtteile entdecken konnten – mit dem Fahrrad, weil die Kinder noch keinen Führerschein machen konnten. Diesen Kindern fehlt es bis heute an verschiedenen Fähigkeiten in kognitiven oder auch in zwischenmenschlichen Bereichen. Kindern, meine Damen und Herren, wurde durch die Pandemie ein Teil der Kindheit genommen. Kinder und Jugendliche brauchen dringend nach wie vor kindgerechte Freiräume, in denen sie die Möglichkeit haben, sich von den psychischen und physischen Anstrengungen der Pandemie zu erholen. Wir brauchen Bestandsaufnahmen und Übersichten zu Kapazitäten in der ambulanten Versorgung von Kindern, welche eine Unterstützung im psychischen Bereich benötigen. Eine Herausforderung sehe ich dabei – und der Kollege Bensch hat es bereits angesprochen – in der Gesamtgemengelage darin, dass sich die KV und das Ressort gegenseitig den Schwarzen Peter innerhalb der Zuständigkeiten zuschieben. Meine Damen und Herren, es geht doch nur gemeinsam in vielen Dingen, so auch in dieser Thematik. Das Ressort muss die Voraussetzungen vorgeben, die KV dabei Hand in Hand mit dem Ressort in die Umsetzung gehen und ja, Frau Kollegin Tegeler, ich bin da bei Ihnen, wir brauchen kleinere Bezirke, kleinere Planungsbezirke und auch Mehrarbeit in den Quartieren. So würden wir es auch geregelt bekommen, dass wir eine dauerhafte vernünftige Lösung in Bezug auf Therapie- und Betreuungsplätze haben. Wenn wir uns darüber unterhalten, dass wir in die Quartiere gehen wollen, müssen wir der Wahrheit auch ins Auge blicken, dass die Therapeutinnen und Therapeuten zu den Menschen selbst hingehen müssen, weil wir auch die Erfahrung gemacht haben, dass in der ärztlichen Versorgung Menschen nicht unbedingt als Erstes zum Arzt gehen oder zu einem Therapeuten. Deswegen müssen wir dafür sorgen, dass wir in die Quartiere dichter an die Menschen rankommen. Abschließend ist es mir ein sehr wichtiges Anliegen, dass wir in unserem Land und auch in Bremen dafür sorgen, dass es kein Tabuthema mehr ist, eine Therapie in Anspruch zu nehmen. Eine Therapie in Anspruch zu nehmen, egal, ob es ein junger Mensch ist, ein alter Mensch ist, ein mittelalter Mensch ist, wie auch immer – es ist wichtig, dass diese Themen keine Tabuthemen in der Gesellschaft mehr bleiben, sondern dass man auch offen sagen kann, ich gehe zu einer Therapie, ich lasse mir helfen und mich unterstützen und dass dadurch in der Gesellschaft keine Vorverurteilung entsteht. – Vielen Dank! (Beifall FDP, CDU)

Alle Reden von Ole Humpich Protokoll (PDF) ↗