Falko Bries
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Die neue PISA-Studie bescheinigt den Schülerinnen und Schülern in Deutschland vor allem in Mathematik mangelhafte Leistungen, dem Schwerpunkt der aktuellen Untersuchung. Auch im Lesen und in den Naturwissenschaften gab es deutlich weniger Punkte. Deutschland liegt damit im internationalen Vergleich in Mathematik und Lesekompetenz unter dem OECD-Durchschnitt und in Naturwissenschaften leicht über dem Durchschnitt. Dass wir hier heute darüber debattieren, ist also reiner Populismus, denn untersucht wurden nicht die Leistungen Bremer Schüler:innen, sondern verglichen wurden sehr unterschiedliche Bildungssysteme mit dem Ergebnis, dass die Leistungen in der untersuchten Altersgruppe auch international stark gesunken sind. Schauen wir uns den Verlauf für Deutschland an, haben die Kompetenzen der deutschen Schülerinnen und Schüler seit 2018 deutlich abgenommen. Dies ist unter anderem auf die Schulschließungen während der Coronapandemie zurückzuführen. (Zuruf Abgeordnete Yvonne Averwerser [CDU]) Aber auch die Schülerschaft hat sich deutlich verändert. Die Zahl der Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern hat erheblich zugenommen, wie auch die Zahl der Kinder mit Migrationsgeschichte. Bremen liegt mit allen Bildungskriterien, niedriges Bildungsniveau der Eltern, Armut oder Arbeitslosigkeit im Bund-Länder-Vergleich mit weitem Abstand, auch vor den beiden anderen Stadtstaaten, an der Spitze. Auch ist der Anteil zugewanderter oder geflüchteter Schülerinnen und Schüler bei uns besonders stark gestiegen. Seit 2016 haben in Bremen über 9 264 einen Vorkurs besucht. Schulformübergreifend wurden allein über 1 700 Schülerinnen und Schüler, die vor dem russischen Angriffskrieg aus der Ukraine geflohen sind, aufgenommen, davon 1 400 dezentral in bestehenden Schulstandorten. Das ist eine Leistung! (Beifall SPD, DIE LINKE) Bremen hat seit der ersten PISA-Studie viel getan, um die Leistungsfähigkeit des bremischen Schulsystems zu verbessern und den Schulerfolg von der sozialen Herkunft zu entkoppeln. Wir haben längst umgesetzt, was jetzt wieder überall gefordert wird, mit der Förderung frühzeitig vor der Schule zu beginnen und Ungleiches ungleich zu behandeln. Wir haben ein Jahr vor der Einschulung verbindliche Sprachtests und eine verpflichtende Sprachförderung sowie einen Bildungsauftrag auch für Kita etabliert. Dazu gehört auch ein vielfältiges Angebot an präventiven Eltern-KindBildungsprogrammen und -Förderangeboten. (Abgeordneter Frank Imhoff [CDU]: Dann ist ja alles gut!) Wir haben für Bremens Schulen und Kitas schon lange vor anderen Bundesländern einen Sozialindex entwickelt und eingeführt, um Kitas und Schulen in herausfordernden Lagen und mit besonderem Bedarf gezielt durch speziell auf sie zugeschnittene Verstärkungsprogramme unterstützen zu können. In Bremen haben wir – so die Ergebnisse verschiedener Studien, die wir in diesem Hause schon debattiert haben – nicht nur in Mathematik, sondern insbesondere auch bei der Beherrschung der deutschen Sprache und der Lesefähigkeit der Schülerinnen und Schüler besonderen Handlungsdruck. Denn wer nicht lesen kann, versteht auch die Textaufgaben in Mathematik und Naturwissenschaften nicht. Diese Ergebnisse sind der Ausdruck einer tiefen sozialen Spaltung, die nicht allein mit Bildungspolitik überwunden werden kann. Hier setzt nun auch das Startchancen-Programm an, das speziell Schulen mit einem hohen Anteil an sozial – (Abgeordnete Yvonne Averwerser [CDU]: Von dem wir nicht wissen, ob es kommt!) Okay! – benachteiligten Schülerinnen und Schülern fördern soll. Wir hätten uns natürlich gewünscht, dass das komplette Programm nach Kinderarmut auf die Bundesländer verteilt wird. Dagegen haben sich vor allem Bayern, Sachsen und andere ostdeutsche Bundesländer gesträubt. Zum laufenden Schuljahr haben wir das Förderprogramm „Mathe sicher können“ in der Stadtgemeinde Bremen auf 30 Grundschulen ausgeweitet und auch in Bremerhaven damit begonnen. Gerade stand in der Deputation für Kinder und Bildung die Vorlage „Gute Bildung Bremen“ auf der Tagesordnung. Nach Hamburger Vorbild wird ein Bremer Leseband in beiden Stadtgemeinden schrittweise an allen Grundschulen in allen Jahrgängen und in den Jahrgängen der fünften und sechsten Klassen der Oberschulen eingeführt. Die Wirksamkeit dieses Programmes ist wissenschaftlich belegt. Neben der Erhöhung der Lesekompetenz zeigen sich ebenfalls signifikante Auswirkungen auf die Rechtschreibekompetenz und die Leistungsentwicklung im Mathematikunterricht. Bremen hat auf PISA reagiert und wird auch weiterhin reagieren. – Vielen Dank! (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE)
