Ellen Fährmann
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Abgeordnete! Sehr geehrte Gäste! Rund 785 000 Menschen in Brandenburg engagieren sich freiwillig für andere. Das ist nicht nur eine beeindruckende Zahl, sondern bildet auch ein wichtiges Fundament für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt. (Beifall CDU sowie vereinzelt SPD) Ehrenamt ist für die Gesellschaft unerlässlich, und deshalb müssen wir alles dafür tun, dass die Rahmenbedingungen stimmen und sich noch mehr Menschen für ein Ehrenamt entscheiden und die eigene Freizeit für das Gemeinwohl einsetzen. Die Antwort auf die Große Anfrage ist eine gute und wichtige Grundlage, um sich mit diesem Thema zu beschäftigen, welches ressortübergreifend alle Bereiche des Lebens – vom Sport über Kultur, Soziales, Bildung und Integrationsarbeit bis hin zum Brand-, Katastrophen- und Bevölkerungsschutz – tangiert. Ich danke den Mitarbeitern der Staatskanzlei ausdrücklich, dass sie diese Große Anfrage so akribisch beantwortet haben. (Beifall CDU und SPD sowie der fraktionslosen Abgeordneten Melanie Matzies) Ohne Ehrenamt gäbe es kein funktionierendes Vereinsleben – nicht mal in der kleinsten Gemeinde –, keine verlässliche Nachbarschaftshilfe und in vielen Bereichen auch keine funktionierende Daseinsvorsorge. Das gilt ganz besonders für einen Bereich, der mir als sozialpolitischer Sprecherin am Herzen liegt, nämlich die Pflege. Denn gerade dort zeigt sich, wie unverzichtbar ehrenamtliches Engagement ist. Pflegende Angehörige, Nachbarschaftshelferinnen und -helfer, ehrenamtlich Engagierte 52 Landtag im Besuchsdienst oder Alltagsbegleiter – sie alle leisten täglich einen Beitrag, der oft unsichtbar bleibt, aber für viele Menschen den Unterschied macht zwischen Teilhabe und Isolation und ihnen ermöglicht, länger in ihrem eigenen häuslichen Umfeld zu bleiben. Und wir wissen, mit dem demografischen Wandel wird dieser Bedarf weiter steigen. Deshalb ist es richtig, dass ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe auch in der Pflege stärker anerkannt und unterstützt werden soll. Als Beispiel nenne ich das Anerkennungsverfahren. Innerhalb von drei Wochen haben 100 Menschen das Anerkennungsverfahren erfolgreich abgeschlossen, die jetzt den Bedürftigen, die dieses Angebot annehmen wollen, zur Verfügung stehen. Ich denke, das ist ein gutes Signal. (Beifall CDU und SPD) Trotzdem reicht das noch nicht aus. Die Antwort der Landesregierung zeigt, es gibt viele Maßnahmen, viele Programme, viele gute Ansätze, aber sie weist eben auch auf Herausforderungen hin, gerade die strukturellen Probleme: zu viel Bürokratie, zu wenig Unterstützung im Alltag, Schwierigkeiten bei der Nachwuchsgewinnung und steigende Belastungen für die engagierten Ehrenamtlichen. Genau darum müssen wir uns jetzt kümmern. Und genau hier setzt unser gemeinsamer Entschließungsantrag an. Wir sagen: Ehrenamt braucht verlässliche Rahmenbedingungen. Das bedeutet konkret: weniger Bürokratie und einfache Förderverfahren, bessere Vereinbarkeit von Ehrenamt, Pflege, Familie und Beruf, mehr wohnortnahe Qualifizierungsangebote, gerade auch im ländlichen Raum, und eine stärkere Verankerung von Engagement in Schule und Ausbildung. Die Bereitschaft, sich im Ehrenamt zu engagieren, entsteht nicht von allein. Es braucht Strukturen, die es ermöglichen, begleiten und wertschätzen. Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Nachwuchsgewinnung. Viele ehrenamtliche Senioren leisten eine hervorragende Arbeit. Aber auch junge Menschen wollen sich engagieren, allerdings anders als früher – flexibler, projektbezogener, digitaler. Darauf müssen wir reagieren, wenn wir das Ehrenamt zukunftsfest machen wollen. Wir müssen diese neuen Formen ernst nehmen, fördern und weiterdenken. Aber im Bereich der Gewinnung neuer Ehrenamtlicher haben wir auch eine große Chance, wenn ich an die Babyboomer denke, die in den nächsten Jahren in Rente gehen und sich vielleicht noch einmal einen Part suchen, bei dem sie für die Gesellschaft etwas leisten und dadurch den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken können. (Beifall CDU und SPD) Ein dritter Punkt, gerade mit Blick auf die Pflege und die sozialen Bereiche: Ehrenamt darf Hauptamt nicht ersetzen und auch nicht davon missbraucht werden. Es gilt, Entlastung zu schaffen und das Ehrenamt als sinnvolle Ergänzung zu sehen – immer mit dem Ziel, die Wünsche und Bedürfnisse der Betroffenen im Auge zu behalten, ihnen ein Gefühl der Zufriedenheit und des Wahrgenommenwerdens zu vermitteln. Deshalb brauchen wir eine bessere Unterstützung für pflegende Angehörige, eine stärkere Vernetzung zwischen professionellen Diensten und dem Ehrenamt und vor allem eine Entlastung jener, die sich engagieren. Denn viele Ehrenamtliche stoßen an ihre Grenzen. Sie brauchen Anleitung, Begleitung, eine Reflexion ihrer Arbeit und Angebote zur Selbstpflege. Meine Damen und Herren, wir erkennen die Leistungen der Ehrenamtlichen an, aber wir wollen auch, dass das Ehrenamt dynamisch angepasst wird und sich weiterentwickelt. In anderen Bereichen des Ehrenamts konnten wir in Brandenburg bereits tolle Ergebnisse erzielen, zum Beispiel bei den freiwilligen Feuerwehren mit dem Schulfach Feuerwehrunterricht. Damit war in vielen Wehren in Dörfern und Städten eine Nachwuchsgewinnung möglich. (Beifall CDU sowie vereinzelt SPD) Und vergessen wir nicht die Hilfsorganisationen in Brandenburg. Die Johanniter gestern waren ein gutes Beispiel. Sie sind im Sozialen wie auch im Rettungsdienst und Katastrophenschutz tätig. Wir wollen eine strategische Weiterentwicklung der Ehrenamtspolitik und eine Politik, die Engagement nicht nur lobt, sondern ganz konkret unterstützt. Denn eines ist klar: Ehrenamt ist kein Selbstläufer. Es braucht Aufmerksamkeit, es braucht Respekt vor der Leistung der Menschen und wertschätzende, gute Rahmenbedingungen. Lassen Sie mich zum Schluss sagen: Ehrenamtliche halten unser Land zusammen. Sie leisten Präventionsarbeit bei Kindern, Jugendlichen, Senioren und in Familien, gerade auch in Krisenzeiten und gerade auch im ländlichen Raum; sie engagieren sich in der Pflege und in vielen unterschiedlichen Vereinen. Sie übernehmen Verantwortung, oft still, oft selbstverständlich, aber immer unverzichtbar. Unsere Aufgabe als Politik ist es, dafür zu sorgen, dass dieses Engagement auch in Zukunft möglich bleibt und noch besser wird. Anerkennung und Wertschätzung sind das eine, die Rahmenbedingungen und die Entlastung aber eine große Stütze auf diesem Weg. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, allen Ehrenamtlichen heute im Rahmen dieses Plenums – ich denke, im Namen aller Anwesenden zu sprechen – ein großes Dankeschön für ihre Arbeit in allen Bereichen des Ehrenamtes zu sagen. Ohne Ihre wertvolle Arbeit hätten wir an ganz vielen Stellen mit Sicherheit viele Probleme. (Beifall CDU und SPD, vereinzelt AfD und BSW sowie der fraktionslosen Abgeordneten Melanie Matzies und André von Ossowski) Wir als CDU-Fraktion – und ich denke, auch unser Innenminister – stehen an der Seite des Ehrenamtes. Wir sind für die Ehrenamtlichen da. Lassen Sie uns die aufgezeigten Herausforderungen gemeinsam bewältigen, und stimmen Sie unserem Entschließungsantrag zu. – Vielen Dank. (Beifall CDU sowie vereinzelt SPD)
