Gordon Hoffmann
Sehr geehrter Herr Vizepräsident! Sehr geehrte Frau Abgeordnete Poschmann, jetzt bin ich seit etwas mehr als einem Monat Minister. Ich bin viel unterwegs; in dieser Kennenlernphase gibt es tatsächlich immer wieder ein Thema, von dem ganz schön viele Akteure schwärmen, und zwar das Landesprogramm „Duales Lernen“. Davon sind die Leute bei uns im Haus begeistert; die großen Bildungsstiftungen finden es gut, genauso wie die Partner vor Ort. Das LIBRA und kobra.net finden es gut. Für mich ist aber das Allerwichtigste, dass auch die Ober- und Gesamtschulen es richtig gut finden. Was bedeutet duales Lernen in diesem Zusammenhang eigentlich? Es bedeutet die systematische Verknüpfung von theoretischem und praxisbezogenem Lernen in allen Jahrgangsstufen der Sekundarstufe. Das ist eine recht allgemeine Formulierung. Dahinter steht die Idee, dass sich Schülerinnen und Schüler an Ober-, aber auch an Gesamtschulen schon ab der siebten Klasse beruflich orientieren können und dass ihnen wesentliche Basiskompetenzen für den Lernerfolg intensiv vermittelt werden, also Selbstregulierungskompetenz, soziale Fähigkeiten, aber auch projektbasierte Erfahrungen. In Brandenburg gibt es 149 Gesamt- und Oberschulen. Von diesen nehmen 22 an diesem Programm teil. Das ist eine Quote von 15 %; die ist ziemlich hoch für ein neues Vorhaben. Sie ist deshalb hoch, weil die Schulen mit diesem Programm den Mut beweisen, sich tatsächlich auf einen Weg der Schul- und Unterrichtsentwicklung zu begeben. Dieses Programm ist zunächst einmal auf zehn Jahre ausgelegt. Die Schulen entwickeln sich hier in einem Netzwerk von Partnern und anderen Schulen weiter, und zwar hinsichtlich der Schulstruktur, der Kultur des Zusammenarbeitens, des Unterrichts sowie der Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler. Das ist also etwas Neues, mit dem sich die Schulen hier auf den Weg begeben. Ich bin sehr dankbar dafür, dass sie es so mutig und engagiert tun. Was machen die Programmschulen aktuell? Derzeit erarbeiten bzw. schärfen sie ihre Schulentwicklungsziele. Die Erarbeitung einer schulscharfen Konzeption und die Abstimmung in den schulischen Gremien werden auch noch eine gewisse Zeit beanspruchen. Wir sind zuversichtlich, dass die ersten Konzeptionen zum Ende dieses Schuljahres mit den zuständigen Schulrätinnen und Schulräten abgestimmt werden. 2026 33 Die Umsetzung einer neuen schulorganisatorischen Ausrichtung der Schule im Rahmen der gesetzlichen Regelungen ist ab dem Schuljahr 2026/2027 möglich. Gemäß unserer Planung ist eine stufenweise Aufnahme von weiteren interessierten Schulen im Laufe der zehnjährigen Programmlaufzeit vorgesehen. Alle zwei Schuljahre soll eine neue Programmschulkohorte durch das LIBRA begleitet werden. Die nächste Kohorte startet zum Schuljahr 2027/2028. Parallel arbeiten die betreuenden Schulrätinnen und Schulräte mit den Programmschulen auch regional sehr eng zusammen, und das auch in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung. Dort werden dann von der oberen und der unteren Schulaufsicht gerade die Schulfamilien „Duales Lernen“ etabliert, sodass interessierte Schulen aus der Region auch schon vor der Aufnahme in das Programm von den Erfahrungen der bereits teilnehmenden Programmschulen profitieren können. Die einzelnen Rückmeldungen der Schulen zeigen, dass jede Schule einen eigenen Bedarf hat, aber auch vor eigenen Herausforderungen steht, da es unterschiedliche Rahmenbedingungen gibt. Deshalb ist es auch sinnvoll, politisch nicht eine Antwort für alle zu geben. Deshalb ist das Programm bewusst so konzipiert, dass jede Schule ihren eigenen Weg gehen kann und dafür die passende Unterstützung erhält. Sie sehen also: Das Programm ist bereits angelaufen. Die Schulen und Projektpartner arbeiten an der Schul- und Unterrichtsentwicklung. Ich darf an dieser Stelle noch einmal unseren Partnern danken: der Bertelsmann Stiftung, der Robert Bosch Stiftung, dem LIBRA und kobra.net. Vor allem danke ich allen Schulleitungen und Lehrkräften in den Programmschulen herzlich, die natürlich einen – das ist uns bewusst, und das wissen wir auch sehr zu schätzen – nicht unwesentlichen Teil ihrer Zeit auch außerhalb des Unterrichts zur Verfügung stellen, um Ober- und Gesamtschulen in Brandenburg zu einer mit Recht noch bewussteren Schulform zu machen. Ich bin wirklich überzeugt von diesem Programm und freue mich, dass wir das gemeinsam weiterentwickeln wollen. – Vielen Dank.
