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Gordon Hoffmann

23.04.2026 Sitzungen 8/33

Herr Vizepräsident! Sehr geehrter Herr Abgeordneter, vielen Dank für diese Anfrage. Ich vermute, sie ist ein bisschen davon inspiriert, dass ich kürzlich bei Ihnen in Rathenow war und dort ein Grundbildungszentrum besucht habe. Das habe ich sehr, sehr gern getan, weil mir das Thema sehr wichtig ist. Es ist so, dass ich aus den Brüchen in meiner eigenen Bildungsbiografie kein Geheimnis mache. Deshalb ist es mir sehr wichtig, dass wir auch in der Erwachsenenbildung Menschen die Möglichkeit bieten, ihre Chancen auf Teilhabe an der Gesellschaft zu verbessern. Auch in Deutschland gibt es immer noch sehr viele Erwachsene, die nur gering literalisiert sind, die also nicht richtig lesen und schreiben können. Sie können oftmals einzelne Sätze lesen und schreiben, aber sie verstehen keine zusammenhängenden Texte. Je nach Studie sind das in Deutschland mehrere Millionen Erwachsene, und zwar bis zu 12 % der erwerbsfähigen Bevölkerung. Das sind Zahlen, über die man wirklich staunt, wenn man sie hört. Das ist tatsächlich in allen Industriestaaten ein unterschätztes Thema. Deutschland liegt hier sogar noch auf einem ganz guten Platz, vergleichbar mit der Schweiz. In Österreich, in Frankreich oder in den USA beispielsweise sind die Zahlen weitaus höher. Nun sehe ich mich als Bildungsminister natürlich in der Verantwortung dafür, dass wir es in der Schule hinbekommen, jungen Menschen ausreichende Lese- und Schreibfertigkeiten zu vermitteln, und damit einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Zahlen in Zukunft nicht mehr so hoch sind. Deshalb wollen wir diese „Lesen-Schreiben-Rechnen-Offensive“ starten. Aber wir haben auch eine Verantwortung für die Leute, die das in der Schule nicht so gut geschafft haben. Deshalb bin ich sehr stolz auf die Entwicklung der Grundbildungszentren in Brandenburg. Für die betroffenen Erwachsenen gibt es nämlich seit 2015 in Brandenburg diese Grundbildungszentren. Zunächst wurden sieben Zentren eingerichtet, finanziert aus ESF- und Landesmitteln. 2022 waren es schon neun, und mit dem Start der neuen ESF-Förderperiode 2023 wurden weitere Zentren eingerichtet. 2026 31 Heute haben wir also in Brandenburg 15 solcher Grundbildungszentren, die alle ein Lern- und Beratungsangebot für die Betroffenen bereithalten. Es ist ganz wichtig, dass wir da die richtige Verteilung haben, weil die Betroffenen schwer zu erreichen sind. Das ist die besondere Herausforderung der Grundbildungszentren. Deshalb ist auch eine gute lokale Erreichbarkeit wichtig. Jetzt kann man sagen, 15 Standorte zu haben, ist, verglichen mit den null Standorten, die wir 2014 hatten, oder mit den sieben, die es 2015 waren, schon ganz viel, aber es ist für ein großes Flächenland wie Brandenburg immer noch nicht genug. Deshalb bieten diese Zentren auch Lerncafés – also wiederum Satelliten – an 53 Orten im Land an. Diese Angebote sind überall mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erreichbar; denn es ist uns wichtig, dass die vergleichsweise wenig mobile Zielgruppe der Erwachsenen mit geringer Schriftsprachkompetenz diese Bildungsangebote relativ wohnortnah erreichen kann. Diese Lerncafés sind ein besonders niedrigschwelliges Angebot, und es gibt sie zu vielen verschiedenen Themen. In Potsdam zum Beispiel umfasst das Angebot neben Lesen und Schreiben auch Rechnen und den Erwerb digitaler Kompetenzen. In der Landeshauptstadt Potsdam befinden sich die Lerncafés auch in den Stadtteilen, in denen besonders viele betroffen sind. Solche Beispiele gibt es in fast allen Landkreisen, etwa in Ostprignitz-Ruppin. In Oberhavel gibt es einen mobilen Lerntreff zur Medienkompetenz. Ich fand es gerade in Rathenow sehr gut, dass sich die Leute da wirklich Gedanken machen. Sie haben dort für das Grundbildungszentrum Räume über einer Bibliothek angemietet. Sie begründen das damit, dass die Hemmschwelle für Leute, sich zu outen, dorthin zu gehen und damit im Prinzip zuzugeben, dass man als Erwachsener nicht gut lesen und schreiben kann, besonders hoch ist. Jemandem, der in eine Bibliothek geht, wird zunächst nicht unterstellt, er könne nicht lesen und schreiben. Deshalb bin ich sehr, sehr dankbar für die Leute, die in diesen Grundbildungszentren eine ganz wichtige Arbeit leisten. Ich finde, wir sollten dort nicht nachlassen; denn Menschen, die Texte vernünftig lesen und schreiben können, können am Ende viel besser an unserer Gesellschaft teilhaben und der Gesellschaft auch ihren Teil zurückgeben und etwas beitragen. Deshalb bin ich sehr stolz auf die Entwicklung der Grundbildungszentren in diesem Land und bedanke mich für Ihr Engagement sowie für die Frage.

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