Gordon Hoffmann
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir reden hier immer wieder über Schule, und es ist auch gut so, dass wir immer wieder über Schule reden. Wir sollten allerdings vielleicht öfter einmal über Schülerinnen und Schüler reden, zum Beispiel über Nele. Nele hat im letzten Jahr Abitur gemacht, und sie leidet seit vier Jahren unter Depressionen. Die schlimmsten Phasen beschreibt sie als „schweres Gefühl in der ganzen Seele“. Schon der Weg zur Schule wurde für sie zu einer großen Herausforderung. Sie beschreibt das ganz offen: „Der Schritt aus dem Bett fühlt sich an wie eine unüberwindbare Aufgabe“. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass sie den Eindruck hat, dass man zu wenig über mentale Gesundheit spricht, dass das in der Schule zu wenig eine Rolle spielt. Deshalb engagiert sie sich in der Bundesschülerkonferenz. Nele ist zwar nicht aus Brandenburg, aber in Brandenburg geht es etlichen Schülerinnen und Schülern ähnlich. Deshalb macht bei uns der Landesschülerrat zu Recht auf dieses Thema aufmerksam und fordert eine Enttabuisierung und auch mehr Beteiligung. Ich finde, deshalb kann man auch zur Kenntnis nehmen, dass man hiermit tatsächlich eine Forderung des Landesschülerrates aufgreift. (Beifall CDU und SPD) Wir hatten gestern Abend die Möglichkeit, mit einigen Mitgliedern des Landesschülerrates zu sprechen. Sie haben sich sehr für diese Initiative bedankt, und auch ich möchte mich für diese parlamentarische Initiative sehr bedanken; denn wie gut Kinder und Jugendliche lernen können, wie gut sie sich einbringen und entfalten können, hängt entscheidend mit ihrem Wohlbefinden zusammen. Deshalb machen die Ergebnisse des Schulbarometers tatsächlich große Sorgen. Und, Herr Peschel, wenn Sie fragen: „Warum zu diesem Zeitpunkt diese Rede?“, sage ich: Na ja, das Schulbarometer ist halt am 18. März, also während der letzten Landtagssitzung, veröffentlicht worden. Dass man diese Ergebnisse sofort als Auftrag sieht und zum Anlass nimmt, einen solchen Antrag einzubringen, finde ich persönlich sehr richtig, und ich bin dafür sehr dankbar. (Beifall CDU und SPD) Wir haben festgestellt, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler mit psychischen Belastungen, mit Überforderung und mit Erschöpfung kämpfen und dass die gegenwärtige Studienlage das ganz klar zeigt. In einer Zeit, in der sich gefühlt eine Krise auf die nächste stapelt, sehen sich junge Menschen zunehmend mit Unsicherheit, Zukunftsangst und auch mit Leistungsdruck konfrontiert, und psychische Erkrankungen nehmen zu. 2026 97 Meine Damen und Herren, auch die Landesregierung nimmt die Sorgen und Belastungen von Kindern und Jugendlichen sehr ernst; denn wir wissen, dass gerade psychische Probleme in jungen Jahren auch langfristige, schwerwiegende Auswirkungen haben. Deshalb ist es umso wichtiger, frühzeitig gegenzusteuern. Das müssen wir natürlich auch im Bereich Schule machen, denn Schule ist ein zentraler Ort im Leben junger Menschen, weil sie hier einen Großteil ihres Tages verbringen, und deshalb sollen sie sich hier auch wohlfühlen. Dazu gehört eben auch, Schülerinnen und Schüler aktiv bei der Gestaltung des schulischen Miteinanders einzubeziehen, sie also zu beteiligen. Ich würde sagen – jawohl, auch das sagt Hattie –, wenn wir Schule und Unterricht besser machen wollen, müssen wir auch hören, was Schülerinnen und Schüler zu sagen haben. Deshalb begrüße ich die Forderung des Antrags, die anonyme Schülerbeteiligung auszubauen und die konstruktive Feedbackkultur zu stärken. Das sind auch Punkte, die wir uns im Koalitionsvertrag auf die Fahnen geschrieben haben. Meine Damen und Herren, vor diesem Hintergrund bin ich sehr dankbar für diesen Arbeitsauftrag, den wir in den nächsten Wochen engagiert angehen werden. Ich bedanke mich auch ganz herzlich für diese Debatte und wünsche Ihnen nachher ein angenehmes Beisammensein beim Parlamentarischen Abend. – Vielen Dank. (Beifall CDU und SPD)
