Rainer Genilke
Danke schön. – Frau Ministerin Schüle erhält noch einmal das Wort. Dr. Manja Schüle (Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur): Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Zunächst einen herzlichen Dank an die CDU-Fraktion für diese Aktuelle Stunde, die ja mehrheitlich sehr respektvoll und im Sinne von Wissenschaft und Forschung abgehalten worden ist. Aber da wir hier im Plenum nicht nur untereinander und auch nicht nur zu den Zuschauern auf der Besuchertribüne reden, sondern unsere Reden auch protokolliert und ausgestrahlt werden, (Zuruf des Abgeordneten Torsten Arndt [AfD]) möchte ich die Gelegenheit nutzen, um noch einmal darauf zu reagieren, was die AfD hier als „Wissenschaftsskandal“ inszeniert. Es handelt sich in Wahrheit nämlich um gelebte wissenschaftliche Integrität; darauf hat Herr Schierack schon hingewiesen. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hat eine Studie transparent zurückgezogen, hat methodische Kritik geprüft, Daten offengelegt, Analysen überarbeitet. Genau so funktioniert Wissenschaft: selbstkritisch, korrigierbar und verlässlich. (Einzelbeifall SPD) Wer daraus die Streichung eines ganzen Instituts ableitet, greift nicht etwa diese Studie an, sondern stellt die Wissenschaft als solche infrage. Die überarbeiteten Ergebnisse bestätigen zweifelsfrei: Die wirtschaftlichen Schäden des Klimawandels übersteigen die Kosten von Klimaschutzmaßnahmen – und Korrekturen sind kein Versagen, sondern sie stärken die Forschung. Populistische Angriffe allerdings, wie wir sie heute mehrfach erleben „durften“ – der AfD-Antrag und auch ihre Redebeiträge –, untergraben das Vertrauen in die Wissenschaft, und sie gefährden den Standort Brandenburg. Wir stehen klar zum PIK und zur Freiheit der Forschung. Fehler müssen offen und nachvollziehbar korrigiert werden – ohne existenzielle Bedrohung für die Forscherinnen und Forscher. Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen – weil es protokolliert wird –: 2024 veröffentlichte das PIK, das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, eine Studie zu wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels im Journal „Nature“. Nach Veröffentlichung kam fachliche Kritik auf, unter anderem an einem Datenfehler in Bezug auf das BIP, also das Bruttoinlandsprodukt, von Usbekistan. Das Forschungsteam reagierte konstruktiv: Daten und Methodik wurden überarbeitet, die korrigierte Analyse wurde im August 2025 inklusive aller Daten und Codes als Preprint veröffentlicht. Da die Änderungen aber zu umfangreich für eine einfache Korrektur waren, zog das PIK die Studie im Dezember 2025 formal zurück – und zwar in Abstimmung mit dem Journal „Nature“. Die überarbeitete Fassung allerdings soll erneut peer reviewed eingereicht werden, und die Kernaussage bleibt bestehen. Der Prozess wurde transparent und sehr verantwortungsvoll und verantwortungsbewusst kommuniziert. – So viel dazu, um hier einmal mit diesen Halbwahrheiten und Lügen aufzuräumen. – Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall SPD und CDU sowie der fraktionslosen Abgeordneten Melanie Matzies und André von Ossowski)
