René Wilke
Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Abgeordnete! Sie wundern sich wahrscheinlich, warum ich jetzt hier vorn stehe. (Heiterkeit der Abgeordneten Dr. Daniela Oeynhausen) Ich mich auch. (Allgemeine Heiterkeit) Man könnte sagen, das Schloss Meseberg steht in einer Kommune, (Zuruf von der CDU) deswegen ist das MIK natürlich auch dafür zuständig. De facto ist es letztlich so, dass kein Haus dafür zuständig ist. Warum das so ist, versuche ich gleich kurz zu erläutern. Vielleicht nutzen wir die Gelegenheit für einen kleinen historischen Exkurs, denn ich habe ein paar Dinge dazugelernt und will Sie daran gern teilhaben lassen. Das schöne Schloss Meseberg wurde 1736 errichtet, und der damalige Eigentümer, Carl Robert Lessing, gab es an seinen Sohn weiter, der uns allen wohlbekannt ist, Gotthold Ephraim Lessing. Für ihn wurde dort damals wohl etwas errichtet. Später war es noch Teil einer ganz besonderen Geschichte dieses Landes, nämlich der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ von Theodor Fontane. Er bezeichnete Meseberg als „Zauberschloss“. 1945 wollte die Rote Armee das Schloss, nachdem sie es enteignet hatte, eigentlich sprengen. Das wurde damals verhindert – vor allem wohl durch das Engagement des damaligen Bürgermeisters. Das Schloss Meseberg wurde dann ein Lebensmittelgeschäft, ein Kindergarten, ein Gemeindebüro, und es waren dort noch weitere Einrichtungen untergebracht. Es verlor seinen guten baulichen Zustand, sodass damals Sicherungsmaßnahmen gegen den Verfall angeordnet werden mussten, die in begrenztem Umfang umgesetzt wurden. Nach der Wende, 1995, ging das Schloss Meseberg in den Besitz des Landes Brandenburg über. Das regelten damals der Einigungsvertrag und allerhand Gesetze zur Vermögenszuordnung. Dann kam die Messerschmitt Stiftung auf das Land zu und kaufte das Schloss Meseberg 1995 für einen Betrag von 1,2 Millionen DM. Damit verbunden – das war durchaus klug gehandhabt – wurde der Stiftung zur Auflage gemacht, investive Maßnahmen durchzuführen. Damals war von einem Umfang von mindestens 10 Millionen DM die Rede. Später stellte sich heraus, dass dort über 25 Millionen Euro an Investitionen notwendig waren. Es erfolgten Arbeiten an der Fassade und am Dach, die Wiederherstellung des historischen Parks und vieles mehr. Das Land beteiligte sich mit ganzen 20 000 DM an Arbeiten aufgrund von Bodenverunreinigungen bei einer ehemaligen Tankstelle. Der nächste Schritt war dann, dass die Messerschmitt Stiftung das Schloss der Bundesregierung zur Verfügung stellte. Diese 2026 31 nahm das auch dankend an – für einen symbolischen Mietpreis von einem Euro für 20 Jahre. Das ist trotzdem nicht kostenlos: In den Artikeln und auch in den Kleinen Anfragen, die es dazu gab, stand, dass der Betrieb pro Jahr etwa 5 Millionen Euro kostet. Die Bundesregierung hat angekündigt, das Areal ab Februar 2027 nach dem Auslaufen des Mietvertrages nicht mehr nutzen zu wollen. Es handelt sich um ein zugegebenermaßen sehr schönes Gebäude mit historischem Wert in einem Landkreis, das im Besitz einer Stiftung ist. Diese Stiftung ist dafür bekannt, dass sie sich vor allem im Bereich der Technik und Raumfahrt engagiert – aber auch beim Schutz von Kunst, Kulturgütern und Denkmalen in Deutschland. Es wird Aufgabe der Stiftung sein, für das Schloss eine neue Nutzung zu finden.
