Christian Dorst
… die Geschäftsführung in rund 55 800 Brandenburger IHK-Mitgliedsunternehmen mit rund 211 400 Beschäftigen älter als 55 Jahre. Aber warum denken immer mehr Unternehmer im Land Brandenburg ans Aufhören? Eine der zentralen Ursachen ist die nach wie vor verfestigte Wirtschaftskrise. Zur Konjunkturschwäche kommen strukturelle Hemmnisse, die zu langsam angegangen werden. Die Unternehmen kämpfen mit schleppender Nachfrage einerseits und hohen Kosten, etwa für Energie und Rohstoffe, andererseits. Hinzu kommen eine in weiten Teilen des Mittelstandes erhebliche Verunsicherung über das geschäftliche Umfeld und eine in vielen Teilen überbordende Regulierung. Nach einer DIHK-Konjunkturumfrage im Frühjahr 2025 sehen mittlerweile die meisten Unternehmer die durch die Politik gesetzten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als größtes Geschäftsrisiko an. 2026 53 Zudem zeigen sich auch in Brandenburg die negativen Auswirkungen des demografischen Wandels. Drei von fünf Seniorunternehmern müssen ihre Nachfolge durch einen externen Verkauf realisieren. Das blüht übrigens auch mir, Herr Bommert. Ich bin nicht in der luxuriösen Lage, einen entsprechenden Nachfolger zu haben. Der demografische Wandel wird den Nachfolgedruck in den kommenden Jahren verschärfen. Deshalb bedarf es dringend weiterführender, geförderter Prozessbegleitung, die vor allem die Vorbereitung von Inhabern und Unternehmen umfasst und damit die Übergabefähigkeit verbessert. Wie heißt es immer so schön: Alles hängt nun einmal mit allem zusammen. Fehlende Fachkräfte werden nicht nur für Unternehmen auf Nachfolgesuche zum Problem, wenn dadurch zum Beispiel die personelle Neuausrichtung des Unternehmens erschwert wird; der Engpass schmälert auch das Angebot an Übernahmewilligen. Er macht es für eigentlich geeignete Nachfolgeinteressierte einfacher, gute Konditionen in risikoärmerer, abhängiger Beschäftigung auszuhandeln. Solange man weiterhin das Abitur mit anschließendem Studium zum beruflichen Königsweg erklärt und wie seit Jahren über 50 % der Schüler eines Jahrgangs zur Hochschulreife führt, wird sich daran auch mittelfristig nichts ändern. Kurz gesagt: Die Unternehmensnachfolge entwickelt sich auch in Brandenburg zu einer der größten Strukturfragen. Es besteht die Gefahr, dass immer öfter nachfolgesuchende Unternehmen leer ausgehen und den Betrieb letztendlich schließen müssen. Damit junge Menschen erfolgreich gründen und selbst ausbilden können, brauchen sie bessere Rahmenbedingungen. Dazu gehört vor allem, die Meisterausbildung auch in Brandenburg politisch und finanziell zu stärken. Der Meisterbrief schafft die Grundlage für stabile Betriebe, Innovation und Nachwuchssicherung. Wir brauchen gezielte Anreize für qualifizierte Gründungen, von einer verlässlichen Förderung der Meisterausbildung über weniger Bürokratie bis hin zu besseren Bedingungen für die Betriebsführung. Nur wenn die Selbstständigkeit von jungen Menschen als attraktive Perspektive wahrgenommen wird, können wir die Leistungskraft und Fachkräftebasis sichern. Mit der Unternehmensnachfolgerichtlinie hat das Land eine Grundlage für die thematische Erstansprache gelegt. Jedoch reicht die inhaltliche Ausgestaltung für die effektive Bewältigung der komplexen Herausforderung nicht aus. Der Nachfolge-Check, die Betriebsbörse, die Nachfolgezentrale Brandenburg oder die Unternehmensnachfolgebörse nexxt-change sind bewährte Formate. Trotzdem ist aus Sicht meiner Fraktion noch lange nicht das berühmte Ende der Fahnenstange erreicht. Deshalb unterstützen wir den Antrag der AfD-Fraktion. Auch die Anhörung im Wirtschaftsausschuss im vergangenen Dezember, welche meine Fraktion zusammen mit der SPD initiiert hatte – Herr Penquitt wies, glaube ich, vorhin darauf hin –, hat gezeigt, wo der Schuh die Handwerkskammern besonders drückt. Die Sicherung von Beschäftigung und Wertschöpfung aus Gründen von Haushaltsdefiziten abzulehnen, ist politisch kurzsichtig und eine Milchmädchenrechnung, denn das führt mittel- und langfristig zu dauerhaften Einnahmeverlusten bei Gewerbe- und Einkommensteuer. – Danke. (Beifall BSW)
