Ellen Fährmann
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Sehr geehrte Brandenburgerinnen und Brandenburger! Zur späten Stunde so ein schwieriges Thema. Cicely Saunders hat mal gesagt: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ Es geht nicht darum, das Leben zu verlängern, sondern es geht um ein Leben im Sterben. Heute geht es um Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Es geht um Würde, um Zuwendung, um Menschlichkeit und um die Frage, wie wir als Gesellschaft Verantwortung übernehmen, wenn Heilung nicht mehr möglich ist. Es geht um Fragen rund um eine alternde Gesellschaft, aber auch um Kinder und Jugendliche. Es geht um Angehörige, um Eltern und in vielen Fällen um Geschwisterkinder, die in dieser sehr emotionalen und herausfordernden Zeit – ja, man kann von einer Ausnahmesituation sprechen – Unterstützung und Hilfe brauchen. Wir sprechen über einen der sensibelsten Bereiche unserer sozialen Infrastruktur, und in diesem Punkt besteht über alle Fraktionen hinweg Einigkeit. Die Hospiz- und Palliativarbeit ist unverzichtbar. Die Einrichtungen im Land Brandenburg leisten gemeinsam mit vielen ehrenamtlich Engagierten Tag für Tag eine herausragende Arbeit. Dafür verdienen sie unseren ausdrücklichen Dank und unsere Anerkennung, (Allgemeiner Beifall) gerade auch jetzt, in der Weihnachtszeit. Sie begleiten Menschen, die vielleicht ihr letztes Weihnachtsfest erleben, und dies ist für alle eine emotional herausfordernde Belastung. Aber, meine Damen und Herren, Anerkennung allein reicht nicht. Dies zeigte auch das Fachgespräch am 5. November im Ausschuss für Gesundheit und Soziales – es gibt regionale Versorgungsunterschiede, es fehlen spezialisierte ambulante Palliativteams unter Leitung eines Palliativarztes, insbesondere im ländlichen Raum, es gibt Probleme bei der Fachkräftesicherung und die finanzielle Absicherung von Ehrenamt und Trauerbegleitung ist unzureichend. Ein runder Tisch kann dabei ein Anfang sein. Ein regelmäßiger Austausch ist sinnvoll, um Probleme zu analysieren und Lösungsmöglichkeiten zu besprechen, aber er ist kein Ersatz für politisches Handeln. Die meisten dieser Probleme sind seit Jahren bekannt; ich weiß das aus der Zeit, als ich den ambulanten Hospizdienst in der Uckermark aufgebaut habe, ich weiß es als Palliativ-Care-Pflegekraft, die viele Sterbende begleitet hat, und ich weiß es von meiner Schwiegertochter; sie arbeitet seit vielen Jahren in einem Kinderhospiz, das ich regelmäßig besuche. Wir haben im Ausschuss diskutiert. Wir haben uns die Probleme und Sorgen angehört und sind letztendlich – das sage ich ausdrücklich – gemeinsam zu der Entscheidung gekommen: Ein runder Tisch muss her. Gerade die Fachkräfte in der Hospiz- und Palliativversorgung brauchen keine neuen Diskussionsformate, sondern verlässliche Rahmenbedingungen – eine auskömmliche Finanzierung, eine bessere Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung, klare Zuständigkeiten. Besonders deutlich wird dies bei der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung: Es gibt im Flächenland Brandenburg immer noch keine flächendeckende spezialisierte ambulante Palliativversorgung, keine SAPV-Teams, von einer angemessenen Versorgung von Kindern und Jugendlichen, die immer noch nicht richtig berücksichtigt werden, ganz zu schweigen. (Beifall CDU) Das sind keine Erkenntnisprobleme, sondern es sind schlichtweg Umsetzungsprobleme. Hierbei sind auch die Kostenträger gefordert. Sie sind verpflichtet und müssen uns im Rahmen des runden Tisches unterstützen. Lassen Sie diesen runden Tisch lebendig werden und ihm Taten folgen! Wir erwarten konkrete Maßnahmen, klare Zeitpläne und überprüfbare Ergebnisse. Wir wollen eine nachhaltige Stärkung der Hospiz- und Palliativversorgung in allen Regionen unseres Landes. Ein runder Tisch darf nicht dazu dienen, dass notwendige Entscheidungen vertagt werden oder in Endlosschleifen landen, denn Würde am Lebensende ist kein Projekt, kein runder Tisch, sondern ein Anspruch, den die Menschen zu Recht an uns stellen: der Anspruch, das Leben im Sterben besser zu machen. Gleiches gilt für die Trauerarbeit – für all jene Hinterbliebenen, die Menschen brauchen, die zuhören, da sind und auffangen, denn Hospiz- und Palliativversorgung ist mehr als die Begleitung von Menschen am Lebensende. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem neunjährigen Jungen, den ich begleitet habe: „Meine Zeit auf der Erde ist vorbei. Ich hoffe, dass ich einmal ein Stern am Himmel werde und zusehen kann, dass meine Eltern und Geschwister wieder glücklich und ohne Trauer leben und viele Menschen ihnen dabei helfen. Denn sie werden mich immer in ihrem Herzen behalten.“ – Vielen Dank. (Allgemeiner Beifall)
