Daniela Oeynhausen
Sehr geehrter Herr Vizepräsident! Meine Damen und Herren! Liebe Brandenburger! Kindesmissbrauch, Kindesmisshandlung, Kindesvernachlässigung – das sind Wörter, bei denen es mich als Mutter und als Ärztin schaudert. Und ich kann mir vorstellen: Vielen Eltern, die jetzt am Livestream zuschauen, ergeht es ganz ähnlich. Ich kenne eine Frau, die in ihrer Jugend schwer missbraucht wurde. Dieser Missbrauch geschah in der eigenen Familie, und das verfolgt sie bisher ihr Leben lang. Ja, sie meistert ihr Leben: Sie hat eine Familie gegründet, sie führt eine gute Ehe, sie steht mitten im Leben, und vor Kurzem ist sie glückliche Großmutter geworden. Aber die Ängste kommen immer wieder hoch, und sie werden sie wahrscheinlich bis ans Lebensende verfolgen. Andere Betroffene zerbrechen daran – sozial, gesundheitlich, beruflich –, oder aber ein solches Muster der Vernachlässigung, der Gewalt in der Familie setzt sich über Generationen fort. Das ist furchtbar, und deswegen müssen wir es durchbrechen. Deshalb ist klar: Kinder verdienen unsere volle Unterstützung, ohne Wenn und Aber. Es geht hier um Kinder, um unsere Zukunft! Als AfD begrüßen wir es ausdrücklich, dass es in Brandenburg endlich an vier Klinikstandorten Kinderschutzinstitutsambulanzen geben soll – das Wort „endlich“ betone ich besonders, denn bisher gibt es das bei uns nicht. Betroffene Kinder müssen nach Berlin überwiesen werden. Sie haben richtig gehört: Wir haben keine eigenen Kapazitäten in Brandenburg. Deshalb müssen jährlich etwa 750 Kinder aus unserem Bundesland in eine solche spezialisierte Ambulanz im Nachbarland überwiesen werden. Was machen diese Ambulanzen? Dort sitzen spezialisierte Teams. Sie ordnen Verletzungen richtig ein, dokumentieren sie und arbeiten die Fälle für Jugendämter, für die Gerichte, für die Polizei auf. Das ist wichtig, um Misshandlungen aufzudecken, Dezember 2025 39 aber auch, um schlimme Verdachte zu entkräften. Das hilft Kindern und schützt sie. Jetzt frage ich Sie: Warum gab es so etwas bisher nicht in Brandenburg? – Ganz einfach: Kein Geld! Und jetzt? Die Krankenkassen wollen zahlen, was vorher nicht der Fall war. Es scheiterte bisher also am Geld – und das darf doch nicht wahr sein. Kinderschutz darf doch keine Frage des Geldes sein! (Vereinzelt Beifall AfD) Wir wissen: Wenn es solche spezialisierten Ambulanzen gibt, werden mehr Fälle entdeckt, und es kann mehr Kindern geholfen werden. Nach jahrelanger Vorankündigung wird jetzt die Landesregierung aktiv und springt ein. Sie will jeden Standort mit 25 000 Euro aus Lottomitteln fördern, weil die Rahmenvereinbarungen auf Bundesebene noch nicht ganz fertig sind. Sie hören richtig: 25 000 Euro pro Standort aus Lottomitteln! Da verschlägt es einem die Sprache, wenn man schaut, wofür die rot-lila Regierung die Gelder sonst so raushaut oder geradezu versenkt. Das zeigt leider, welche Prioritäten die Landesregierung setzt. Man konnte es schon zu Beginn dieses Tagesordnungspunktes erkennen; da waren die Reihen der Regierungskoalition und der Minister nämlich leergefegt, liebe Brandenburger. Daran sehen Sie: Offensichtlich ist Kinderschutz hier wenig wert. Nach der Mittagspause füllen sich die Reihen nur peu à peu. Das ist bei uns von der AfD natürlich nicht der Fall. (Lachen bei SPD und CDU – Ludwig Scheetz [SPD]: Die Hälfte fehlt bei euch!) Uns geht Kinderschutz an. Wir sind froh, dass endlich etwas für missbrauchte, für vernachlässigte Kinder passiert. Das begrüße ich sehr. Deswegen fordere ich die Landesregierung auf: Treiben Sie die Einrichtung dieser Ambulanzen schnell und konsequent voran und vergessen Sie dabei nicht, dass wir die Ursachen bekämpfen müssen! Jedes missbrauchte Kind ist eines zu viel. Prävention ist der beste Kinderschutz. – Vielen Dank. (Vereinzelt Beifall AfD)
