Niels-Olaf Lüders
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Vor 80 Jahren, am 25. Juli 1945, fiel nur vier Kilometer Luftlinie entfernt von hier eine grausame Entscheidung, die unsere Welt veränderte: US-Präsident Harry Truman gab während der Potsdamer Konferenz im Haus Erlenkamp – heute als Truman-Villa bekannt – den Befehl zum ersten und bislang einzigen Einsatz von Atomwaffen in einem Krieg. Wenige Tage später wurde Trumans Befehl ausgeführt. Am 6. und 9. August zerstörten US-amerikanische Atombomben die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki nahezu vollständig. Unmittelbar nach der Explosion starben hunderttausend Menschen, überwiegend Zivilisten. In den darauffolgenden Monaten und Jahren kamen viele weitere Todesopfer hinzu. Nach offiziellen Angaben liegt die Gesamtzahl der Toten einschließlich derjenigen, die an Verletzungen und Strahlenschäden starben, bei über 344 000 in Hiroshima und über 198 000 in Nagasaki. Dabei war Japan schon im Juli 1945 de facto besiegt. Die Kaiserlich Japanische Marine war vollständig ausgeschaltet, und alliierte nichtatomare Bombenangriffe hatten rund zwei Drittel der japanischen Städte bereits vorher zerstört. Teile der japanischen Führung hatten zudem die Sinnlosigkeit eines weiteren Kampfes erkannt und signalisiert, den Krieg beenden zu wollen. Angesichts dieser Lage betrachten zahlreiche Historiker den Einsatz der Atombomben als militärisch vollkommen unnötig, von der moralischen Bewertung mal ganz zu schweigen. Der Schmerz und die Wunden sitzen in der japanischen Gesellschaft immer noch tief. Umso wichtiger ist die Erinnerung, und umso bemerkenswerter ist es, welche Schlüsse die Japaner aus dieser Tragödie gezogen haben: Die japanische Verfassung verbietet die Unterhaltung kriegsfähiger Streitkräfte. Lediglich zur reinen Landesverteidigung darf Japan eine Armee unterhalten. – Ein sehr gutes Beispiel. In Japan existieren zudem unzählige zivilgesellschaftliche Vereinigungen, die sich der Abrüstung und der Abschaffung von Atomwaffen widmen.
