Ludwig Scheetz
Nein. – Da hat man wieder einmal der KI freien Lauf gelassen. Ich habe es auch getestet und die Stichworte des Antrages in ein KI-Programm eingegeben – herausgekommen ist ziemlich genau dieser Antrag. Man sieht: Auch die künstliche Intelligenz kennt politische Beliebigkeit. (Heiterkeit SPD und CDU) Meine sehr verehrten Damen und Herren, verstehen Sie mich nicht falsch. Identität, Heimat und Geschichte sind Themen, die uns alle angehen. Sie sind wichtig. Sie prägen, verbinden und fordern uns – gerade in Brandenburg, einem Land mit einer bewegten und teils widersprüchlichen Vergangenheit, vom preußischen Königreich über die NS-Diktatur und die DDR bis zur friedlichen Revolution. Diese Geschichte verdient Differenzierung statt Verklärung. Die Idee, unsere brandenburgische Geschichte auf eine identitätsstiftende Kampagne zu reduzieren, halte ich für politisch gefährlich, denn Geschichte ist nie eindeutig. Sie ist komplex und ambivalent und lehrt uns auch Demut. Wer sie auf einen „Stolz-Pass“ zusammenkürzt, betreibt keine Bildung, sondern Inszenierung. Und dann kommt wieder das Preußen-Narrativ. Natürlich war Brandenburg das Herzland Preußens. Aber Preußen war eben nicht nur Glanz, Ehre und Disziplin; Preußen war auch Obrigkeitsstaat und Militarismus. Wer das verklärt, ohne es einzuordnen, verfehlt ebenfalls den Bildungsauftrag. (Beifall SPD und BSW sowie des Abgeordneten Steeven Bretz [CDU]) An der Stelle zur Einordnung: Die großen Fortschritte Preußens – ob Bildungsreform, Infrastruktur oder Modernisierung – wurden meist in Phasen der Aufklärung, Sozialreform und gesellschaftlichen Öffnung erzielt. Preußens beste Jahre waren oft sozialdemokratisch geprägt. (Beifall SPD – Lachen des Abgeordneten Lars Hünich [AfD] – Zurufe der Abgeordneten Jean-Pascal Hohm und Dennis Hohloch [AfD]) Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich will noch auf die Idee des „Stolz-Passes“ eingehen. Natürlich wirft allein der Begriff Fragen auf: Wie viele Stempel braucht man denn für ein vollwertiges Heimatgefühl? (Zuruf von der AfD: Alle! – Vereinzelt Heiterkeit) Was ist mit den Menschen mit Migrationsgeschichte? Dürfen die da überhaupt mitmachen? Und wird man nach zehn Museumsbesuchen dann zum Ehrenbrandenburger gekürt und bekommt obendrauf noch Jodeldiplom und -urkunde? (Lachen und Beifall SPD und CDU – Dennis Hohloch [AfD]: Weil Jodeln ja so preußisch ist!) Apropos Loriot – das bezieht sich nämlich auf ihn. Sogar auf ihn wird im Antrag abgestellt; das ist wahrscheinlich der klügste Teil Ihres Antrages. Sicherlich lieben wir alle hier im Raum Loriot, (Dennis Hohloch [AfD]: Nee!) und ich bin mir sicher, Loriot hätte diesen Antrag zur Kenntnis genommen, aber nicht unterstützt. Er hätte ihn mit Sicherheit zerlegt, Szene für Szene, und ich wünschte mir sehr, er hätte diesen Antrag parodiert, denn er liest sich streckenweise wie gut getarnte Satire. Meine sehr verehrten Damen und Herren, um hier zum Schluss wieder ein bisschen Ernsthaftigkeit einfließen zu lassen: Wir wollen einen offenen, kritischen und vielfältigen Zugang zur brandenburgischen Geschichte, der den Menschen nicht vorschreibt, was sie zu empfinden haben, sondern sie dazu einlädt, sich zu interessieren. Unsere Kulturpolitik fördert Museen, Gedenkstätten und Bildungsarbeit. Wenn Ihr historisch fundierter Blick auf Brandenburg dazu führt, dass Sie das Landesmotto durch ein „Star Wars“-Zitat ersetzen wollen, sagt das mehr über Ihre politische Arbeit als über unsere Geschichte aus. Wir lehnen den Antrag ab – nicht, weil wir nichts von Heimat halten, sondern gerade, weil wir sie ernst nehmen. – Vielen Dank. (Beifall SPD, BSW und CDU)
