René Wilke
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! In dieser Debatte wurde schon einiges gesagt – manches völlig zutreffend, und anderes hat zumindest bei mir eher Verwunderung ausgelöst. Ich beginne mit dem, was die Feuerwehr in der Regel tut, wenn sie in Einsätze geht – Sie versucht, ein differenziertes Lagebild zu erstellen. Ich glaube, es tut auch diesem Haus gut, wenn man sich der Frage nähert, indem man differenziert: Was ist gelungen? Wo müssen wir weitermachen? Wie ist die Situation? Ich finde, wenn wir über die Situation der Feuerwehren und des Landes Brandenburg in diesem Themenfeld sprechen, lohnt es sich durchaus, in langen Linien zu denken und auch lange Linien zu würdigen. Ich bin Herrn Noack für die Kurzintervention dankbar, denn vieles von dem, was wir heute in diesem Land vorfinden, hat tatsächlich auch mit der Arbeit von Jahren und sogar Jahrzehnten zu tun – mit Kontinuität und Veränderung der Regierung –, und das ist etwas, was wir auch gemeinsam auf diese Weise würdigen können. Die Lage in Brandenburg ist insofern speziell, als es das Bundesland mit der höchsten Waldbrandgefährdung in Deutschland ist. Das liegt an Dingen, die gerade auch korrekt genannt wurden: Wir haben trockene Böden und eine Kiefernmonokultur, eine sehr hohe Kampfmittelbelastung und – gestern wurde es hier in der Debatte strittig gestellt, obwohl die Wissenschaft es ziemlich klar auf den Tisch legt – die Tatsache, dass sich die Klimazone, in der wir uns befinden, in den nächsten Jahrzehnten zu der des heutigen Canberra in Australien entwickeln wird. Auch das wirkt sich auf die Frage der Waldbrände in diesem Land aus. (Lachen des Abgeordneten Dennis Hohloch [AfD]) Darüber hinaus haben wir mittlerweile eine Situation, die mit der Gefährdungslage in Portugal und Griechenland vergleichbar ist. Das sind die Länder, die wir in den Nachrichten häufig als von Waldbränden stark betroffen erleben. Dem stehen in diesem Land 40 000 Kameradinnen und Kameraden gegenüber, die bei der Feuerwehr – der freiwilligen und der Berufsfeuerwehr – tätig sind. Das ist eine großartige Zahl, die übrigens in den vergangenen Jahren konstant geblieben ist, trotz aller Entwicklungen und Schwierigkeiten. Da sind weitere 2 400 junge Menschen; ich habe die Statistik mitgebracht, damit Sie sich das anschauen können: (Der Minister zeigt ein Schaubild.) Hier unten sind die Zahlen zur Entwicklung der Jugendfeuerwehren in diesem Land – aufsteigend. Allein von 2020 bis 2024 sind es mehr als 2 000 zusätzliche junge Menschen, die in Brandenburg bei der Jugendfeuerwehr tätig sind. Das ist ein tolles Zeichen; mein herzlicher Dank an alle, die das ermöglichen! (Beifall SPD und BSW) Schauen wir uns die Lage weiter an: Brandenburg hatte erst vor wenigen Tagen Besuch von der Europäischen Kommission. Das ist eine große Besonderheit: Was ich Ihnen gerade zur Lage unseres Bundeslandes skizziert habe, wird auch auf EU-Ebene gewürdigt. Die von der Europäischen Kommission begutachteten Waldbrandländer sind normalerweise Staaten. Brandenburg ist das einzige Bundesland bzw. die einzige Region, die wegen ihrer besonderen Lage in Sachen Waldbrand begutachtet wurde. Bei dieser Begutachtung durch die Europäische Union, die immerhin zwischen allen Staaten der EU einen Vergleich zieht, kam Brandenburg verdammt gut weg. Die Tatsache der speziellen Lage Brandenburgs hat auch dafür gesorgt, dass in diesem Land in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eine große, erhebliche Kompetenz aufgebaut wurde. Das sage ich ohne einen Hauch von Arroganz anderen gegenüber, denn das ist etwas, was über uns gekommen ist und womit wir umgehen mussten. Es ist eine Kompetenz, die von anderen nicht nur beachtet, sondern auch in Anspruch genommen wird. Vertreter anderer Bundesländer kommen nach 2025 15 Brandenburg und fragen: Wie können wir uns da gut aufstellen? Ihr habt so viel Erfahrung und gutes Gerät – was sollten wir davon übernehmen? Auch aus anderen Staaten kommt man zu uns und lässt sich von Brandenburg beraten. Ich stelle mich nicht hier vorn hin und sage: Hier ist alles glorreich, großartig und toll; das ist das Beste der Welt. – Aber wenn es um Brandschutz und Feuerwehr geht, kann man wirklich sagen: Brandenburg steht nicht nur verdammt gut da, sondern es ist wegen der Notlage, die wir haben, an die Spitze der Europäischen Union gerückt. (Beifall SPD und BSW)
