Rainer Genilke
Ich bin heute das erste Mal hier oben: Schönen guten Tag von offizieller Seite! Diese Wechsel mit Frau Dr. Gruhn werden Sie noch weiter begleiten; das liegt daran, dass sich Vizepräsidenten sehr gern in die Debatte einmischen. (Heiterkeit) Ich rufe Tagesordnungspunkt 5 auf. TOP 5: Pharmaziestudium an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTUCS) frühzeitig umsetzen Antrag der CDU-Fraktion Drucksache 8/460 Die CDU-Fraktion hat diesen Antrag als ihre Priorität angemeldet. Die Debatte beginnt mit dem Beitrag des Abgeordneten Prof. Dr. Schierack für die CDU-Fraktion. Prof. Dr. Michael Schierack (CDU):* Herr Vizepräsident! Liebe Abgeordnete! Liebe Zuhörer! Im vorliegenden Antrag geht es – Sie können es im Antrag lesen – um ein medizinisches Thema, nämlich die Versorgung mit Apotheken, gerade im ländlichen Raum. Viele Brandenburger nehmen den Mangel bereits wahr; sie müssen lange Wege auf sich nehmen, um zu einer Apotheke zu kommen. Glaubt man den Berechnungen, die uns die Apothekerkammer ins Stammbuch schreibt, werden im Jahr 2030 30 % der Apothekerinnen und Apotheker in Rente gehen. Insbesondere im ländlichen, gar nicht so sehr im städtischen Bereich besteht die Gefahr, dass für diese keine Nachbesetzung zu finden ist, weil es an Apothekern mangelt. Das ist nicht nur eine Herausforderung für uns, sondern auch für die Bürger, für das gesamte Gesundheitssystem. Für viele Akteure, die sich damit beschäftigen, liegt eine von vielen Lösungen auf der Hand: der Aufbau eines Pharmaziestudiengangs hier, in unserem Land, genauer gesagt: an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. (Zuruf des Abgeordneten Dr. Hans-Christoph Berndt [AfD]) Der Landtag sollte daher die Landesregierung heute auffordern, das vorliegende Konzept umzusetzen. Wir sollten damit Schritt für Schritt in dieser Legislaturperiode beginnen; denn Ziel soll es sein, dass wir die ersten Studierenden noch in dieser Legislaturperiode begrüßen können. Dafür müssen wir jetzt beginnen. (Beifall CDU) Natürlich ist mir klar, dass die Summen, die ich gleich nennen werde, nicht sofort zur Verfügung stehen, sondern langsam aufwachsen. Schließlich geht ein Studiengang nicht sofort voll an den Start, sondern wird langsam aufgebaut. Aber wir sollten schon jetzt dafür sorgen, dass das im Doppelhaushalt 2025/2026 des Landes zumindest erkennbar ist, sodass der Aufbau langsam stattfinden kann. In einer gemeinsamen Kabinettssitzung der Landesregierungen von Sachsen und Brandenburg im April letzten Jahres wurden viele Projekte besprochen, unter anderem dieser Pharmaziestudiengang. Beide Länder haben sich dazu bekannt. Es wurde vereinbart, dass es hierfür ein gemeinsames Konzept geben soll. Dieses wurde unter Beteiligung der Apothekerkammern, weiterer Fachleute, aber auch der BTU Cottbus-Senftenberg erstellt und dann, im Juli 2024, vorgelegt. Jetzt liegt es, meine ich, in einer Schublade irgendeines Ministeriums – ich weiß nicht, ob es das Wissenschaftsministerium oder das Gesundheitsministerium ist; wir werden es gleich hören. Ich glaube, wir sind gut beraten, dieses Konzept heute auf den Weg zu bringen und zu beschließen, sodass wir diesen Studiengang in Brandenburg bekommen. Die Apothekerkammer kämpft seit mindestens 12 Jahren dafür. Aktuell ist es so: Wenn jemand hier in der Region Pharmazie studieren möchte, muss er nach Berlin oder Leipzig gehen, ansonsten noch viel weiter weg. Es besteht dann die Gefahr, dass diese Studierenden als Absolventen nicht zurück ins Flächenland Brandenburg kommen. Wir alle wissen um den Klebeeffekt, den es durchaus geben könnte, wenn wir in Brandenburg selbst Apotheker ausbilden würden. Das Konzept, das vorliegt, bindet die regionalen Apotheken zudem ein, sodass Studierende an der BTU frühzeitig an die Apotheken in Brandenburg und Sachsen herangeführt würden. Sie erkennen dann hoffentlich die Schönheit des Landes Brandenburg und bleiben hier. Das wäre sehr innovativ. Nur fehlt das endgültige Bekenntnis der Landesregierung dazu. Jetzt komme ich zu dem finanziellen Aspekt. Das Konzept sieht zur Anfangsfinanzierung 2,5 Millionen Euro vor, im laufenden Betrieb 5 Millionen Euro. Die Kapazitäten, die an der BTU, insbesondere in Senftenberg, bestehen, würden zunächst ausreichen. Der Grundstock ist da; es wäre also durchaus umsetzbar. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie schon davon überzeugt sind. Es könnte aber auch sein, dass Sie sagen: Na ja, wir müssen auf Sachsen warten. Die Sachsen haben sich dazu noch gar nicht bekannt – das könnte ein Totschlagargument sein –, aber ich finde: Wenn wir die Apotheker in Brandenburg ausbilden und haben wollen, müssen wir vorangehen und dürfen nicht darauf warten, dass die Sachsen das tun. Ich bitte Sie, diesem Antrag zuzustimmen, damit wir in diesem Land Apothekerinnen und Apotheker ausbilden können. – Herzlichen Dank. (Beifall CDU)
