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Ellen Fährmann

CDU 23.01.2025 Sitzungen 8/6

Herr Vizepräsident! Werte Abgeordnete! Werte Besucher auf der Tribüne – es sind ja nicht viele übriggeblieben! Kennen Sie Gesundheitsbuddys? Gesundheitsbuddys sind ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die Menschen, die nur noch eingeschränkt mobil sind, zu Hause besuchen und sie mit viel Freude zu gemeinsamer Bewegung ermuntern. Koordination, Kraft und Gleichgewicht werden geschult – und man ist überrascht, dass kleine Bewegungsübungen Großes bewirken können, weil dadurch der Radius der Bewegungen und damit die Teilhabe am Leben größer werden. – Das ist ein Projekt des Amtes Brück. Auf dem Land fällt es vielen pflegebedürftigen Menschen oft schwer, zum Arzt oder zum Friseurtermin zu kommen; aber auch Freunde oder Bekannte zu treffen wird zu einer echten Herausforderung. Mit dem ehrenamtlichen Tür-zu-Tür-Fahrangebot „Für – Euch – mobil“ reagierte die Stadt Prenzlau auf diesen Bedarf. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer übernehmen Fahrdienste und entlasten damit pflegende Angehörige. Vorn ein Ehrenamtler am Piano, ihm gegenüber 10 bis 15 Sangesfreudige – in Lübbenau ist das inzwischen ein gewohntes Bild. Keine Frage: Musik verbindet Menschen, und sie kann den Verlauf von Demenz oder Kreislauferkrankungen positiv beeinflussen. Das ist das Ziel des generationsübergreifenden Musikprojektes „Alte Hasen – Junge Hüpfer“. Das Musizieren und der Erfahrungsaustausch sollen es älteren und pflegebedürftigen Menschen ermöglichen, aus der Einsamkeit herauszukommen – ein Projekt in Lübbenau. Dies sind nur drei von über 640 Projekten, die dank des Landesprogramms „Pflege vor Ort“ – ein Teil des Paktes für Pflege – seit 2021 im ganzen Land Brandenburg entstanden sind. (Beifall CDU sowie vereinzelt SPD) Brandenburg hat hier einen so erfolgreichen Weg beschritten, dass es eine Vorreiterrolle eingenommen und über die Landesgrenzen hinaus viel Interesse geweckt hat. Das Engagement und die hohe Bereitschaft der Landkreise und kreisfreien Städte, sich an dem Projekt zu beteiligen, sind beeindruckend; bis dato sind es 85 % der Kommunen. Ich gebe zu, am Anfang sah ich die Idee von „Pflege vor Ort“ durchaus skeptisch, denn wir hatten schon viele Projekte, die irgendwann im Sande verlaufen sind. Jedoch überzeugen die unzähligen Projekte der sozialen und kulturellen Teilhabe, der mobilen und unterstützenden Alltagsangebote oder Schulungen und des Austausches für pflegende Angehörige, die in den letzten Jahren entstanden sind – immer flankierend begleitet von der Fachstelle FAPIQ, die jederzeit mit Beratung, Begleitung bei Projektideen und Umsetzung an der Seite der Kommunen stand, so wie auch das Kompetenzzentrum Demenz. „Pflege vor Ort“ ist jedoch nur dank der Projektkoordinatorinnen und -koordinatoren möglich, die diese Aufgabe steuern und ausbauen. Und es sind die vielen Hunderten Ehrenamtlichen, die diese Projekte mit Leben erfüllen. Sie haben hier ein sinnvolles Betätigungsfeld gefunden, das sie ausfüllt und dem sie gern ihre Freizeit widmen. (Beifall CDU sowie vereinzelt SPD) Ich möchte diesen Ehrenamtlichen an der Stelle von ganzem Herzen danken, dass sie ihre Freizeit für unsere Pflegebedürftigen und die Seniorinnen und Senioren im Land einsetzen. (Beifall CDU und SPD sowie vereinzelt BSW) Diese Projekte sind deshalb so bedeutsam, da sie durch niedrigschwellige Angebote die Prävention und das Hinauszögern von Pflegebedürftigkeit mit in den Blick genommen haben. Viele Seniorinnen und Senioren nutzen die Angebote, um fit zu bleiben und ein möglichst langes Leben in der eigenen Häuslichkeit zu führen. Es zeigt sich, dass hier der Problematik der Vereinsamung entgegengesteuert wird und die Nutzer an Lebensqualität gewinnen. Für pflegende Angehörige bedeutet es Hilfe bei alltäglichen Problemen im Pflegealltag, die Möglichkeit des Austausches mit Gleichgesinnten und der eigenen Weiterentwicklung durch Schulungen zu den unterschiedlichsten Krankheitsbildern und Pflegethemen. Nur so kann es ihnen möglich sein, die so aufopferungsvolle, psychisch und physisch anstrengende Tätigkeit als Pflegende im Interesse der Gesellschaft lange Zeit auszuüben. Wenn hier professionelle Pflege, sei es in ambulanter, teilstationärer oder stationärer Form, einspringen müsste, wäre das der Kollaps für das Pflegesystem in Brandenburg. Schon jetzt gibt es nicht ausreichend Pflegefachkräfte und Pflegeassistenten, um die Anfragen zur Übernahme professioneller Pflege zu berücksichtigen. Es gibt in Brandenburg kaum noch eine Familie, die sich nicht mit dem Thema Pflege beschäftigt, sei es bei der Unterstützung im Alltag oder dann später bei der Pflegebedürftigkeit nach dem Erhalt eines Pflegegrades. Es hat sich nichts daran geändert: Die pflegenden Angehörigen sind der größte Pflegedienst Deutschlands und vor allem in Brandenburg, wo 87 % der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt werden – und die Zahl steigt weiter. Diese mehr als 640 wertvollen Projekte von „Pflege vor Ort“ stehen aktuell vor dem Aus. Meine anfängliche Skepsis war also doch nicht ganz unbegründet. Die alte Landesregierung sorgte noch dafür, dass der Förderzeitraum mittels Überbrückungen auf 30.06.2025 verlängert wurde. Doch wie geht es jetzt weiter? Viele Akteure vor Ort sind verunsichert und bangen um jedes einzelne mühsam geschaffene Angebot in den Städten und Dörfern. Dies zeigen die vielen Gespräche, die ich führe, sowie die Mails und Anrufe, die mich erreichen. Es darf nicht wieder passieren, dass solch ein wertvolles, mit Engagement und viel Leidenschaft auf den Weg gebrachtes Projekt eingestampft oder gar die Weiterfinanzierung den schon klammen Kassen der Landkreise und kreisfreien Städte überlassen wird. Sie, die Abgeordneten des 8. Brandenburger Landtages, haben dieses Thema während des Wahlkampfes in Ihren Wahlbezirken aufgerufen und den Bürgerinnen und Bürgern versprochen, sich dafür einzusetzen, dass der Pakt für Pflege weitergeführt wird. Halten Sie Ihre Versprechen ein! Unterstützen Sie den Antrag der CDU-Fraktion zur Weiterführung und Verstetigung des Paktes für Pflege sowie seiner Verankerung im Landespflegegesetz. Stimmen Sie unserem Antrag zu und sorgen Sie so für die Fortsetzung dieses erfolgreichen Projektes und bringen Sie so den Ehrenamtlichen die Wertschätzung entgegen, die sie verdient haben! – Vielen Dank. (Beifall CDU, vereinzelt Beifall SPD sowie Einzelbeifall BSW)

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