landtag.brandenburg.de ↗

Christian Dorst

BSW 22.01.2025 Sitzungen 8/5

Sehr geehrter Herr Vizepräsident! Werte Kollegen! Sehr verehrte Damen und Herren auf der Tribüne und – wer noch wach ist – am Livestream! (Heiterkeit des Abgeordneten Ludwig Scheetz [SPD]) Man sollte die Sorgen von Frauen, die eine Benachteiligung durch die Teilnahme von Transfrauen am Frauensport befürchten, die die sportliche Fairness gefährdet oder sich gar einem höheren Verletzungsrisiko ausgesetzt sehen, selbstverständlich ernst nehmen. Es wäre falsch, diese Befürchtungen wegzuwischen. Schließlich gab es in den vergangenen Jahren einige dieser Fälle, die sich, wie wir erst jüngst gesehen haben, über das Internet rasant verbreiteten. Gleichzeitig sollten wir – beide Vorrednerinnen haben es schon angemahnt – die Kirche im Dorf lassen. In Brandenburg ist dieses Thema, wenn überhaupt, höchstens ein Randphänomen. Der LSB hat auf unsere Nachfrage hin mitgeteilt, mit dem Thema Transfrauen im Sport noch keinerlei Probleme gehabt zu haben. Es gab noch keinen einzigen Fall. Deshalb sollten wir übertriebene Emotionen weglassen und stattdessen sachlich über dieses Thema sprechen. Der Sport ermöglicht es Menschen, sich in einer Gemeinschaft aufgehoben zu fühlen und sich mit anderen in einem geschützten Rahmen zu messen. Die Frage, wie die sportliche Fairness und der geschützte Rahmen gewahrt bleiben können, ist eng mit dem Thema Transfrauen und Frauensport verbunden. Das IOC hat es den Sportverbänden überlassen, diese Frage zu klären. Wir werben dafür, dass der DOSB hierzu verbindliche Richtlinien erlässt. Die Erfüllung von Punkt eins des vorliegenden Antrags ist schlicht und ergreifend Sache nationaler und internationaler Regelungen, die sich die Sportverbände selbst geben und denen der Sport in Brandenburg unterliegt. Eine separate Beschlussfassung des Landtags ist daher wenig zielführend. Wir lehnen Ihren Antrag demzufolge ebenfalls ab. (Vereinzelt Beifall BSW, SPD und CDU) Dennoch möchte ich die Position unserer Partei noch etwas skizzieren. Ich denke, dass man zwischen Wettkampfsport und Freizeitsport unterscheiden sollte. Vor dem Hintergrund des Erfordernisses gerechter Wettkämpfe im Leistungssport erscheint dem BSW die Integration von Transfrauen in den Frauensport wenig sinnvoll. Es bestehen nun einmal körperliche Unterschiede zwischen Mann und Frau, und es gibt hormonelle Faktoren, die eine Rolle spielen. Dies gilt sogar für biologische Frauen im Frauensport. Weil dem so ist, haben unzählige Sportverbände für ihre Wettkämpfe Grenzwerte für männliche Hormone bei weiblichen Leistungssportlerinnen eingeführt. Das geschah nicht ohne Grund; in der früheren Dopingpraxis waren männliche Hormone ja sehr häufig im Einsatz. Wo dieser Grenzwert gesetzt wird, ist sicherlich eine Frage, über die in den Sportverbänden diskutiert werden kann. Überschreitet eine biologisch weibliche Athletin diesen Grenzwert, darf sie nicht antreten. Für eine biologisch weibliche Athletin, die ganz ohne Doping unnatürlich hohe männliche Hormonwerte aufweist, ist dies dann mitunter nicht fair. In unserer heutigen Zeit, in der die biologische Realität immer weiter aufgelöst zu sein scheint, ist eine solche Praxis der klaren Regeln – die auch Härten aufweisen – oft der Kritik ausgesetzt. Dann heißt es: Jede Person, egal welchen Geschlechts oder welcher Identität, muss immer das Recht haben, an einem Wettkampf teilzunehmen. Doch dieser Ansatz der pauschalen Gleichbehandlung greift zu kurz. Man muss es zugeben: Die Biologie ist leider nicht wirklich gerecht. Es bleibt Frauen vorbehalten, schwanger zu werden, Kinder zu gebären und zu stillen; die Männer sind da außen vor. Im Leistungssport ist es ähnlich: Wenn jemand nur 1,55 m groß ist, kann diese Person nicht das Recht einfordern, Basketballprofi in der NBA zu werden. Das ist nicht fair für die betreffende Person, aber so ist es nun einmal. Im Freizeitsport, in dem es nicht um Wettkämpfe geht, sollten die Sportverbände pragmatische Lösungen finden, die es Transfrauen ermöglichen, in der Gemeinschaft Sport zu treiben. Der Aufenthalt von Transfrauen in Umkleidekabinen ist tatsächlich ein Problem für viele. – So lautet zumindest die Aussage des Sportbundes. Das Stadtbad in Falkensee zum Beispiel hat dazu verbindliche Richtlinien geschaffen. Hier wird der Zugang nach Zugehörigkeit zum biologischen Geschlecht gewährt. Nach Rückfrage beim LSB Brandenburg waren dort bisher alle in der Lage, die Thematik vor Ort zu klären, aber verbindliche Absprachen müssen in Zukunft noch erfolgen. Angedacht ist aber auch hier eine Trennung nach biologischem Geschlecht. Das soll es von meiner Seite dazu gewesen sein. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall BSW und SPD)

Alle Reden von Christian Dorst Protokoll ↗