Britta Kornmesser
Herr Vizepräsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Frau Bessin hat sich gerade etwas in Rage geredet. (Birgit Bessin [AfD]: Ich war doch ganz ruhig!) Was sie allerdings nicht gesagt hat, ist, dass dieser Antrag der fast vollständige Abklatsch eines Antrags der AfD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen vom November letzten Jahres ist; die AfD hier hat ihn nahezu wortgleich übernommen. (Erik Stohn [SPD]: Ach! – Birgit Bessin [AfD]: Ja, und? – Andreas Noack [SPD]: Ihr schreibt ab!) Es stecken also keinerlei Gehirnschmalz oder eigene Gedanken drin. (Lena Kotré [AfD]: Das gibt’s überall!) Ich finde es schade, dass das anscheinend Ihre Auffassung von Oppositionsarbeit ist. (Vereinzelt Beifall SPD – Zuruf von der AfD) Sie als AfD-Fraktion wissen doch ganz genau, dass der Landtag Brandenburg für diese Frage schlicht und ergreifend nicht zuständig und damit nicht der richtige Ansprechpartner ist. (Erik Stohn [SPD]: Ach!) Es schickt sich nicht, unserem Landessportbund und unseren – unabhängigen! – Sportvereinen zu sagen, wie sie ihre Satzungen und Regelwerke auszugestalten und zu leben haben. (Beifall SPD sowie vereinzelt BSW und CDU) Vielmehr geht es Ihnen wieder einmal lediglich darum, Menschen, die nicht Ihrem antiquierten Weltbild entsprechen, zu diffamieren. (Zuruf: Och!) Genau das lassen wir nicht zu! (Beifall SPD) Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der vorliegende Antrag präsentiert sich bei oberflächlicher Betrachtung als Initiative für Gerechtigkeit im Frauensport. Doch in Wahrheit ist er nichts anderes als ein weiterer Versuch, transgeschlechtliche Menschen zu diskriminieren, (Zuruf der Abgeordneten Lena Kotré [AfD]) Sportlerinnen gegeneinander auszuspielen und Ängste zu schüren. Der Sport im Land Brandenburg hat eine herausragende Bedeutung. Im Jahr 2024 zählten unsere Sportvereine mehr als 380 000 Mitglieder. Sportvereine sind Orte der Begegnung, Orte, an denen Werte wie Fairness, Teamgeist und gegenseitiger Respekt gelebt werden. Die SPD Brandenburgs hat sich im Koalitionsvertrag mit dem BSW klar dazu bekannt, den Breiten- und den Spitzensport zu fördern. Unser Ziel ist eine inklusive Sportlandschaft, in der niemand ausgegrenzt wird, unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Identität. (Beifall SPD sowie vereinzelt BSW) Die AfD unterstellt in ihrem Antrag, durch die Teilnahme von Transgenderfrauen sei der Wettkampfsport in Brandenburg gefährdet und andere Frauen würden dadurch benachteiligt. Tatsächlich machen transgeschlechtliche Athletinnen nur einen verschwindend geringen Anteil aus. Dieses Thema hat bislang keine Rolle im Vereins- und Wettkampfsport in Brandenburg gespielt. (Andreas Noack [SPD]: Huch!) Sie reden also Probleme herbei, die es im Land Brandenburg offenkundig gar nicht gibt. Meine Damen und Herren, die AfD führt in ihrem Antrag den Fall der algerischen Boxerin Imane Khelif an. Der Fall von Imane Khelif bei den Olympischen Spielen in Paris ist ein komplexes und vielschichtiges Beispiel (Zuruf des Abgeordneten Tim Zimmermann [AfD]) für die aktuellen Herausforderungen im Bereich „Geschlechteridentität und Fairness im Sport“. Die Kontroverse um diese Boxerin umfasst medizinische, rechtliche und ethische Aspekte, die den internationalen Sport betreffen. Dieser Fall berührt die grundlegende Frage, wie Sportorganisationen eine Balance zwischen Fairness und Inklusion herstellen können. Kritiker argumentieren, dass genetisch männliche Athleten durch höhere Testosteronwerte und physiologische Unterschiede wie Muskelmasse oder Knochendichte Vorteile im Wettbewerb hätten, die durch Hormontherapien nicht vollständig ausgeglichen werden könnten. Im vorliegenden Fall haben die Befürworter von Khelifs Teilnahme betont, dass sie als Frau aufgewachsen und sozialisiert worden sei (Lena Kotré [AfD]: Dann reicht’s ja!) und das Recht habe, entsprechend ihrem offiziellen Geschlecht zu konkurrieren und an Wettkämpfen teilzunehmen. (Zuruf der Abgeordneten Lena Kotré [AfD]) Das sind die zwei Positionen. Dieser Fall verdeutlicht, dass das IOC und andere internationale Sportorganisationen vor der Herausforderung stehen, weiter an einheitlichen Standards zu arbeiten sowie wissenschaftlich fundierte und ethisch vertretbare Richtlinien zu entwickeln, wie inter- und transsexuelle Personen im Sport behandelt werden sollten. Unsere nationalen Spitzenverbände orientieren sich an den internationalen Regelungen. Sie sind für den Schutz der Athletinnen und Athleten sowie für die Förderung der Gleichbehandlung im Sport verantwortlich. Der organisierte Sport befasst sich bereits intensiv mit den Entwicklungen der letzten Jahre in diesem Bereich, um fairere Wettkampfbedingungen für die Sportlerinnen und Sportler sicherzustellen. Ich frage Sie daher, Frau Bessin: Warum haben Sie nicht die Chance genutzt, zu diesem Thema direkt mit dem Landessportbund Kontakt aufzunehmen und sich genau diese Informationen einzuholen? Sie hätten uns hier sehr viel Zeit ersparen können. (Beifall SPD sowie vereinzelt BSW und CDU) Zusammenfassend stelle ich fest: Wir als Landtag haben nicht das Recht, dem Landessportbund oder den Sportvereinen vorzuschreiben, wie sie ihre Satzungen zu gestalten und den Wettkampfsport zu organisieren haben. Daher läuft der vorliegende – abgekupferte! – Antrag der AfD genauso wie schon in Nordrhein-Westfalen vollkommen ins Leere.
