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Christian Zander

CDU 10.09.2026 Sitzungen 19/91

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Krüger! Ich finde es ein bisschen schade, dass Sie hier falsch abgebogen sind; nicht nur, dass Sie jetzt eigentlich über einen anderen Antrag gesprochen haben, der hier gar nicht auf der Tagesordnung steht, sondern dass Sie uns hier vorwerfen, dass wir das Thema nicht ernst nehmen würden, dass wir lange nicht gehandelt haben, und dass Sie das Ganze, na ja, so ein bisschen despektierlich behandeln. Frau König hat gerade dargestellt, was wir hier auf Landesebene zu dem Thema getan haben. Wir haben auch nur beschränkte Mittel, um etwas zu tun. Ich finde, auf das, was wir getan haben, mit den Traumaambulanzen und dem Ausbau von soulspace, darauf können wir durchaus stolz sein, dass wir das in dieser schwierigen Lage getan haben. [Beifall bei der CDU und der SPD] Natürlich haben Sie recht, und das hatte auch Frau König schon gesagt, dass das, was mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen worden ist, kontraproduktiv ist. Das ist das, was wir nicht brauchen, und da haben wir uns eigentlich auch etwas anderes gewünscht. Wir hoffen nachher noch auf die strukturellen Reformvorschläge der Bundesregierung, und dass wir damit vieles wieder korrigieren können, das jetzt erst mal mit dem Sparziel voran in die falsche Richtung gelaufen ist. Ich nehme regelmäßig an den Sitzungen des Arbeitskreises Psychiatrie, Psychotherapie und Teilhabe von Gesundheitsstadt Berlin teil. So auch vorgestern, und zufälligerweise oder auch passenderweise war das Thema die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Dort wurde genau das dargestellt und besprochen, was das eigentliche Problem ist: Wir haben viel zu wenige ambulante Versorgungs- und Therapieplätze, und deshalb laufen die Kliniken voll. Das heißt, die Kinder und Jugendlichen kommen viel zu spät an einer Stelle an, wo schon einiges chronifiziert ist, wo viel zu spät repariert werden muss, und wo sie auch gar nicht richtig angedockt sind, weil sie einfach keine anderen Plätze finden. Sie gehen zur PIA, also zur psychiatrischen Institutsambulanz. Es wurde berichtet, dass Familien sogar verstärkt vor die Familiengerichte treten, damit sie gerichtlich eingewiesen werden. Das ist der letzte Strohhalm, um überhaupt irgendwie eine psychiatrische Versorgung zu bekommen. Dann kommt es auch zu solchen Situationen, dass statt einer therapeutischen Behandlung eine stationäre Behandlung notwendig wird. Es wurde dargestellt: Neulich wurde eine Behandlung vorgenommen, die für einen einzigen jungen Menschen 637 000 Euro gekostet hat. Daran sieht man, dass es hier eine richtige Fehlsteuerung gibt. Deshalb ist das Ziel auch das, was wir in unserem Antrag fordern: Das ist das Zentrale, dass wir die Bedarfsplanung für die kinder- und jugendtherapeutischen Angebote dem tatsächlichen Bedarf anpassen, denn das ist notwendig dafür, dass die Kinder und Jugendlichen nicht erst in die stationäre Versorgung müssen, weil es keine andere Möglichkeit gibt. Das ist auch der zentrale Eingangspunkt für den zweiten Aspekt: dass es eine Nachsorge gibt, wenn sie von der stationären Behandlung in den ambulanten Bereich entlassen werden, denn der funktioniert auch nicht. Von den Anrufen war schon die Rede, aber man muss nur auf die Homepages der ganzen Praxen schauen. Dort steht: Wir nehmen derzeit keine neuen Klientinnen und Klienten mehr an. – Deshalb haben wir versucht, mit soulspace ein bisschen abzufedern. Das Angebot richtet sich auch nur an Kinder und Jugendliche ab 16 Jahre. Für die darunter gibt es entsprechend leider keine Angebote. Es gibt aber natürlich noch andere Angebote, über Telefonnummern oder auch digital, wie krisenchat, die hier auch einiges abfedern können. Der dritte Aspekt, auf den ich mich jetzt hier am Schluss noch konzentrieren möchte, ist der des Nebeneinanders von verschiedenen Hilfesystemen. In unserem Antrag fordern wir auch einen strukturierteren Übergang beziehungsweise eine bessere gemeinsame Ausrichtung der Hilfsangebote. Auch hier gab es zufälligerweise zeitlich zusammenhängend einen Input. Es gab eine E-Mail, die auch den Mitgliedern des Ausschusses für Gesundheit und Pflege am Dienstag weitergeleitet wurde. Dort heißt es: Im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie fehlen Kapazitäten für Diagnostik, Versorgung und kontinuierliche Begleitung, während außerhalb der medizinischen Regelversorgung ein breites System aus unter anderem Jugendhilfe, kommunaler Prävention, Präventionsprogrammen freier Träger und auch Krankenkassen besteht. – Diese Erkenntnis teilen wir und teilt auch die Versorgungslandschaft, die Trägerlandschaft in Berlin. Aus der Kenntnis heraus: Nicht die Anzahl der Angebote ist entscheidend, sondern deren Wirkung – , zielt unser Antrag darauf ab, die Angebote besser zu strukturieren. Unser System ist einfach zu fragmentiert, was ein passgenaues Handeln oftmals unterbindet, da es unterschiedliche Kostenträger gibt. Junge Menschen haben aus unterschiedlichen Gründen immer häufiger und auch schon in immer jüngeren Lebensjahren psychische Beeinträchtigungen. Unser Ziel muss sein, so früh wie möglich zu intervenieren, damit diese Krankheiten nicht chronifizieren und sie später im Erwachsenenalter dauerhaft belasten. Wir brauchen mehr Therapie, mehr Früherkennung; wir brauchen mehr Tagesklinikplätze statt vollstationärer Plätze. Deshalb ist es wichtig, dass wir hier den Schwerpunkt mit der zentralen Forderung legen, dass wir mehr therapeutische Plätze im ambulanten Bereich anbieten, ebenso wie die anderen Punkte, gerade auch zur Weiterbildung, die immens wichtig sind, damit wir überhaupt noch die Menschen haben, die sich mit diesen jungen Menschen beschäftigen können. Deshalb bitten wir um Unterstützung. – Herzlichen Dank! [Beifall bei der CDU und der SPD]

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