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Andreas Otto

GRÜNE 18.06.2026 Sitzungen 19/89

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren hier im Saal und weltweit an den Bildschirmen! Die Aktuelle Stunde hat den Titel „Bauen und Wohnen in Berlin“. Zum Bauen ist Herr Saleh jetzt nicht mehr gekommen; deswegen fange ich einmal damit an, [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Katina Schubert (LINKE)] und die Kollegin Schmidberger wird dann etwas zum Wohnteil sagen. Bauen ist immer sehr konkret: Was wird gebaut? Wo wird gebaut? Wie wird gebaut? Wir wollen mehr Wohnungen bauen, aber Berlin braucht auch Gewerbe, Schulen und soziale Infrastruktur. All das sind große Aufgaben, die vor uns liegen und die auch nicht vorbei sind. Aber gleichzeitig muss diese Stadt sich auf die Klimaveränderung einstellen. Viele bestehende Wohnungen, viele Schulen, viele Bürogebäude sind nicht für so eine Hitze ausgelegt, wie wir sie jüngst erlebt haben – im Juni schon; das war die erste Hitzewelle in diesem Jahr. Dagegen müssen wir etwas tun; das muss sich ändern. Diese Gebäude müssen ertüchtigt werden, damit die Leute darin überhaupt leben können. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN – Frank-Christian Hansel (AfD): Klimaanlagen!] Wo die Gebäudehülle, also Wände, Fenster und Dächer schlecht gedämmt sind, muss dringend saniert werden – gegen Kälte im Winter und Hitze im Sommer. Die Sanierungsrate in Berlin beträgt nicht einmal 1 Prozent pro Jahr. Das ist viel zu wenig; damit schaffen wir die Klimaziele nicht, tun nichts gegen sommerliche Hitze und riskieren viel mehr Hitzetote. Das ist eine riesige Aufgabe, die vor uns allen hier liegt. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN] Berlin muss sich an die Hitze anpassen. Das betrifft Gebäude, es betrifft aber auch den gesamten Stadtraum. Wir haben hier vor einem Jahr den sogenannten BaumEntscheid beschlossen. Die Koalition wollte einen Volksentscheid verhindern und hat gesagt: Wir machen das! – Da haben sich die Leute auf 1 Million Bäume gefreut, und das hätte ja irgendwann einmal anfangen können. Es hat nicht angefangen, meine Damen und Herren von der Koalition! Das ist Ihnen nicht wichtig genug, und das ist ein Skandal. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN] Wie baut man eigentlich im Klimawandel? – Die Fachwelt ist da schon lange sicher, und das ist auch alles klar: weniger Stahlbeton und Glasfassaden, mehr Holz, mehr Lehm, natürliche Dämmstoffe. Das ist die Aufgabe. Das ist auch „einfach B auen“. Wir haben zum Beispiel damals in der anderen Koalition das Schumacher Quartier als Holzbauquartier ausgerufen, doch der Holzanteil wird immer weniger, Herr Gaebler! Was passiert da? Das ist nicht in Ordnung! Berlin braucht einen Standard für Bauen im Klimawandel, einen Standard, der Ressourcen spart, der gesund ist und der vor Hitze schützt. Das ist die große Aufgabe für die neue Legislatur ab Herbst dieses Jahres. [Beifall bei den GRÜNEN] Und damit es schneller geht: serielles Bauen, ja, auch Typengenehmigungen – Sie können ja mal sagen, Herr Gaebler, wie viele es davon schon gibt; nach meiner Kenntnis wahrscheinlich keine in Berlin – , mehr Holzbau. [Sven Heinemann (SPD): Wo wollen Sie denn bauen? Jetzt reden Sie schon drei Minuten ohne zu sagen, wo Sie bauen wollen!] – Herr Heinemann, ja, Sie können auch zuhören! [Zuruf von Sven Heinemann (SPD)] Wir haben hier auch ein wirtschaftspolitisches Thema. Ich weiß nicht, ob Sie sich dafür interessieren. Es sind Fabriken entstanden, zum Beispiel in Frankfurt (Oder), zum Beispiel in Eberswalde. Das ist unsere Metropolregion. Dort werden Wohnungen in einer Fabrik hergestellt, die braucht man nur aufzustellen. Das geht schneller, das ist seriell, das ist industriell, und das können wir überall machen. [Zurufe von der CDU und der SPD: Wo?] – Das machen wir in Pankow, wenn Sie das zulassen, Herr Heinemann, das machen wir in Reinickendorf, das machen wir in Zehlendorf. Das kann man überall machen, in allen Bezirken der Stadt. [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] Und vielleicht noch ein letztes Thema: Herr Saleh hat hier viel über Gerechtigkeit gesprochen und sozialen Frieden und dergleichen. [Zuruf von Sven Heinemann (SPD)] Sie wollen heute durch eine Änderung der Bauordnung das Nachrüsten von Wasserzählern abschaffen. Wir haben Tausende Wohnungen in Berlin, da ist kein Wasserzähler drin. Die Leute wissen nicht, wie viel sie verbrauchen. Sie sind nicht zum Sparen angehalten. Das ist ungerecht, und Sie wollen heute die Pflicht zum Einbau von Wasserzählern im Bestandsgebäude schleifen und wollen das aus der Bauordnung streichen. Das wollen wir nicht, wir wollen Gerechtigkeit auch beim Wasser. Deswegen haben wir einen Änderungsantrag gestellt, und ich bitte Sie, dem zuzustimmen. – Herzlichen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN]

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