Regina Kittler
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Das Thema Hund ist heute besonders gefragt, und zwar ohne besondere Freude, eher mit Entsetzen. Der illegale Welpenhandel ist nicht nur ein Tierschutz-, sondern auch ein gesellschaftliches Problem. Viele Menschen leiden unter Einsamkeit und haben nur wenige Sozialkontakte. Das ist das gesellschaftliche Problem, um das wir uns auch kümmern müssen. Da fehlen Orte und Menschen, die sich umeinander kümmern. In Coronazeiten suchten viele Menschen als Ausweg Tiere als Trost, besonders übrigens Hundewelpen. Der Bedarf ging förmlich durch die Decke und konnte von zugelassenen, legalen Hundezüchterinnen nicht bedient werden. Das ist übrigens auch heute noch so, und während verantwortungsbewusste Menschen sich dann auf eine Warteliste setzen lassen, suchen andere mal einfach im Internet, und da wird man sofort fündig. Hundewelpen sind eben leider ein Konsumgut, das man im Internet bestellen und liefern lassen kann. Laut Deutschem Tierschutzbund werden jährlich rund 500 000 Hunde illegal innerhalb der EU-Grenzen transportiert. Die Dunkelziffer ist allerdings erheblich. Die überwiegende Mehrheit von ihnen stammt aus Welpenfabriken in Osteuropa, hauptsächlich aus Rumänien, Polen, Serbien und neuerdings auch aus der Türkei, wo sie unter sehr schrecklichen Bedingungen hausen müssen. Da werden Hündinnen – es wurde vorhin schon gesagt – als Gebärmaschinen in der Regel in geschlossenen Räumen, oft ohne Tageslicht gehalten. Viele sind krank, und ihre Kinder haben oft Erbkrankheiten oder Gendefekte. Um die Welpenproduktion am Laufen zu halten, werden den Rüden oft Hormone gespritzt und die Hunde gewaltsam zu wiederholten Paarungen gezwungen. Lässt die Produktivität der Elterntiere nach, werden diese in der Regel getötet. Die Hündinnen müssen ihre Kinder in kleinen Verschlägen, oft auf blanken Böden und in ihrem eigenen Unrat zur Welt bringen. Viel zu früh werden die Welpen ihren Müttern entrissen, sind häufig schwer krank, werden illegal und mit teils gefälschten Impfpässen nach Deutschland geschmuggelt. Damit man ihnen das beim Verkauf nicht so ansieht, spritzt man ihnen vor der Übergabe einen Cocktail aus Adrenalin und Aufbaupräparaten. Das lässt sie kurzzeitig gesund und munter wirken. Lässt die Wirkung nach, ist oft der Gang in die Tierklinik unausweichlich, als Folge verbunden mit meist hohen Kosten. Die Menschen verlieren oft den kleinen, niedlichen Hund, der eigentlich ein Freund in der Einsamkeit werden sollte, weil er nicht überlebt oder weil sie sich nicht anders zu helfen wissen und ihn im ohnehin schon überlasteten Tierheim abgeben. Tierschutzvereine kämpfen seit Jahren darum, die öffentliche Wahrnehmung für die immer weiter ausufernde Problematik des tierquälerischen und betrügerischen Welpenhandels zu schärfen und Hundeverkäuferinnen zu mehr Verantwortung zu bewegen. Es machen sich übrigens nicht nur die illegalen Züchter strafbar, sondern auch die, die aus illegaler Zucht und illegalem Handel kaufen. Die Tierschutzvereine fordern auch zu Recht umfassende Kontrollmechanismen und die konsequente Umsetzung rechtlicher Bestimmungen, um den Welpenhändlerinnen sowie Käuferinnen das Handwerk zu legen. Es ist deshalb unter anderem dringend erforderlich, durch die Einführung eines neuen Pflichtfeldes „Herkunftsnachweis“ im Berliner Hunderegister den erforderlichen Nachweis zu erbringen, dass Hunde aus zugelassener Zucht stammen. – Deshalb werden wir als Linke aus Verantwortung für den Tierschutz diesem Antrag selbstverständlich zustimmen. [Beifall bei der LINKEN und den GRÜNEN]
