Tommy Tabor
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Liebe Kollegen! Liebe Berliner! Berlin hat einen Lehrermangel. Berlin hat Schulplatzmangel. Berlin hat überlastete Kollegien, übervolle Klassen, wachsende Sprachprobleme, Integrationsprobleme, Inklusionsprobleme und eine immer heterogenere Schülerschaft. [Zuruf von Tobias Schulze (LINKE)] Was schlagen die Grünen vor? – Ausgerechnet die Schulform, die am meisten Personal, am meisten Differenzierung, am meisten Teamarbeit, am meisten Sonderpädagogik und am meisten Steuerung braucht, soll massiv ausgebaut werden. Das ist kein realistischer Plan, das ist ein bildungspolitischer Blindflug. [Beifall bei der AfD] Die Gemeinschaftsschule funktioniert nur dann, wenn alle Voraussetzungen stimmen: genügend Lehrer, genügend Räume, kleine Lerngruppen, starke Sozialarbeit, Zeit für Teamabsprachen, klare Leistungsdiagnostik und echte Förderung. Genau diese Voraussetzungen fehlen aber komplett in Berlin, vor allem in der breiten Masse. Wer unter diesen Bedingungen die Zahl der Gemeinschaftsschulen verdoppeln will, löst keine Probleme und macht sie im Zweifelsfall noch viel größer. Der Antrag enthält zudem einen zentralen Widerspruch: Einerseits wird behauptet, man folge der Nachfrage der Eltern. Andererseits sollen die Bezirke zum Ausbau verpflichtet werden. Was denn nun: Freiwilligkeit oder Zwang? Bei der Schulplatzplanung soll künftig weniger nach Schulformen unterschieden werden. Das ist keine Stärkung der Wahlfreiheit, das ist eher eine schulpolitische Weichenstellung in Richtung sozialistischer Einheitsschule. Hatten wir schon, brauchen wir nicht, kann weg. Genau hier liegt die Gefahr: Wenn alle Schulformen immer weiter vermischt werden, verlieren wir die notwendige Passgenauigkeit. Nicht jedes Kind lernt gleich. Nicht jedes Kind braucht genau den gleichen Weg – den Sie unbedingt wollen. Manche brauchen ein starkes Gymnasium mit hohen Ansprüchen, manche brauchen aber eine solide mittlere Schulform, andere brauchen eher eine Praxisschule, die auf Beruf, auf ein Handwerk, Alltagstüchtigkeit und klare Strukturen vorbereitet. Auch die leistungsstarken Kinder dürfen nicht vergessen werden. Wenn Unterricht dauerhaft fünf oder sechs Leistungsniveaus zugleich bedienen soll, entsteht schnell ein Druck zur Nivellierung. Dann werden Schwächere nicht wirklich besser gefördert, während Stärkere nicht mehr ausreichend gefordert werden. Am Ende verlieren beide Seiten. Die Abschaffung der Hauptschule im Zuge der Schulstrukturreform war kein Befreiungsschlag. Sie hat viele Probleme, die wir schon damals hatten, nicht gelöst, sondern eher verdeckt. [Beifall bei der AfD] Seitdem tun Sie alle hier im Saal so, als würden weniger Schulformen automatisch mehr Bildungsgerechtigkeit bedeuten. Das Gegenteil ist allerdings der Fall. Wer Unterschiede ignoriert, fördert nicht gerechter, sondern ungenauer. Mit Erlaubnis der Präsidentin möchte ich Josef Kraus zitieren. Er war von 1987 bis Juni 2017 Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Heute ist er immer noch Ehrenpräsident. Ich zitiere: „Die Einheitsschule in Deutschland ist gescheitert. Als Gesamtschule hat sie Jahrzehnte durchschlagender Erfolglosigkeit hinter sich. Deshalb gibt es keinen Grund, sie jetzt im Gewande der Gemeinschaftsschule neu aufzulegen.“ Das hat er 2011 gesagt. Zitat Ende. – Die AfD-Fraktion hat bereits im Oktober 2017 gegen die Gemeinschaftsschule als Regelschule gestimmt, und wir stimmen auch dagegen, die Gemeinschaftsschule nun weiter auszubauen. Wir sagen deshalb: Berlin braucht nicht noch mehr Vereinheitlichung von oben. Berlin braucht differenzierte Bildungswege, klare Leistungsstandards und ehrliche Förderung. Wir brauchen starke Gymnasien, eine tragfähige mittlere Säule und moderne Praxisschulen, die nicht als Abstellgleis gelten, sondern als respektierter Bildungsweg und perspektivisch das Handwerk stärken können. [Beifall bei der AfD] Gute Schule entsteht nicht durch irgendwelche Etiketten oder Labels. Gute Schule entsteht durch Ordnung, Leistung, Verlässlichkeit und passende Angebote für unterschiedliche Kinderanforderungen. Liebe Eltern! Wenn Sie das genauso sehen, können Sie uns gern am 20. September Ihre Stimme geben. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! [Beifall bei der AfD]
