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Franziska Brychcy

LINKE 21.05.2026 Sitzungen 19/86

Wir waren gemeinsam in Estland und Finnland, und dort war die gemeinsame Schule bis einschließlich Klasse 9 Standard. [Roman Simon (CDU): Und die bezahlen die Lehrer deutlich schlechter als in Berlin!] Dort war völlig klar, dass es keine frühe Selektion gibt. In fast keinem anderen europäischen Land außer Österreich findet die Selektion in einem so frühen Kindesalter statt wie in Deutschland. [Roman Simon (CDU): Die haben nicht mal die Hälfte bekommen, die Lehrer dort! Wollen Sie das?] Ich möchte noch einmal auf unsere mittlerweile 28 Berliner Gemeinschaftsschulen zurückkommen. Dazu muss man auch sagen: Es war nicht die CDU, die die Berliner Gemeinschaftsschule als Regelschule etabliert hat. Vielmehr war es die CDU, die die wissenschaftliche Begleitung der Berliner Gemeinschaftsschule in den Haushaltsberatungen gestrichen hat, Frau Khalatbari. [Zuruf von Sandra Khalatbari (CDU)] Das heißt, an dieser Stelle gab es keine Vielfalt der verschiedenen Schulformen. Dort haben Sie klar gesagt: Gibt es nicht! [Zuruf von Jeannette Auricht (AfD)] Das gehört eben auch dazu. Die 28 Berliner Gemeinschaftsschulen sind ein Erfolgsmodell. Die Friedenauer Gemeinschaftsschule und die Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule wurden 2024 sogar mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet, weil es Gemeinschaftsschulen gelingt, die Bildungschancen der Schülerinnen und Schüler von der sozialen Herkunft zu entkoppeln. Sie machen Bildungsaufstieg möglich. Kinder aus Familien, die sonst kaum eine Chance hätten, erhalten Wege zum MSA und zum Abitur. Gemeinschaftsschulen arbeiten konsequent inklusiv. Dort lernen 8,1 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, während es an Gymnasien lediglich 0,9 Prozent sind. Gemeinschaftsschulen schaffen es zudem, den Lernfortschritt ohne Ziffernnoten zu fördern. An Gemeinschaftsschulen haben Familien die Sicherheit, dass ihr Kind von Klasse 1 bis zum Schulabschluss – egal ob BBR, MSA oder Abitur – an einer Schule lernen kann. Kein Kind wird aussortiert. [Beifall bei der LINKEN – Beifall von Louis Krüger (GRÜNE)] Der Übergang nach Klasse 6 entfällt, den Sie mit Ihrem neuen Übergangsverfahren mit mehr Stress denn je verbunden haben. Vom Probeunterricht möchte ich dabei gar nicht erst anfangen. Die meisten Gemeinschaftsschulen sind übernachgefragt, doch der Ausbau stagniert. Wir unterstützen deshalb die Forderungen der Grünen in ihrem Antrag. Wir haben auch einen ähnlichen Antrag eingebracht. Wir brauchen Neubau, Fusionen und Umwandlungen. Wir wollen die Anzahl der Gemeinschaftsschulen bis 2031 verdoppeln. Außerdem müssen wir im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive stärker steuern. Wenn es einen Bedarf an Grundschulplätzen und weiterführenden Schulplätzen gibt, müssen prioritär Gemeinschaftsschulen gebaut werden. [Beifall von Tobias Schulze (LINKE)] Auch Gymnasien, die sich umwandeln wollen, brauchen Unterstützung, Prozessbegleitung, Fortbildungen sowie temporäre personelle Verstärkung. Wir als Linke sagen klar: Segregation und Ausschluss können und dürfen wir uns nicht länger leisten. Wir brauchen eine Schule, die allen Kindern Bildungschancen ermöglicht, gerade dann, wenn wenig Geld vorhanden ist. Wir brauchen mehr Gemeinschaftsschulen in Berlin! [Beifall bei der LINKEN und den GRÜNEN]

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