Franziska Brychcy
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Laut der aktuellen UNICEF-Studie zum Kindeswohl, die vor zwei Tagen veröffentlicht wurde, belegt Deutschland unter 37 Industrieländern nur Platz 25, hinter Rumänien, Ungarn und der Slowakei. Der Abstand zwischen Jugendlichen aus wirtschaftlich benachteiligten und wohlhabenden Familien ist bei uns mit am extremsten. Unter Jugendlichen aus benachteiligten Familien erreichen nur 46 Prozent die grundlegenden Kompetenzen. In privilegierten Familien sind es dagegen 90 Prozent. Der Bildungsabschluss und das Einkommen der Eltern entscheiden nach wie vor darüber, welchen Bildungsweg Kinder und Jugendliche bei uns, auch hier in Berlin, einschlagen. Wir wissen, dass die Bildungsungerechtigkeit vor allen Dingen an der frühen Selektion der Schülerinnen und Schüler in verschiedene Schularten liegt. Diese zementiert soziale Unterschiede, ohne dass es zu einer Verbesserung der Lernergebnisse käme. Das ist eines der größten Hindernisse für Bildungsgerechtigkeit. [Vereinzelter Beifall bei der LINKEN] Herr Kühne! Sie haben gestern bei dem Podium gesagt, Bildungsforschung sei Ihnen sehr wichtig. Genau diese internationale Bildungsforschung hat belegt, dass frühe Selektion Bildungsgerechtigkeit verhindert. Die CDUgeführte Bildungsverwaltung fördert jedoch vor allen Dingen die Gymnasien. Wo ist da die Vielfalt, Frau Khalatbari? Auch die grundständigen Züge werden massiv ausgebaut. Der Zugang zum Gymnasium wird deutlich erschwert, während Integrierte Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen aus allen Nähten platzen und die Bildungsqualität leidet. Das ist Klassenpolitik von oben auf dem Rücken benachteiligter Schülerinnen und Schüler, und das muss sich dringend ändern, spätestens im Herbst dieses Jahres! [Vereinzelter Beifall bei der LINKEN – Zuruf von Jeannette Auricht (AfD)]
