Stephan Standfuß
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Scheermesser! Auf den ersten Blick klingt das alles ganz vernünftig, was Sie da vorschlagen, [Beifall von Martin Trefzer (AfD)] aber natürlich gilt: Fußball lebt von seinen Fans. Da sind wir uns an der Stelle ausnahmsweise einig. Selbstverständlich ist der Austausch zwischen Vereinen, Fans, Sicherheitsbehörden und Politik wichtig, gar keine Frage! Aber genau dieser Austausch, Herr Scheermesser, findet in Berlin bereits statt. Bei Hertha BSC, Union Berlin und auch im Amateurfußball gibt es etablierte Fanbeauftragte, Fanprojekte und Gesprächsformate mit Vereinen, Polizei und Verbänden. Der Antrag tut jedoch so, als gäbe es das alles bislang nicht. Das entspricht schlichtweg nicht der Realität. Gute Fanarbeit entsteht nicht dadurch, dass man immer neue politische Gesprächsgremien schafft. Gute Fanarbeit entsteht durch Vertrauen, klare Zuständigkeiten und kontinuierliche Zusammenarbeit vor Ort. Genau hier liegt das Problem Ihres Antrags, Herr Scheermesser! Er vermischt sehr unterschiedliche Rollen. Die AfD möchte Ultragruppierungen, Fanhilfen, Sicherheitsbehörden und Politik dauerhaft an einen Tisch holen, am besten unter der Leitung der Innenverwaltung. Das sehen wir ausdrücklich sehr kritisch. Ja, Dialog ist wichtig, aber ziellose Strukturen bringen niemandem etwas und bringen uns nicht voran in der Fragestellung, wie wir die Fußballstadien sicherer kriegen. Deshalb sagen wir als CDU ganz klar: Dialog ja, aber mit klaren Grenzen! Dialog ja, aber ohne falsche Gleichsetzung! Und vor allem: Sicherheit bleibt Aufgabe des Rechtsstaats, auch wenn es im Einzelfall zu problematischen Maßnahmen gekommen ist. Hinzu kommt: Der Antrag bleibt erstaunlich vage. Welche konkreten Aufgaben soll dieser Berliner Fandialog, von dem Sie gerade gesprochen haben, eigentlich übernehmen? Welche Entscheidungen sollen dort getroffen werden? Und wie verhindert man, dass daraus vor allem ein rituelles Treffen wird, das schnell zur Frustration führt, weil eben nichts beschlossen werden kann, was der Sache dient. Darauf liefert der Antrag keine überzeugenden Antworten. Wir sollten unsere Kraft lieber darauf konzentrieren, Fanprojekte sinnvoll zu unterstützen, Gewaltprävention auszubauen, Ehrenamtliche in den Vereinen zu stärken, Sportanlagen zu modernisieren und Polizei sowie Vereine bei Großveranstaltungen bestmöglich zu unterstützen. Das hilft dem Berliner Fußball. Der Antrag der AfD dagegen schafft vor allem neue Bürokratie und neue Unklarheiten, aber keinen erkennbaren Mehrwert. Wir werden den Antrag im Sportausschuss noch mal beraten und dann ablehnen. – Herzlichen Dank! [Beifall bei der CDU – Vereinzelter Beifall bei der SPD]
