Frank Scheermesser
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Saison 2025/26 ist in allen Profiligen fast gespielt. Was in Berlin noch aussteht, ist das Pokalfinale am 23. Mai im Olympiastadion. Über 70 000 Zuschauer, Großeinsatz der Polizei, danach beginnt die Sommerpause, drei Monate, in denen sich entscheidet, ob mit der nächsten Saison dieselbe Eskalationsspirale zurückkehrt oder wir endlich reden, denn die Bilanz dieser Saison ist verheerend. 17. Januar 2026, Olympiastadion, Hertha gegen Schalke, 31 verletzte Fans, 21 verletzte Polizeibeamte. Beide stellen den Support ein, aus Protest. 6. März 2026, Prenzlauer Berg, jugendliche Hertha-Fans, 14 und 15 Jahre alt, von rund 30 mutmaßlichen Union-Anhängern umringt, bedroht, beraubt. 2. Mai 2026, Greifswalder Straße, ein 37-jähriger Union-Fan wird zusammengeschlagen, zwischenzeitlich bewusstlos, Krankenhaus. Drei Vorfälle in vier Monaten in einer Stadt, und das sind nur die Schlagzeilen. Auch viele Amateurmannschaften sind betroffen. Vom Olympiastadion bis zum Amateurplatz, vom Polizeieinsatz bis zum Straßenüberfall, Berlin hat ein Sicherheitsproblem rund um den Fußball. Einzelmaßnahmen lösen das nicht. [Beifall bei der AfD] Genau hier setzt unser Antrag an. Wir fordern einen Berliner Fandialog zweimal im Jahr, in der Winter- und Sommerpause, geleitet von der Senatorin oder der Staatssekretärin mit Fanbeauftragten, Fanszenen, Fanprojekten, der Polizei Berlin, der Bundespolizei, der GdP, den Sicherheitsbeauftragten der Vereine und dem Berliner Fußballverband, alle an einem Tisch, außerhalb der Hitze des Spieltags. Hier liegt das Novum. Wir beziehen alle Spielklassen ein, vom 1. FC Union in der 1. Bundesliga über Hertha BSC in der 2. Bundesliga über den BFC Dynamo, BFC Preußen, Hertha 03 Zehlendorf, VSG Altglienicke und Hertha BSC, zweite Mannschaft, in der Regionalliga bis hinunter zu den Berliner Amateurligen. Kein anderes Bundesland hat das bisher aufgestellt. Auf Bundesebene gibt es Strukturen: DFL-Fanbeauftragtentagung, Kommission Fans und Fankulturen, DFL-Fachtage, alles verdienstvoll, aber die Regionalliga Nordost und die Amateurligen sind dort nicht systematisch eingebunden. Worüber soll der Dialog sprechen? – Über deeskalierende Einsatzkonzepte, über Einhaltung von Absprachen, die zwischen Vereinen und Polizei zu oft gebrochen wurden, über die Aufarbeitung sicherheitsrelevanter Vorfälle und über den Wissenstransfer in den Amateurfußball. Bundesweit gibt es rund 150 hauptamtliche Fanbeauftragte. Dieses Know-how erreicht die Amateurliga bisher nur über Umwege und selten. Und wir wollen Verbindlichkeit, der Senat soll dem Abgeordnetenhaus erstmals zum 31. Dezember dieses Jahres und danach jährlich berichten, damit dieser Dialog kein Schauformat wird, das man einmal abhakt und vergisst. [Beifall bei der AfD] Dieser Antrag richtet sich nicht gegen die Polizei, er entlastet sie. Wir reden mit Fans, wir reden mit Vereinen, wir reden mit Polizeibeamten. Alle drei Seiten sagen dasselbe, wir müssen wieder miteinander reden, bevor die nächste Lage eskaliert. Fußball in Berlin ist Stadtkultur. Stadtkultur ist Identität. Wer diese Identität schützt, redet mit denen, die sie tragen. Wer auf sie eindrischt, beschädigt sie. [Beifall bei der AfD] Und an die Adresse derer, die heute ablehnen wollen: Wer den Dialog verweigert, produziert die nächsten Verletzten. Wer diesen Antrag ablehnt, übernimmt politisch Verantwortung für jeden Krankenhausaufenthalt der kommenden Saison, für jeden bewusstlos getretenen Fan, für jeden verletzten Polizeibeamten. Stimmen Sie heute zu, nicht erst, wenn an der Alten Försterei oder am Olympiastadion in der neuen Saison die nächsten Krankenwagen rollen! – Vielen Dank! [Beifall bei der AfD]
