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Stephan Standfuß

CDU 21.05.2026 Sitzungen 19/86

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir heute über eine Bewerbung Berlins für Olympische und Paralympische Spiele sprechen, dann sprechen wir nicht nur über ein Sportereignis. Wir sprechen über die Zukunft unserer Stadt, über ihre internationale Ausstrahlung, über Investitionen in Infrastruktur und Sportstätten, über gesellschaftlichen Zusammenhalt und auch über die Frage, welchen Anspruch Berlin an sich selbst stellt. Die Koalition ist überzeugt, Berlin sollte den Mut haben, sich um Olympische und Paralympische Spiele zu bewerben – nicht aus Prestigegründen und nicht, weil wir uns von großen Bildern blenden lassen wollen, [Tobias Schulze (LINKE): Nein, nein!] sondern weil wir in einer solchen Bewerbung enorme Chancen für unsere Sportmetropole, für unsere Stadt Berlin sehen. [Beifall bei der CDU – Vereinzelter Beifall bei der SPD] Berlin ist schon heute eine der großen Sportmetropolen Europas. Diese Stadt hat bewiesen, dass sie internationale Großveranstaltungen organisieren kann. Ob Fußballeuropameisterschaft, Berlin-Marathon, Leichtathletik-WM oder die Special Olympic World Games – Berlin kann Sportgroßveranstaltungen nicht nur organisatorisch bewältigen, sondern ihnen auch eine besondere Atmosphäre verleihen. Offenheit, Vielfalt und Begeisterung gehören einfach zu dieser Stadt. Genau das macht Berlin international so attraktiv. [Beifall bei der CDU – Beifall von Florian Dörstelmann (SPD) und Jörg Stroedter (SPD)] Deshalb wollen wir diese Chance nicht kleinreden, sondern ernsthaft prüfen und gestalten, denn Olympische und Paralympische Spiele können weit mehr sein als ein paar Wochen Spitzensport – von denen, glaube ich, auch die sportbegeisterten Abgeordneten der Opposition träumen und sich das erhoffen. Eine Bewerbung kann ein Motor für langfristige Entwicklung werden; sie kann Investitionen auslösen, die Berlin ohnehin braucht: moderne Sportstätten, sanierte Schwimmbäder, bessere Trainingsbedingungen für Vereine, barrierefreie Infrastrukturen, Verbesserungen im öffentlichen Raum. [Beifall von Lisa-Bettina Knack (CDU)] Gerade für den Breitensport kann eine solche Bewerbung ein wichtiger Impuls sein. Wir reden in diesem Hohen Haus häufig darüber, dass Kinder sich zu wenig bewegen, dass Vereine an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen und dass vielerorts Sportflächen fehlen oder sanierungsbedürftig sind. Die Austragung der Olympischen Spiele kann helfen, genau diese Probleme endlich mit der notwendigen Priorität anzugehen. Vor allem die Paralympics bieten eine große Chance für unsere Stadt: Sie können das Thema Inklusion und Barrierefreiheit dauerhaft stärker in den Mittelpunkt rücken – nicht symbolisch, sondern ganz konkret bei der Stadtplanung, bei Mobilität, bei Sportanlagen und bei gesellschaftlicher Teilhabe. Wenn Berlin sich bewirbt, dann sollte Berlin den Anspruch haben, die inklusivsten Spiele auszurichten, die es je gab. [Beifall bei der CDU – Vereinzelter Beifall bei der SPD] Natürlich hören wir auch die Kritik, und ich möchte ausdrücklich sagen, dass auch wir als CDU die Risiken eines solchen Projekts sehen. Niemand sollte so tun, als gäbe es keine Herausforderungen. Große Projekte kosten Geld; große Projekte brauchen Vertrauen; große Projekte brauchen Transparenz und eine ehrliche Kommunikation gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. Wir wissen, dass viele Menschen fragen: Was kostet uns das eigentlich? Bleibt am Ende wirklich etwas für die Stadt hängen? Wie verhindert man eine Fehlentwicklung? – Das sind berechtigte Fragen. Genau deshalb müssen Transparenz, Kostenkontrolle und Bürgerbeteiligung von Anfang an ernst genommen werden. Eine Bewerbung kann nur erfolgreich sein, wenn die Menschen in dieser Stadt einbezogen werden und am Ende ein überzeugendes Konzept auf dem Tisch liegt, das alle mitnimmt. Aber – das gehört auch zur Wahrheit – die Antwort auf Risiken kann nicht sein, dass jede große Chance von vornherein abzulehnen ist. [Beifall bei der CDU – Vereinzelter Beifall bei der SPD und der AfD] Wenn Politik nur noch danach fragt, warum etwas schwierig ist, wird irgendwann gar nichts mehr funktionieren und möglich sein. Berlin darf sich nicht darauf beschränken, Risiken zu verwalten. In der Politik, davon bin ich fest überzeugt, muss der Mut zur Gestaltung der Zukunft deutlich größer sein als die Angst vor möglichen Herausforderungen. [Beifall bei der CDU – Vereinzelter Beifall bei der SPD und der AfD] Sollte die Berliner Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele erfolgreich sein, werden bei der Austragung der Spiele wahrscheinlich viele in diesem Hause gar nicht mehr da oder an anderen Stellen politisch oder wirtschaftlich aktiv sein. Der politische Mut besteht nun darin, ein Zukunftsprojekt für die nächsten Generationen anzustoßen. [Franziska Brychcy (LINKE): Die werden sich freuen!] Das mögen die Entscheidungsträger von heute den Verantwortlichen von morgen zutrauen und, wenn es um den Erfolg geht, auch gönnen. Viel wichtiger aber ist das klare Vertrauen in die Zukunft dieser Stadt, das mit einer solchen Entscheidung zum Ausdruck gebracht wird. Deshalb möchte ich mich mit der Perspektive, gemeinsam ein starkes Team zu sein und erfolgreich die Ziellinie zu passieren, noch einmal an die Opposition auf dieser Seite des Hauses wenden: Niemand verlangt an dieser Stelle blinde Begeisterung. Niemand verlangt, Risiken zu ignorieren oder kritische Fragen nicht zu stellen, aber wir würden uns wünschen, dass man die Chance einer solchen Bewerbung auch bei Ihnen erkennt. Denn Olympische und Paralympische Spiele sollten kein parteipolitisches Projekt sein. [Zuruf von Kristian Ronneburg (LINKE)] Sie sollten ein gemeinsames Projekt für Berlin sein. Gerade in einer Zeit, in der unsere Gesellschaft oft polarisiert wirkt, könnten die Spiele auch ein Zeichen setzen, dass Berlin gemeinsam etwas schaffen kann, das größer ist als parteipolitische Unterschiede. [Beifall bei der CDU – Vereinzelter Beifall bei der SPD – Beifall von Frank Scheermesser (AfD)] Dabei geht es ausdrücklich nicht um Größenwahn oder unrealistische Versprechen. Die olympische Bewegung hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert: Nachhaltigkeit, Nachnutzung bestehender Infrastruktur und regionale Konzepte stehen heute viel stärker im Vordergrund als noch vor 20 Jahren. Genau darin liegt eine Chance für Berlin: Unsere Stadt verfügt bereits über viele Sportstätten und Veranstaltungsorte. Berlin muss nicht alles neu bauen; Berlin kann auf Bestehendem aufbauen und gleichzeitig gezielt dort investieren, wo die Stadt ohnehin Nachholbedarf hat. Außerdem sollten wir auch den wirtschaftlichen und den internationalen Effekt nicht unterschätzen: Olympische Spiele bedeuten weltweite Aufmerksamkeit. Sie stärken Tourismus, Wirtschaft, Gastronomie und den internationalen Standort Berlin. Vor allem aber senden sie ein Signal nach draußen: Diese Stadt traut sich etwas zu. Viel zu oft reden wir nur noch darüber, was angeblich alles nicht geht. Zu oft dominieren Zweifel, Bedenken und Skepsis jede Debatte. Natürlich gehört kritisches Hinterfragen zur Demokratie dazu, aber Fortschritt entsteht nicht allein durch Vorsicht, sondern auch durch Mut. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, und ich finde, genau dieser Gedanke passt auch zu Berlin. Diese Stadt war immer dann stark, wenn sie mutig war, wenn sie über den Tellerrand geschaut hat und bereit war, auch einmal neue Wege zu gehen. Deshalb sollten wir die Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele nicht als Belastung verstehen, [Tobias Schulze (LINKE): Total bescheuert!] sondern als Chance, den Sport zu stärken, als Chance, Infrastruktur zu modernisieren, als Chance, Inklusion sichtbar zu machen und als Chance, Berlin international weiter nach vorne zu bringen. Die Koalition ist bereit, diesen Weg konstruktiv im Team mit Ihnen zu gehen und zu begleiten – verantwortungsvoll, kritisch, aber auch mit Zuversicht und Optimismus. Denn Politik darf Risiken nicht ignorieren, aber sie darf sich von ihnen auch nicht lähmen lassen. In einem lateinischen Sprichwort heißt es: „Das Glück hilft den Mutigen und den Tüchtigen.“ – Vielleicht brauchen wir Glück; vielleicht brauchen wir Mut. Lassen Sie uns heute gemeinsam mutig und tüchtig sein. Lassen Sie uns gemeinsam eine Erfolgsgeschichte für diese Stadt, für die Sportmetropole Berlin schreiben und damit ein Zeichen der Geschlossenheit setzen – übrigens ein Zeichen für die Menschen dieser Stadt, für die sportlichen Werte, aber auch ein Zeichen nach draußen: Berlin ist weltoffen, Berlin ist vielfältig, Berlin ist quirlig und hat eine breite, sympathische Mitte der Gesellschaft. Berlin kann Olympia, und Berlin gewinnt mit Olympia. – Danke! [Beifall bei der CDU – Vereinzelter Beifall bei der SPD]

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