Silke Gebel
Die regionale Ernährungssicherheit herzustellen, ist eine ganz zentrale Aufgabe, die wir auch als Berlinerinnen und Berliner im Blick haben müssen. Deswegen haben wir uns damals noch in der rot-rot-grünen Landesregierung dafür eingesetzt, dass unser Schulmittagessen, dass unser Krankenhausessen viel stärker regional versorgt wird, weil wir das Potenzial, das in Brandenburg schlummert, als Berlin viel zu wenig nutzen. Aber wer über regionale Landwirtschaft spricht und nicht mit einem Wort das Thema Klimakrise erwähnt, der hat überhaupt nicht verstanden, was das Problem von Ernährungssouveränität in einer heißer werdenden Welt ist, und macht hier einfach nur einen billigen Schaufensterantrag und kümmert sich nicht darum, dass die Menschen hier regionales Essen bei sich in der Küche oder im Kühlschrank haben. [Beifall bei den GRÜNEN, der SPD und der LINKEN – Zuruf von Frank Scheermesser (AfD)] Auch uns Grüne besorgt, dass auf dem Acker nicht unbedingt nur das, was am Ende bei uns auf dem Teller landet, produziert wird. Es war hier die Rede von Silomais; natürlich ist das ein Problem. Dann muss man sich aber auch ehrlich machen und darüber sprechen, dass eine Ernährung mit mehr pflanzlichen Komponenten, wie es auch die DGE-Standards sind, vielleicht eine Konsequenz ist. Das haben wir auch bei uns in den Kantinenessen. Das ist das, wohin beraten wird, damit sich eben regional, nachhaltig, klimafreundlich und auch gesünder am Ende des Tages ernährt werden kann. Auch hier absolute Fehlanzeige, und deswegen: leerer Schaufensterantrag, der nicht die Menschen im Blick hat. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN] Ja, ich finde auch regionales Essen muss geschützt werden. Wäre toll, wenn sich da mal jemand kümmert. Moment! Da gibt es ja schon jemanden, der sich kümmert; das ist die Europäische Union. Die Europäische Union – ich habe mal nachgeschaut – schützt mindestens vier: die Spreewaldgurke, den Spreewälder Meerrettich, den Beelitzer Spargel und das Teltower Rübchen. Die Europäische Union, die übrigens in diesem Antrag der AfD auch nicht vorkommt, sorgt also dafür, dass eine regionale Ernährungsbesonderheit geschützt wird. Und es ist total cool, dass die Europäische Union das macht! [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN – Beifall von Tamara Lüdke (SPD) und Sebastian Schlüsselburg (SPD)] Dann habe ich mich gefragt: Warum gibt es denn diesen Antrag? Dann habe ich in die Begründung geschaut, und irgendwie ist so ein bisschen mein Eindruck, es geht überhaupt nicht um regionales Essen per se oder um nachhaltig angebautes Essen, sondern es geht eigentlich darum, dass man internationales Essen, das mit Migration, schlechtredet. Da will ich einmal sagen: Die Sonnenblume ist im 16. Jahrhundert eingewandert. Die Sonnenblume nimmt einen ganz großen Raum in der Brandenburger Landwirtschaft ein. Mein Gefühl ist eher, dass die AfD alles, wofür der Döner steht, eigentlich ablehnt, auch wenn das Blaukraut in Brandenburg hergestellt wird. Und das gibt es mit uns nicht! [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN – Beifall von Tamara Lüdke (SPD) und Sebastian Schlüsselburg (SPD)]
