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Robert Eschricht

AfD 07.05.2026 Sitzungen 19/85

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Berlinerinnen und Berliner! Den Antrag der Grünen habe ich dreimal gelesen. Beim ersten Mal dachte ich, ich verstehe ihn politisch nicht. Beim zweiten Mal war die Befürchtung, ich verstehe ihn doch. Beim dritten Mal war klar, es gibt nichts zu verstehen. [Beifall bei der AfD] Es gibt hier nur Ideologie und Sprache, und Sprache, die nichts sagt, sagt immer etwas über jene, die sie schreiben. „Kunst und Kultur sind die Zukunftslabore der Gesellschaft“ – , so furchterregend beginnt dieser Antrag. Lassen Sie uns doch lieber konkret werden! Berlin hat im Moment eine Kulturverwaltung, die es schafft, bewilligte Fördermittel nicht auszureichen. Das Jazzfest mit Zehntausenden Besuchern ist in die Insolvenz getrieben worden. Berlin hat 1 500 Honorarlehrkräfte an Musikschulen in prekären Verhältnissen. Die ZLB, die Komische Oper, das Kulturfördergesetz und und und – das sind die real existierenden Probleme der Berliner Kultur. Und was machen die Grünen in ihrer Dekadenz? – Kulturförderung soll künftig an Nachhaltigkeitskriterien geknüpft werden. Aber mit öko, saisonal, regional und vegan ist in der Kulturhauptstadt keine Exzellenz zu bekommen. Vielfalt heißt Durchschnitt. Vielfalt ist Mittelmaß. Wann verstehen Sie das endlich? Das Klima und die Vielfalt sind wahrlich der Marxismus-Leninismus unserer Zeit. [Beifall bei der AfD] Zwei Kernforderungen dieses Antrags sind: ein Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit, in der Kulturverwaltung als eine Institution angesiedelt, die vorgibt, was nachhaltig ist, damit Kulturschaffende weniger Zeit für Kultur haben und anfangen können, sich Gedanken zu machen, wie sie weniger CO verursachen, und dann die geplante 2 Einführung eines Labels, eine Zertifizierung für Projekte, die ökologische Standards einhalten. Die Kunst bekommt also ein Gütesiegel, so wie der Käse oder das Waschmittel. [Beifall bei der AfD] Man stelle sich mal vor, wie Schiller, hätte er ein Label beantragt, den Fragebogen ausgefüllt hätte: Wurden bei der Produktion der „Räuber“ Dienstreisen reduziert? Ist das Bühnenbild wiederverwendbar und flexibel nutzbar? – Ich glaube, wir können alle sehen, das wäre nicht im Sinne der Kunst. In diesem Antrag haben Nachhaltigkeit und ihre Ableitungen 47 Nennungen, das Wort Kunst nur 23, das Verhältnis ist bezeichnend, und der Berliner kommt nur als Empfänger von Belehrungen vor, als Zielgruppe der Qualifizierungsstelle, als jemand, dem man erklären wird, wie er seinen CO -Ausstoß bilanziert. Eine 2 Gesellschaft, die ihrer Kunst Gütesiegel aufdrückt, hat aufgehört zu verstehen, was Kunst ausmacht. [Beifall bei der AfD] Eine Politik, die das Wort Kunstfreiheit im Munde führt, während sie Förderkriterien erfindet, die diese Freiheit konditionieren, diese Politik lügt. Wer einen Kranken heilen will, gibt ihm zuerst Medizin und nicht das Prospekt einer Kureinrichtung, die noch nicht gebaut ist. Die freie Szene braucht Liquidität, keine Label. Sie braucht Mietsubventionen, keine Mobilitätsanalysen. Und sie braucht Kunstfreiheit, denn hier liegt der eigentliche Witz dieses Antrags: Man will die Kunstfreiheit schützen, indem man Förderung künftig daran knüpft, ob die Kunst klimakonform ist. Schauen wir uns doch mal an, was diese ökologischen Kriterien in der Praxis bedeuten würden: Die gängigen CO -Rechner für Kultureinrichtungen verlangen die Er-2 fassung von Hunderten, teils Tausenden Datenpunkten, und der absolute Löwenanteil, oft 70 oder 80 Prozent der Emissionen eines Theaters oder eines Festivals, entsteht durch die An- und Abreise des Publikums. Sollen unsere Theater und Galerien künftig an der Einlasskontrolle abfragen, ob der Besucher mit dem SUV, der U-Bahn oder dem Lastenrad angereist ist? Sollen am Ende Fördermittel gestrichen werden, weil das Publikum aus den Randbezirken mit dem Auto kommt und dem Kulturbetrieb so die CO₂ -Bilanz verhagelt? Das ist völlig lebensfremd. [Beifall bei der AfD] Sie machen die Künste zu Buchhaltern Ihrer grünen Transformation. Die Berliner können sich darauf verlassen, dass wir so einen dekadenten Quatsch immer ablehnen werden. In diesem Sinne: Wir bleiben wachsam. – Vielen Dank! [Beifall bei der AfD]

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