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Dr. Manuela Schmidt

LINKE 07.05.2026 Sitzungen 19/85

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ausgangspunkt für diesen Antrag, den wir unterstützen, ist ein sachlicher Befund, dem Ambivalenz innewohnt. Kunst und Kultur leisten einen unschätzbaren Beitrag, uns zu der dringend gebotenen Erkenntnis zu verhelfen, dass wir das ökologische Gleichgewicht zerstört haben. Kunst und Kultur verhandeln auf tausenderlei Art, was Klimakrise ist, welche Auswirkungen wir erleben und werden aushalten müssen, welche Möglichkeiten uns bleiben. Wie kein anderer Bereich in der Gesellschaft kann die Kunst dies durch Zuspitzung, drastische Beschreibung und Überhöhung und frei von Vorsichtsmaßnahmen diplomatischer oder taktischer Natur tun. Sie hat alle Möglichkeiten, das Thema in jeder erdenklichen Form zu verhandeln und damit auf Gesellschaft einzuwirken, etwas zu bewirken. Zugleich sind Kunst und Kultur immer auch mit Verbrauch und Gebrauch natürlicher und geschaffener Ressourcen verbunden. Auch ein Theaterstück über die biophysikalische Existenzkrise und die damit einhergehenden sozialen Verwerfungen hinterlässt von der ersten Probe an bis zur letzten Aufführung einen ökologischen Fußabdruck und eine Emissionsbilanz. Die Wiener Gruppe toxic dreams hat sich vor gut drei Jahren damit auseinandergesetzt und den ökologischen Fußabdruck einer ihrer Theaterproduktionen von der Probephase bis zur Postproduktion dokumentiert und bewertet. Das Ergebnis: Der gesamte Fußabdruck der Produktion belief sich auf knapp fünf globale Hektar pro Kopf und entsprach in etwa dem durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Fußabdruck in Österreich. Im halbwegs ökologischen Gleichgewicht befänden wir uns bei einem Pro-Kopf-Fußabdruck von rund 1,6 Hektar. In einer Kulturstadt wie Berlin gehören Kultureinrichtungen – wie der Antrag richtig feststellt – zu den großen CO -Emittenten. Zu einem nicht unerheblichen Teil spei-2 sen sich die Emissionen, die mit dem Schaffensprozess und der Nutzung kultureller Angebote verbunden sind, aus materiellen Gegebenheiten, die von den Künstlerinnen und Leiterinnen der Einrichtungen selbst nur schwer oder gar nicht zu beeinflussen sind. Was nicht heißt, dass sie nichts tun, nicht handeln können, sondern erst einmal nur sagt: Die Politik ist gefordert. Sie ist gefordert, ausreichend gute Rahmenbedingungen zu schaffen und Ressourcen bereitzustellen, um die dem Kulturbetrieb innewohnenden Möglichkeiten ökologisch nachhaltiger Transformation zu nutzen. Hier setzen die im Antrag formulierten Ideen eines Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit in der Kultur und eines regelmäßig tagenden Runden Tisches Nachhaltigkeit in der Kultur an, flankiert von einer verlässlichen Anlaufstelle sowie der Idee einer sich entwickelnden Sharingkultur für umweltfreundlichere Materialkreisläufe und hoffentlich ermutigenden Pilotprojekten ließe sich aus unserer Sicht etwas in Gang setzen und sehr wichtig: verstetigen, was dringend geboten und gegenwärtig immer noch eine Fehlstelle ist. [Beifall bei der LINKEN] Uns ist wichtig, dass der Schritt in die Praxis schnell gelingt, Pilotprojekte mit Vorbildfunktion angestoßen und vor allem Kulturschaffende, Künstlerinnen und Künstler in die Vorhaben und Prozesse einbezogen werden. Die große Chance, hier schnell und sichtlich voranzukommen, liegt darin, dass die Kunst- und Kulturschaffenden mehrheitlich zu Veränderungen bereit sind. Die Türen der Kulturschaffenden und Einrichtungen sind offen. Die Politik muss ihre erst aufmachen. Das so zu denken und danach zu handeln, ist eine Herausforderung für einen neuen Kultursenator, der zugleich Sparsenator ist, und das seit dem Nachtragshaushalt 2024, aber auch mit dem Doppelhaushalt 2026/2027 auf eine der Kultur dieser Stadt nicht sonderlich zuträgliche Art unter Beweis gestellt hat. – Vielen Dank! [Beifall bei der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN]

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