Stephan Standfuß
Herr Graf! Ich staune immer wieder ‒ Sie sind ja eigentlich sehr sportbegeistert; wir treffen uns auf zahlreichen Sportevents ‒, dass Sie sich bei dem Thema Olympiabewerbung offensichtlich noch nicht ausreichend in Kenntnis haben setzen lassen. Denn das, was Sie hier aufzeichnen, das ist das Bewerbungsverfahren für die Bärchen-Olympiade, die wir 2000 hier in Berlin durchführen wollten. Da hat sich doch in den letzten 26 Jahren einiges geändert. Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir debattieren heute über drei Anträge, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit einer möglichen Olympiabewerbung Berlins befassen. Ich möchte gleich zu Beginn betonen, dass die Bewerbung Berlins um die Olympischen und Paralympischen Spiele viel zu wichtig ist, um sie parteipolitisch zu verengen oder möglicherweise sogar im Wahlkampf aufs Spiel zu setzen. [Zuruf von Carsten Schatz (LINKE)] Olympia ist, wenn wir es richtig angehen, ein Projekt für unsere ganze Stadt, ein Energieriegel für alle Bereiche und die gesamte Region. Der Sport hat in Berlin eine enorme Bedeutung für den Zusammenhalt, für Integration, für Gesundheit und nicht zuletzt für die internationale Strahlkraft unserer Sportmetropole Berlin. Eine Olympiabewerbung kann all das bündeln, wenn wir sie klug, nachhaltig und gemeinsam gestalten. Genau das haben wir vor. Deshalb sage ich ganz bewusst: Unser Wunsch ist es, dass dieses Haus gemeinsam hinter einer Berliner Bewerbung steht. Wir werden alles tun, um auch Sie noch von den Vorzügen dieser Bewerbung zu überzeugen. [Beifall bei der CDU ‒ Beifall von Jörg Stroedter (SPD)] Die aktuellen Zahlen zeigen mit über 60 Prozent Zustimmung, dass es dafür durchaus eine breite gesellschaftliche Basis geben kann. Wenn man die Menschen in den Prozess einbindet, wenn man transparent ist und wenn man die Chancen klar kommuniziert, dann entsteht Unterstützung für ein so großartiges Projekt wie unsere Olympiabewerbung. An dieser Stelle möchte ich mal ein ganz herzliches Dankeschön an Kaweh Niroomand, unseren Olympiabeauftragten, aussprechen, der zusammen mit unserer Innensenatorin Frau Spranger und Kai Wegner, unserem Regierenden Bürgermeister, viel dafür getan hat, dass sich die Akzeptanz deutlich erhöht hat, wie man den Umfragen entnehmen kann. [Beifall bei der CDU – Vereinzelter Beifall bei der SPD] Berlin, die Sportmetropole Nummer eins in Deutschland und Europa, liegt mit dem Grobkonzept BERLIN+ klar in Führung und kann ein starkes und überzeugendes Signal für Deutschland senden. Dafür drücken wir unserer Stadt ganz herzlich die Daumen. Unsere Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele ist weit mehr als ein Sportereignis. Wenn wir Berlin gemeinsam mit den ostdeutschen Bundesländern denken, so wie wir es in der BERLIN+-Bewerbung tun, dann kann daraus ein echtes Zukunftsprojekt für die gesamte Region entstehen, ein Projekt, das zeigt, die Wiedervereinigung ist nicht nur historisch vollzogen, sondern wird aktiv weiter gestaltet. Eine solche Bewerbung kann ein Strukturprogramm, kann ein Fitnessprogramm sein, in erster Linie für den Sport, für unsere Sportstätten, für die Barrierefreiheit, für inklusive Teilhabe, aber darüber hinaus auch für alle anderen Bereiche, den Verkehr, für die Stadtentwicklung, für Kultur, Bildung und Wissenschaft, unsere Verwaltung und natürlich für den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Natürlich wird es auch wirtschaftlich sinnvoll für diese Region sein und auch für unsere Stadt Berlin. Viele seriöse Modelle gehen davon aus, dass Olympische Spiele bei einer nachhaltigen Planung für die Ausrichtung der Stadt Nettoeffekte im mittleren dreistelligen Millionenbereich erzielen können, Mittel, die wir gezielt dann wieder in den Breitensport investieren können. Selbst die Ausgaben werden einen wirtschaftlichen Aufschwung in der Region vorantreiben. Arbeitsplätze werden geschaffen, Aufträge werden an regionale Unternehmen vergeben und Mehrwerte werden dadurch erzielt. Eines ist uns als CDU besonders wichtig: Olympia darf kein Projekt für vier Wochen sein. Es darf keine Show sein, die dann danach verpufft. Unser Anspruch ist es, nachhaltige Spiele durchzuführen, übrigens auch, was die ökologische Seite angeht, die den Breitensport stärken, die Vereine unterstützen, die Sportinfrastruktur langfristig verbessern. Morgen wird im Sportausschuss eine Initiative für ein Volksbegehren für die Olympiabewerbung vorgestellt. [Lachen von Carsten Schatz (LINKE)] Das zeigt, dieses Thema bewegt die Stadtgesellschaft. Ich sage ganz klar: Beteiligung ist kein Hindernis. Beteiligung ist eine Chance. Wir sollten die Berlinerinnen und Berliner mitnehmen. Wir sollten transparent sein. Wir sollten Fakten auf den Tisch legen, und wir sollten Vertrauen schaffen, denn nur so kann am Ende eine Bewerbung entstehen, die wirklich getragen wird. Lassen Sie mich an dieser Stelle auch einen Gedanken ansprechen, der mir persönlich wichtig ist. Die Unterstützung für die Olympiabewerbung ist kein exklusives Anliegen der Koa-Parteien. Der Grünenlandesverband in NRW unterstützt die dortige Bewerbung und sieht neben den Risiken vor allem Chancen. Auch Rostocks Linken Oberbürgermeisterin Eva-Marie Kröger spricht von einem enormen Schub für Sport und Tourismus in ihrer Stadt, wenn die Region Rostock-Warnemünde als Partner im Rahmen des BERLIN+-Konzepts Olympiastandort werden würde. Das zeigt, es gebe eine parteiübergreifende Grundlage für einen gemeinsamen Weg. Die vorliegenden Anträge betonen unterschiedliche Aspekte: soziale Sicherheit, Transparenz, Bürgerbeteiligung. All das sind berechtigte Anliegen. Wir werden Ihre Kritik ernst nehmen und bei der Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele in Berlin berücksichtigen.
