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Tuba Bozkurt

GRÜNE 12.03.2026 Sitzungen 19/82

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Täglich grüßt das Murmeltier. Wieder einmal haben wir es mit einem Vorstoß der schwarz-roten Regierung zu tun, der uns darüber rätseln lässt, warum sie Wirtschaftspolitik vor allem als Marketingaufgabe versteht. Das Muster kennen wir inzwischen. Es gibt eine Herausforderung, in diesem Fall die Unternehmensnachfolge, und die Antwort lautet: mehr Sichtbarkeit, mehr Veranstaltungen und mehr Öffentlichkeitsarbeit. [Zuruf von Jeannette Auricht (AfD)] Unternehmen brauchen von der Politik aber eher funktionierende Rahmenbedingungen. Schauen wir also kurz auf das eigentliche Problem! In Berlin stehen in den kommenden Jahren Tausende Betriebe vor einem Generationenwechsel. Viele davon sind kleine und mittlere Unternehmen, oft über Jahrzehnte gewachsene Strukturen mit Mitarbeitenden, Ausbildungsplätzen und Kundenbeziehungen. Wenn diese Unternehmen keine Nachfolge finden, verschwinden Wertschöpfung und Arbeitsplätze, und ganze Branchen oder Kieze verlieren wirtschaftliche Stabilität. Dass sich die Koalition mit diesem Thema beschäftigt, ist also richtig, aber der Antrag bleibt genau dort stehen, wo die eigentlichen Probleme erst beginnen. Mehr Personal für die Nachfolgezentrale, das kann sinnvoll sein. Die Plattform hilft beim Matching, die Kollegin Lüdke hat das gerade ausgeführt, zwischen Übergebenden und Interessierten, aber dieses Matching setzt erst an einem Punkt an, an dem viele Probleme längst entstanden sind. Viele Unternehmen würden gerne intern übergeben, und doch scheitert interne Nachfolge viel zu häufig, nicht weil niemand Verantwortung übernehmen will, sondern weil die Rahmenbedingungen schlicht nicht passen. Da geht es um Finanzierungen, Eigenkapital, persönliche Haftung und darum, wie Mitarbeitende überhaupt auf eine solche Rolle vorbereitet werden. Das sind keine Marketingaufgaben, das sind handfeste wirtschaftspolitische Fragestellungen. Wer heute ein Start-up gründet, findet eine ganze Infrastruktur aus Programmen, Coaching und Finanzierung. Wer ein bestehendes Unternehmen übernehmen will, steht oft vor Finanzierungsgesprächen und rechtlichen Hürden. Wenn wir wirklich mehr erfolgreiche Nachfolgen wollen, müssen wir genau dort ansetzen, bei Qualifizierungsprogrammen für zukünftige Übernehmerinnen und Übernehmer, bei besseren Finanzierungszugängen und bei Beteiligungsmodellen, die Mitarbeitenden überhaupt erst ermöglichen, schrittweise Verantwortung und Eigentum zu übernehmen. Darüber steht in diesem Antrag allerdings kein einziger Satz. Noch etwas wird in dieser Debatte häufig unterschätzt: Nachfolge ist nicht nur eine Frage von Eigentum und Risiko, sondern auch eine Frage von Unternehmenskultur. Unternehmen, die Verantwortung früh teilen und vielfältige Teams entwickeln, finden häufiger Nachfolgerinnen und Nachfolger im eigenen Haus. Diversität ist hier ein entscheidender wirtschaftlicher Faktor. Erfolgreiche Unternehmensnachfolge entscheidet über Resilienz, Innovationsfähigkeit und darüber, ob Wertschöpfung in unserer Stadt bleibt. Der Antrag greift ein wichtiges Thema auf, bleibt aber dort stehen, wo Wirtschaftspolitik eigentlich beginnen müsste. Die Talente, die Unternehmen weiterführen könnten, arbeiten oft längst dort. In diesem Antrag steht nur leider nicht, wie wir sie befähigen, diesen Schritt auch tatsächlich zu gehen. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN]

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