Cornelia Seibeld
Vielen Dank! – Für die SPD-Fraktion hat die Kollegin Dr. Lasić das Wort. Dr. Maja Lasić (SPD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir wirken hier innerhalb der demokratischen Parteien abgestimmt in unseren Redebeiträgen – das liegt daran, dass wir von Jahr zu Jahr immer wieder ein und dieselbe Debatte mit der AfD zum Thema Deutschklassen führen und immer wieder dieselben Argumente austauschen. Immer wieder wird das Beispiel von der Gustav-Falke-Schule, von Prof. Ramseger und mir im Wahlkreis herangezogen. Ich werde es langsam leid; ich hoffe, dass es jetzt das letzte Mal ist, dass wir uns an so einem Antrag der AfD abarbeiten. [Thorsten Weiß (AfD): Mit Sicherheit nicht!] Sie haben es in der Hand, ob wir das müssen oder nicht. [Sebastian Schlüsselburg (LINKE): Oder die Wähler!] Ich trage gerne mit Fakten zur Diskussion bei. Was sagen die Fakten? – Die Fakten besagen, dass die Gustav-Falke-Schule genau an der Bernauer Straße liegt, also genau da, wo die Mauer lag. Ihr Einzugsgebiet umfasst ausschließlich das zu dem Zeitpunkt sozial benachteiligte Brunnenviertel, das heißt, der Anteil der sozial benachteiligten Kinder, die eigentlich an die Gustav-Falke-Schule gehören, wäre bei 80 oder 90 Prozent. Das sind die, die eigentlich in diese Schule gehören. Also hat die SPD-Bildungsstadträtin Dagmar Hänisch damals das sogenannte Prinzip der Sprengel eingeführt: Wir haben versucht, indem wir mehrere Grundschulen in einem Sprengel zusammengefasst haben, mehr Durchmischung an Standorten zu erreichen und dazu beizutragen, dass Menschen aus Alt-Mitte die Grenze der alten Mauer überqueren und an die Schule im Wedding gehen. [Beifall von Sebastian Schlüsselburg (SPD)] Das ist der Sinn der Einführung der Sprengel gewesen. Wir wollten vor 20 Jahren so wie heute, dass wir mehr Durchmischung an unseren Schulen erreichen. [Beifall bei der SPD – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] In diesen Kontext muss man den Vorstoß der Gustav-Falke-Schule einbetten. Deswegen ist es unmöglich, was Sie hier mit Frau Gryczke, die das federführend verantwortet, veranstalten. Frau Gryczke wollte in dem Kontext in einem Sprengel, in dem sich die Eltern aus Alt-Mitte zu dem Zeitpunkt geweigert haben, über die Grenze zu gehen, ein Angebot machen, damit die Menschen bewusst aus dem Haushalt in Mitte in den Wedding kommen und sich trauen, mehr Durchmischung zu erreichen. Das war das Ziel der Schule. Es ist das Gegenteil von dem, was Sie gerade mit Ihrem Entwurf machen. [Vereinzelter Beifall bei der SPD, den GRÜNEN und der LINKEN – Thorsten Weiß (AfD): Und wie sah das Angebot aus, Frau Dr. Lasić?] Das Angebot sah folgendermaßen aus: Für einen befristeten Zeitraum, nämlich im Rahmen dieses Projekts, sind diese Familien eben an die Schule gekommen, in die Klassen, die „Bärenstark“ mindestens Niveau 2 hatten. Das hat dazu geführt, dass sich die Qualität Stück für Stück verändert hat, dass sich die Schule dann nach einem befristeten Zeitraum davon verabschieden konnte und jetzt selber gar keinen Bedarf mehr an den Klassen hat. [Thorsten Weiß (AfD): Hat sich ja auch verbessert!] Das, was Sie wollen, ist, unabhängig von der Lokallage flächendeckend Segregation zu ermöglichen ‒ unab - hängig davon, ob es eine spezifische Lage ist oder für alle gleichermaßen gilt. [Thorsten Weiß (AfD): Weil andere Schulen das Problem ja auch so haben!] Sie wollen einführen, dass die Menschen mit geringeren Sprachkenntnissen und höheren Sprachkenntnissen voneinander getrennt werden. Hätten Sie in den Neunzigern irgendetwas zu sagen gehabt, wäre ich ohne Abitur, ohne Möglichkeiten zur Bildung geblieben. Sämtliche Chancen wären mir versperrt geblieben, und ich bin so froh, dass die Mehrheit in Deutschland und Berlin damals wie heute andere Parteien wählt. ‒ Vielen Dank! [Beifall bei der SPD ‒ Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN ‒ Thorsten Weiß (AfD): Exakt das Gleiche, was wir fordern! ‒ Zuruf von Orkan Özdemir (SPD)]
