Thorsten Weiß
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich stehe hier als Vertretung des Kollegen Tabor, der auf dem Weg hierher einen Autounfall hatte, und wünsche ihm von diesem Platz aus natürlich gute Besserung. Kinder entsprechend ihrer Lernausgangslage in passende Lerngruppen einzuteilen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Wir tun das bereits nach Alter vom Schulanfang bis zum angehenden Abitur. Niemand käme auf die Idee, Sechsjährige gemeinsam mit Achtzehnjährigen zu unterrichten. Im Sport wird ebenfalls nach Leistung unterschieden, und das zu Recht. Dieselbe Logik muss natürlich auch bei sprachlichen Voraussetzungen gelten. Die Beherrschung der deutschen Sprache ist die Grundlage für einen erfolgreichen Bildungsweg in Berlin. [Beifall bei der AfD] Die Problemlage in Berlin ist massiv. Der Einschulungsatlas zeigt, dass selbst dort, wo 90 Prozent der Kinder zuvor eine Kita besucht haben, rund 70 Prozent Sprachdefizite aufweisen. Eine Berliner Lehrerin beschreibt das Problem eindrücklich – Zitat – : Wenn zu viele Kinder in einer Klasse sind, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, wird es sehr schwierig. Drei oder vier Kindern kann ich helfen, aber nicht der Hälfte einer Klasse. Das würde alle ausbremsen. – Zitat Ende. – Und auch der ehemalige Präsident des Deutschen Lehrerverbands Heinz-Peter Meidinger betonte: Schon ab einem Anteil von 35 Prozent an Kindern mit Migrationshintergrund sinkt die Leistungsfähigkeit der gesamten Lerngruppe – ; übrigens eine Tatsache, die Sie alle in diesem Hause inklusive der Bildungssenatorin bis heute fast ausschließlich nicht anerkennen wollen. Stattdessen versuchen Sie, jede Diskussion darüber in Rassismus- und Diskriminierungsdebatten zu ersticken, aber ich verspreche Ihnen: Das wird Ihnen nicht gelingen. [Beifall bei der AfD] Als Lösung schlagen wir ein Konzept vor, das in Berlin bisher erfolgreich erprobt wurde: An Grundschulen mit einem hohen Anteil an Schülern nicht deutscher Herkunftssprache sollen Spezialklassen eingerichtet werden, in die diejenigen Kinder aufgenommen werden, die bereits über starke Deutschkompetenzen verfügen. Parallel dazu wird ein umfassendes Sprachbildungskonzept mit differenzierten Förderangeboten für alle Kinder umgesetzt. Kein Kind wird ausgegrenzt, jedes Kind wird gemäß seinen Voraussetzungen gefördert. Unser Antrag knüpft an den wissenschaftlich evaluierten Modellversuch an der Gustav-Falke-Grundschule in Berlin-Mitte an. Diese Schule hatte im Schuljahr 2010/2011 einen Anteil von über 90 Prozent an Schülern nicht deutscher Herkunftssprache. Die Schule hatte einen katastrophalen Ruf und wurde von bildungsnahen Eltern gemieden, und dennoch gelang der Schule die Trendwende. Wie hat sie das geschafft? – Die Lehrkräfte fragten die Eltern, welche Bedingungen erfüllt sein müssten, damit sie ihre Kinder freiwillig an die Schule schicken würden. Das Ergebnis war ein Modellprojekt, das später als Deutsch-Garantie-Klassen durch die Medien ging und breite Zustimmung fand. Durch dieses Konzept änderte sich das Anmeldeverhalten. Mehr Eltern aus bildungsnahen Familien entschieden sich wieder für die Schule, die gewünschte soziale Durchmischung entstand, und der Landeselternausschuss unterstützte das Projekt von Beginn an. Die wissenschaftliche Evaluation von Prof. Ramseger bestätigte den Erfolg des Versuchs, und genau daran möchten wir anknüpfen. Frau Dr. Lasić, die mit Sicherheit gleich wieder Gift und Galle über unseren Antrag auskübeln wird, [Zuruf von Orkan Özdemir (SPD)] möchte ich daran erinnern, dass die Idee der Deutsch-Garantie-Klassen von der SPD stammt. Eduard Heußen, SPD-Mitglied, vormals Sprecher des Senats und seinerzeit Koordinator des von der degewo initiierten Bildungsverbunds Brunnenviertel hatte das Konzept der Deutsch-Garantie-Klassen gemeinsam mit der Bildungsstadträtin Hänisch, auch von der SPD, der Schule und den Eltern entwickelt. Frank Bielka, SPD, seinerzeit bei der degewo, lobte den Schulversuch bei einer Anhörung im Abgeordnetenhaus und verteidigte ihn gegen Kritiker. Klaus Wowereit, ehemaliger Regierender Bürgermeister der SPD, schrieb seinerzeit der Gustav-Falke-Schule einen Brief, in dem er das Projekt lobte und unterstützte. Auch Frau Dr. Lasić, die damalige bildungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion, lobte den Schulversuch der differenzierten Sprachförderung bei einer eigenen zu diesem Thema organisierten Veranstaltung, und auch der SPD-Fraktionsvorsitzende, immer noch Herr Saleh, wünschte sich, dass andere Schulen von der Erfahrung der Gustav-Falke-Grundschule profitieren könnten. Bedauerlich ist also, dass die SPD von der letzten guten Idee, die sie in Berlin hatte, seit über zehn Jahren nichts mehr wissen will. – Vielen Dank! [Beifall bei der AfD]
