Frank Scheermesser
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Bündnis 90/Die Grünen fordern in ihrem Antrag Transparenz im Bewerbungsverfahren für Olympia. Transparenz ist grundsätzlich richtig, aber lassen Sie mich ein paar Dinge klarstellen. Denn hinter diesem Antrag steht keine echte Transparenzforderung, dahinter steht die Ablehnung der Bewerbung insgesamt. Frau Schedlich hat das im Sportausschuss im letzten Jahr am 27. Juni deutlich gemacht. Die Grünen wollen kein Olympia in Berlin. Das ist selbstverständlich eine legitime Position, aber dann sollte man sie auch offen vertreten und nicht hinter Verfahrensfragen verstecken. [Beifall bei der AfD] Die AfD-Fraktion steht zu dieser Bewerbung. Das tun wir nicht aus Begeisterung für Großereignisse um ihrer selbst willen, sondern aus nüchternem Kalkül. Berlin hat einen Sanierungsstau bei Sportstätten von über 1 Milliarde Euro. 55 Sporthallen und mindestens 8 Schwimmbäder sind geschlossen. Der Landessportbund sagt, allein aus dem Berliner Haushalt ist das nicht zu schaffen. Paris hat gezeigt, dass Olympische Spiele ein Investitionsbeschleuniger sein können für Sportstätten, für ÖPNV, für ganze Stadtquartiere. Das ist kein Wunschdenken, das sind Erfahrungen einer Stadt, die es gerade hinter sich hat. Aber, und das ist der entscheidende Punkt, eine Bewerbung macht nur Sinn, wenn drei Bedingungen erfüllt sind. Erstens: Nachnutzung. Jede Sportstätte, die gebaut oder saniert wird, muss nach den Spielen dem Breiten- und Vereinssport zur Verfügung stehen; kein Prestigebau, der anschließend leer steht. 90 Prozent der Wettkampfstätten sollen laut Senat bereits vorhanden sein. Das ist gut so. Die restlichen 10 Prozent müssen von Anfang an für die Nachnutzung geplant werden, einschließlich des geplanten Olympischen Dorfs als neues Stadtquartier. Zweitens: Kostenkontrolle. Die Finanzverwaltung schätzte 2023 die Gesamtkosten auf 16 Milliarden Euro. Seitdem verweist man auf das neue IOC-Modell, das niedrigere Kosten verspricht. Das mag sein, aber das Abgeordnetenhaus braucht belastbare Zahlen, keine Verweise auf IOC-Broschüren. Und die Kostenteilung zwischen Bund, Land und Partnerregionen muss ebenfalls geklärt sein, bevor wir uns weiter binden. Drittens: Breitensport nicht gegen Spitzensport ausspielen. Die Grünen tun so, als sei beides ein Widerspruch, aber das Gegenteil ist richtig. Olympische Spiele sind der stärkste Hebel, um Bundesmittel für bezirkliche Sportanlagen zu mobilisieren, die wir sonst nie bekommen würden. Jedes Kind in dieser Stadt muss schwimmen lernen können und wird davon profitieren, wenn wir endlich genügend Schwimmhallen sanieren. [Beifall bei der AfD] Genau dafür brauchen wir Bundesgeld, und genau darum lehnen wir den Antrag von Bündnis 90/Die Grünen ab. Berlin kann Sport, Berlin kann auch Großereignisse, aber Berlin muss rechnen können. Unsere Unterstützung für die Bewerbung steht, aber sie steht unter dem Vorbehalt, dass aus Olympischen Spielen ein nachhaltiger Gewinn für die ganze Stadt wird und kein Strohfeuer bleibt. – Danke, meine Damen und Herren! [Beifall bei der AfD]
