parlament-berlin.de ↗

Kristian Ronneburg

LINKE 18.12.2025 Sitzungen 19/77

So, Aufmerksamkeit, bitte! – Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Dieser Senat setzt im Sportbereich die falschen Prioritäten, wenn er meint, mit jeweils 4 Millionen Euro Steuergeld in den beiden Haushaltsjahren die NFL, die reichste Sportliga der Welt, für drei Spiele in den nächsten Jahren nach Berlin holen zu müssen. Auch deshalb haben wir beantragt, diese Gelder im Einzelplan zu streichen, ohne jedoch die Mittel für Flag Football in den Bezirken anzutasten. Das macht vielleicht auch den Unterschied zwischen uns aus. Dieser Senat verliert immer mehr den Bezug zum Breitensport, zur Basis. Großveranstaltungen sollen davon ablenken, Events, die sich im Übrigen keine normale Berlinerin und kein normaler Berliner leisten kann. Wir sind der Auffassung, dass Sportevents, auf die der Senat anscheinend setzt, für alle Interessierten leistbar, ökologisch nachhaltig und sozial gerecht sein müssen. [Beifall bei der LINKEN] Nicht nur aufgrund dieser Kriterien lehnen wir im Übrigen eine Olympiabewerbung ab. Wir sagen Ja zum Sport und Nein zu Olympia. Jeder Euro, der in eine erfolglose Bewerbung Berlins für die Olympischen Spiele gesteckt wird, fehlt am Ende für den Breitensport. Stattdessen ist unser Versprechen: Wir sorgen dafür, dass Berlin im Alltag funktioniert, dass die Sportmetropole gelebt wird. Statt Milliarden in temporäre Prestigeprojekte zu investieren, fordern wir ein Jahrzehnt der Investitionen in den Berliner Breitensport. Die Mittel werden dringender für die Sanierung maroder Schulturnhallen, die Rettung der Bäder und die Unterstützung der Kiezvereine benötigt. Die Kinder, die Sport treiben wollen, stehen jetzt bei den Vereinen Schlange, und wir brauchen dafür jetzt Lösungen. Es ist ein Skandal, dass über 50 Sporthallen in Berlin so sanierungsbedürftig sind, dass sie teilweise nicht einmal mehr für den verpflichtenden Schulsportunterricht genutzt werden können. Die schnelle Sanierung dieser Hallen, damit Kinder und Jugendliche ihr Recht auf Bewegung und Sport wahrnehmen können, muss priorisiert werden. Gleiches gilt im Übrigen auch für die Sportanlagen in den Bezirken. Dafür brauchen die Bezirke mehr Mittel. Wir haben auch mehr Mittel beantragt und das gegenfinanziert. Im Übrigen dürfen Sport und Wohnen auch nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wir wissen, dass der Sport bei den geplanten neuen Stadtquartieren bisher das Nachsehen hat. Wir brauchen dort mehr bedarfsgerechte Sportflächen. Wenn wir hier am falschen Ende sparen, wird die Gesellschaft umso höhere Folgekosten bezahlen müssen. Jede künftige Regierung wird sich in Berlin daran messen lassen müssen, was der Landessportbund ganz richtigerweise fordert: Dass künftig in den Schulen ein tägliches Sportangebot stattfinden wird. Das bedeutet für uns im Übrigen auch ein neues Selbstverständnis, was den Zugang zu Bädern für Kinder und Jugendliche angeht. Kein Kind sollte die Schule mehr ohne Schwimmbefähigung verlassen. Im Übrigen wäre es nicht nur für die Kinder von Vorteil, wenn alle Bäder ausreichend geheizt würden. Wenigstens hat der Senat diesen Fehler offensichtlich eingesehen und Abhilfe versprochen. Wir brauchen bedarfsgerechte Wasserflächen. Berlin muss nicht nur Bäder sanieren, es müssen auch neue gebaut werden. Spandau braucht sein Bad, aber auch Pankow und Marzahn-Hellersdorf brauchen Multifunktionsbäder. Dass diese Versprechen umgesetzt werden, ist ein ganz wichtiger Auftrag für diesen und auch für den nächsten Senat. Da der Sport verbindet, ende ich versöhnlich. Die Koalition hat auch gute Änderungen am Sporthaushalt vorgenommen. Ich möchte mich bei den Kolleginnen und Kollegen für die Debatten bedanken und ganz herzlich auch bei dem Präsidenten und Sprecher der SPD-Fraktion für Sport, Herrn Buchner, für die Wortgefechte im Ausschuss. – Danke schön und bis zum nächsten Mal! [Beifall bei der LINKEN – Beifall von Oda Hassepaß (GRÜNE)]

Alle Reden von Kristian Ronneburg Protokoll ↗