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Johannes Kraft

CDU 20.11.2025 Sitzungen 19/75

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich hatte gerade so ein bisschen ein Déjà-vu, und das finde ich ehrlicherweise bedenklich. Können wir bitte endlich aufhören, den hervorragenden ÖPNV in der Bundeshauptstadt Berlin immer wieder schlechtzureden? Damit ist niemandem geholfen. [Beifall bei der CDU und der SPD – Zurufe von der LINKEN] Es ist auch niemandem damit geholfen, wenn immer wieder Äpfel mit Birnen verglichen werden. Mannheim ist eine supertolle Stadt und quasi eine Megacity, aber doch ein bisschen kleiner als Berlin. [Zuruf von Kristian Ronneburg (LINKE)] Dann haben Sie über Frankfurt gesprochen und, dass es in Frankfurt auf der Stadtbahn Züge gibt, die 100 Meter lang sind. Das gönne ich den Frankfurtern. Das ist eine tolle Sache. Wissen Sie, wie lang ein Vollzug der Berliner S-Bahn ist? – 147 Meter. [Tobias Schulze (LINKE): Äpfel mit Birnen vergleichen!] Dahinter müssen wir uns nicht verstecken. Das sind nämlich 47 Prozent mehr als in Frankfurt – klasse Sache. [Vereinzelter Beifall bei der CDU] Jetzt kommen wir aber zu Ihrem Antrag, und eigentlich wollte ich gar nicht so beginnen, weil Ihr Antrag durchaus sinnvoll ist. [Lachen von Tobias Schulze (LINKE)] – Ja, das ist so, wenn man den Ball auf den Elfmeterpunkt legt, dann muss man damit rechnen, dass er irgendwie hineingeht. Sie haben damit recht, dass längere Fahrzeuge bei gleichem Fahrpersonal natürlich mehr Personen befördern können. Das liegt in der Natur der Sache: Beförderungsgefäße sind größer, mehr Plätze – klar. Sie haben also einen Punkt, gar keine Frage. Sie haben auch einen Punkt, wenn Sie sagen, dass die GT6-Fahrzeuge, wenn Sie in Doppeltraktion fahren, natürlich eine höhere Kapazität haben, als wenn sie alleine fahren – also Doppeltraktion: einfach zwei Züge aneinander gekoppelt. Die Urbanliner – das sind die 50-Meter-Züge, die Sie angesprochen haben – können schon jetzt mehr Personenkapazität fahren als eine Doppeltraktion GT6. Da sind wir auf einem guten Weg, und auch das haben Sie angesprochen, damit haben Sie recht. Aktuell haben wir eine große Herausforderung, weil wir diese Urbanliner, diese 50-Meter-Züge, wollen. Die brauchen erst einmal eine Zulassung. Da haben Sie über das Lastproblem und verschiedene andere Dinge gesprochen – alles richtig, müssen wir im Detail nicht auswerten –, aber wenn wir eins aus der Vergangenheit gelernt haben, was die BVG angeht, dann wissen wir, dass ÖPNV ein hochkomplexes System ist und dass man das System nicht verbessert, indem man es immer komplexer macht und immer neue Dinge anfängt, bevor man andere abgeschlossen hat. Also muss doch aktuell die Priorität sein: Lassen Sie uns erst einmal die Urbanliner auf die Straße und die Schiene bringen [Beifall von Kristian Ronneburg (LINKE)] und dann reden wir gerne über die 60-Meter-Züge. Übrigens wird das schon getan. Die Senatsverwaltung ist doch bereits in Gesprächen mit der BVG, um über die Beschaffung, die künftige Beschaffung, von 60-Meter-Zügen nachzudenken. Wenn Sie aber die BVG fragen, dann sagt die BVG: Vielen Dank! – Der Applaus gilt Senatorin Bonde, und nicht mir. [Kristian Ronneburg (LINKE): Ja, klar!] Wenn Sie mit der BVG reden, dann haben die aktuell keinen Bedarf an weiteren Zügen. Aber auch das ist ja ein Punkt: In Zukunft ändert sich das. Ja, da haben Sie einen Punkt, gar keine Frage. Und Sie haben gesagt: An vielen Bahnhöfen sind die infrastrukturellen Voraussetzungen schon gegeben. Mit anderen Worten: Die sind lang genug, um da einen 60-Meter-Zug zu fahren. Ja, das ist richtig. Mit den Bahnhöfen ist es aber nicht getan. Sie haben ein Thema mit Kurvenradien, und Sie haben vor allem ein Thema mit Werkstätten. Darüber haben Sie nicht gesprochen; das gehört aber zur Wahrheit dazu. Übrigens: Wenn Sie die BVG auch in diesem Punkt befragen, dann sieht die BVG exakt eine Linie, auf der die 60-Meter-Züge aktuell sinnvoll eingesetzt werden können, und das ist die M4. [Beifall von Tino Schopf (SPD)] Kann man ja machen; soll man auch machen. Aber bitte lassen Sie uns erst einmal dafür sorgen – und das haben Sie ja angesprochen –, dass wir Stabilität vor Wachstum schaffen. Das ist das Motto. Wir müssen erst mal dafür sorgen, dass die BVG wieder in geordnete Gleise und Bahnen kommt. Die BVG muss erst einmal wieder funktionieren, und wenn wir das gemeinsam geschafft haben, dann reden wir gerne über Erweiterungen des Angebots, über neue Fahrzeuge und andere Technologien. Insofern habe ich Sympathie für den Antrag, für das Vorhaben. Ich glaube, er kommt zur falschen Zeit. Er hilft übrigens weder der BVG noch der Senatsverwaltung und Senatorin Bonde dabei, das zu tun, denn es passiert ja sowieso schon. Mit diesem Antrag machen Sie eine neue Baustelle auf, wenn Sie ihn beschließen. Baustellen haben wir in dieser Stadt genug. Lassen Sie uns erst einmal die Baustellen fertig machen; lassen Sie uns erst einmal dafür sorgen, dass der Verkehr – und zwar egal, welcher Verkehrsträger es ist – fließt, und dann reden wir auch über die neuen Fahrzeuge. – Vielen Dank! [Beifall bei der CDU – Vereinzelter Beifall bei der SPD – Antje Kapek (GRÜNE): Das gilt dann aber auch für die U-Bahn!]

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