Tommy Tabor
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kollegen! Bei einem relativ kaputten Bildungssystem hier in Berlin ist das Praxislernen ein wertvolles Instrument, um Schüler zu erreichen, die man bereits verloren glaubte, und ihnen so eine neue Perspektive zu eröffnen. Aus meiner Sicht herrscht im Bildungsausschuss durchaus Konsens, wenn es um diese positiven Effekte geht: bessere Berufsorientierung, bessere Integration in Ausbildung und Arbeit. Das zeigen unter anderem auch die hohen Abschlussquoten, das wurde schon erwähnt, und Übergänge in weiterführende Angebote. Darüber hinaus sagte die Senatorin in der Ausschusssitzung am 18. September klar, das hat sie auch richtig dargelegt: Die Finanzierung für das Praxislernen ist gesichert. – Auch die Koalition selber steht hinter diesem Programm. Und es wurden, so die Senatorin, sogar zusätzliche Plätze in einzelnen Bezirken mit größerem Bedarf geschaffen. Gleichzeitig dürfen wir nicht verschweigen, dass wir immer noch eine angespannte Haushaltslage haben. Öffentliche Mittel sind nun mal endlich, liebe Grüne, liebe Linke! Wenn wir an einer Stelle mehr ausgeben, muss halt an einer anderen Stelle gespart werden. Die Senatorin hat aus meiner Sicht klargemacht, würden wir die Praxislerngruppen voll ausbauen, müsste man andere wichtige Bereiche, Herr Hopp hat es auch gerade gesagt, wie zum Beispiel kulturelle oder politische Bildung, kürzen. Darüber hinaus müsste man die Ihnen ja oftmals so wichtige queere Bildung kürzen. Das würden wir wiederum voll unterstützen, [Beifall bei der AfD] aber das soll ja leider so nicht passieren. Also ist es eine Entweder-oder-Entscheidung. Die Kritik, dass durch die Kürzung wichtige Angebote wie Bewerbungstrainings oder MSA-Vorbereitung wegfallen, nehmen wir durchaus ernst, aber auch hier hat die Senatorin klargestellt, und auf ihr Wort muss man jetzt einfach mal vertrauen, das MSA-Training findet an den Schulen weiterhin statt, und die Praxistage sind so organisiert, dass die relevanten Fächer nicht zu kurz kommen. Zudem wird das kommende Schuljahr genutzt, um das Konzept des Praxislernens weiterzuentwickeln und die Schulen so zu befähigen, dass Praxisangebote eigenständig umzusetzen sind. Wir stehen also nicht vor dem Aus des Praxislernens, sondern vor einer Phase der Konsolidierung und Neuausrichtung. Wir von der AfD unterstützen auch das Praxislernen und finden durchaus, das ist ein gutes Instrument für, wie es Frau Burkert-Eulitz vorhin ausdrückte, schuldistanzierte Jugendliche, also Schulschwänzer, man muss es auch einfach mal beim Namen nennen. Für die, die die letzten zehn Jahre in ihrer Schullaufbahn nichts gerissen haben, ist das einfach die letzte Ausfahrt, um da für diese Jugendlichen noch mal was in die richtige Richtung zu drehen. Das Ziel bleibt trotz begrenzter Mittel, die Zahl der Plätze perspektivisch wieder voll zu erhöhen und auch die Qualität zu sichern. Das finden wir gut. Praxislernen bleibt wichtig, aber angesichts der aktuellen Haushaltslage und der gesicherten Finanzierung sehen wir keinen Anlass für Alarmismus. Sie könnten allerdings auch einen Änderungsantrag einbringen, und die Stadteilmütter mit ihren 12 Millionen Euro, die veranschlagt sind, könnten wir kürzen. Dann wäre mit Sicherheit genug Geld fürs Praxislernen da. Das wäre mein Angebot an Sie. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! [Beifall bei der AfD]
