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Franziska Brychcy

LINKE 20.11.2025 Sitzungen 19/75

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kurz vor dem Treffen der Koalitionsspitzen zum Doppelhaushalt möchten wir heute den Fokus noch einmal auf die massive Kürzung bei den Praxislerngruppen lenken. Heute früh waren unter anderem Schülerinnen und Schüler von 9. Klassen vor dem Haus und haben uns eindringlich geschildert, wie wichtig das Praxislernen für ihren Bildungsweg ist. Bisher haben jährlich über 1 000 junge Menschen, die schuldistant sind und deren Schulabschluss gefährdet ist, durch die Praxislerngruppen einen Schulabschluss erreicht und finden ihren Weg in die berufliche Zukunft. Die CDU-geführte Bildungsverwaltung hat hier 1,3 Millionen Euro jährlich gekürzt und 700 von 2 226 Praxisplätzen gestrichen und damit die Chancen dieser Jugendlichen auf einen Abschluss und den Übergang in den Beruf erheblich verschlechtert. Dass Sie bei den Jugendlichen kürzen, die ohnehin mit sehr großen Herausforderungen zu kämpfen haben, ist aus unserer Sicht katastrophal und zeigt auch Ihre politische Schwerpunktsetzung seitens der CDU. Sie kürzen hier an dieser Stelle wirklich bei den bedürftigsten Schülerinnen und Schülern! [Beifall bei der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN] An acht Schulen sind sogar 100 Prozent der Praxisplätze weggefallen. Ihre Idee, die Schulen könnten einfach kostenneutrale Praxislernkonzepte umsetzen, ist unrealistisch, denn sie haben kein Personal dafür. Manche Jugendliche brauchen Lernräume außerhalb der Schule, um wieder Motivation für den Schulabschluss und den Weg in den Beruf zu finden. Das ist ja gerade das Besondere an den Praxislerngruppen. Ja, die Praxislerngruppen werden durch freie Träger umgesetzt, die laut Ihrem Bildungsverständnis nur nachrangig sind. Wir hingegen stehen für den ganzheitlichen Blick auf unser Bildungssystem und erkennen an, dass unsere Schulen die Expertise auch von freien Trägern als zusätzliche Unterstützung sehr gut gebrauchen können. [Beifall bei der LINKEN – Beifall von Antje Kapek (GRÜNE)] Genau das zeigen die Praxislerngruppen, denn sie sind hochwirksam. Die Abbruchquote liegt bei unter 1 Prozent. Die Abschlussquote in der 10. Klasse betrug zuletzt 80 Prozent. Trotzdem kürzen Sie ein Drittel der Praxisplätze weg, obwohl dadurch viele dieser Jugendlichen die Schule voraussichtlich ohne Schulabschluss verlassen werden. Ohne Schulabschluss sinkt auch die Chance auf eine Berufsausbildung massiv. Hier an dieser Stelle ist Ihre Aversion gegen freie Träger nicht angebracht. Wenn Sie wirklich weniger Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher wollen, Frau Günther-Wünsch, dann können Sie doch ausreichend Praxislernplätze für junge Menschen zur Verfügung stellen. Alles andere ist kurzsichtig und zieht auch höhere Folgekosten nach sich – mit dem 11. Pflichtschuljahr und allen anderen weiteren Maßnahmen, die deutlich später ansetzen. Nun haben Sie von der Koalition entschieden, zur Stabilisierung des Haushalts 6 Milliarden Euro Kredite aufzunehmen, was wir begrüßen, denn alles kaputt zu sparen, ist keine Zukunftsstrategie. Aber angesichts von 6 Milliarden Euro Kreditaufnahme ist das Argument der Haushaltskonsolidierung nur noch sehr begrenzt wirksam. Es ist letztlich eine politische Entscheidung, ob man bei den Jugendlichen, deren Abschluss gefährdet ist, einen Schwerpunkt setzt und ein sehr erfolgreiches Programm weiterhin angemessen ausstattet oder eben zusammenstreicht. Deswegen fordern wir Sie als Koalitionsfraktionen auf: Bitte prüfen Sie, ob für die Praxislerngruppen noch Mittel eingestellt werden können, damit wenigstens zum kommenden Schuljahr 2026/2027 die Praxisplätze wieder aufgestockt werden können. Es wäre fatal, wenn ansonsten auch noch die Anzahl der Praxistage in diesem Programm reduziert werden müsste. Mehr Mittel würden außerdem auch die ergänzenden Fördersätze für die Miete und besondere Angebote wie Bewerbungstrainings absichern. Es ist doch absolut sinnvoll, Jugendliche, deren Abschluss gefährdet ist, so früh wie möglich zu unterstützen, bereits in Klasse 9 und 10, und nicht erst, wenn sie keinen Abschluss erreicht haben. [Beifall bei der LINKEN] Sie haben jetzt noch die Möglichkeit, mit vergleichsweise geringen Beträgen, mit einem kleinen Betrag die Zukunftschancen für eine erhebliche Anzahl von Schülerinnen und Schülern deutlich zu verbessern. Bitte nutzen Sie diese Chance im Sinne der Jugendlichen, die heute vor dem Haus gestanden und deutlich gemacht haben, dass sie das Praxislernen brauchen! – Danke! [Beifall bei der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN]

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