Tommy Tabor
Vielen Dank, Herr Präsident! – Liebe Kollegen! Im Jahr 2024 betrug die Jugendarbeitslosenquote in Berlin sage und schreibe miserable 9,2 Prozent. Das sind nahezu doppelt so viele wie im ganzen Bundesgebiet. Ein Ansatz, diese hohe Quote zu beheben, liegt natürlich in der Verbesserung der Berufsorientierung. Ein klares Berufsbild vor Augen stärkt die Zielstrebigkeit und die Lernmotivation eines jeden Einzelnen. Das Landeskonzept Berufliche Orientierung und die BSO-Teams an den Schulen sind sinnvolle Maßnahmen. Offensichtlich greifen diese Konzepte bisher allerdings nicht durch. Es fehlt auch an Verbindlichkeit. Darauf haben wir auch schon ziemlich oft hingewiesen. Der wichtigste Ansatz für die Berufsorientierung ist die praktische Erfahrung. Jugendliche müssen endlich ins Machen kommen. Nur so kann man seine Leidenschaft finden. Das bedeutet, Unternehmen müssen nicht mehr in die Schulen gehen, sondern Schüler in die Unternehmen. Schüler sollen in ein Unternehmen gehen, um Tätigkeiten auf praktische Weise kennenzulernen: Wie funktioniert die Arbeitswelt? Sie sollen Pünktlichkeit lernen. Wie kann ich einen Arbeitsauftrag in einer bestimmten Zeit zu Ende bringen? – Das sind wichtige Einblicke. Die Praktikumswoche bleibt daher ein Baustein. Vor dem ersten Schülerpraktikum sollte jeder Schüler ein verifiziertes Kompetenzfeststellungsverfahren absolvieren, zum Beispiel den Berufswahltest der Bundesagentur für Arbeit, also den Talentecheck. Pädagogen müssen mit den Jugendlichen mehr Zeit bekommen, um herauszufinden, wo hier die Interessen, Talente, und Eignungen liegen. Vielleicht hat man Interesse, aber man ist handwerklich total unbegabt. Dann ist ein handwerklicher Beruf eben nicht das Geeignete. Wenn man weiß, was man will – es wurde vorhin auch schon angesprochen –, dann kann man garantiert auch in Zukunft die Abbrecherquote in den Ausbildungsbetrieben reduzieren. [Beifall bei der AfD] Ein anderes Problem: Der Rahmenlehrplan für das Fach Wirtschaft, Arbeit, Technik – WAT –, das wurde ja heute auch schon erwähnt, ist schlichtweg überladen. Neben den Bereichen Wirtschaft, Arbeit und Technik findet man auch noch Ernährung, Gesundheit, Verbraucherbildung und allgemeine Lebensführung. Das sind wichtige Blöcke, worin wir die Kinder und Jugendlichen durchaus bilden sollten. Allerdings haben sie in diesem Bereich nichts verloren. Man verliert einfach den Fokus, und verliert man den Fokus, hat man im Endeffekt nichts gewonnen. Die AfD ist der Auffassung, dass sowohl die Berufsorientierung als auch die ökonomische Bildung gestärkt werden sollten. In Bayern beispielsweise wurde Wirtschaft und Beruf zum neuen Leitfach im Lernfeld Berufsorientierung gemacht. Technik wurde aus dem Verbund herausgelöst. In einer Anfrage an den Senat hatte ich gefragt, wie der Senat dazu steht. Man ist da uneins. Man hat nur auf die Kultusministerkonferenz verwiesen. Eine klare Meinung zu diesem Thema wäre gar nicht so verkehrt. Kritisch sehe ich tatsächlich die Einführung von WAT-Unterricht an Gymnasien. Im Koalitionsvertrag – Frau Brychcy hat es ja auch schon erwähnt – 2023 bis 2026 heißt es: „Zudem wollen wir das Unterrichtsfach, ‚Wirtschaft-Arbeit-Technik‘ … stärken, indem wir ihn auch an Gymnasien … verpflichtend einführen.“ Ich denke, Gymnasiasten sollen auf das Studium vorbereitet werden. Dementsprechend ist WAT-Unterricht dort fehl am Platz. Mit Beginn des Schuljahres 2025/2026 wird allerdings das Unterrichtsfach WAT nun in Form einer verpflichtenden Einführung des berufsorientierten Unterrichts an Gymnasien in den Klassenstufen 9 kommen. Das zeigt aber auch, die Forderungen aus dem Antrag der Koalition laufen den vom Senat bereits vorgenommenen Umsetzungen hinterher. Auch die Evaluationsmaßnahmen finden laufend statt. Der Beschluss des vorliegenden Antrags würde keine Veränderung an der bestehenden Praxis mit sich bringen. Was mich am Antrag allerdings dennoch erfreut, ist die geforderte Erhebung über vorhandene Schulwerkstätten. Es soll ermittelt werden, an welchen Schulen Schulwerkstätten vorhanden sind und vor allem in welcher Ausstattung. Das habe ich auch versucht, über eine Schriftliche Frage beantwortet zu bekommen. Die Bezirke haben allerdings überhaupt keine Ahnung, was in den jeweiligen Schulen passiert. Das heißt, Steuergelder werden ausgegeben, und wir wissen nicht, ob sie produktiv angelegt sind. Dieser Missstand muss dringend behoben werden, denn für die Sicherung der Unterrichtsqualität sind solche Kenntnisse erforderlich. [Beifall bei der AfD] Gegenwärtig scheint da vieles dem Zufall überlassen zu sein. Die AfD hingegen setzt sich für angemessene Schulwerkstätten ein. Wir wollen das ganze Thema forcieren, auch die Qualitätssicherung, und werden uns weiterhin dafür wohlwollend einsetzen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! [Beifall bei der AfD]
