Stephan Standfuß
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Natürlich haben wir Verständnis für die Rechte der Opposition. Natürlich sind Termine dafür da, dass sie entsprechend eingehalten werden. Insofern kann ich nur sagen, dass Sie recht haben mit der Kritik an Frau Spranger, dass die Berichte nicht entsprechend da gewesen sind. Es hakelt allerdings insgesamt, glaube ich, ein bisschen bei den Haushaltsverhandlungen. Für uns ist es aber kein ausreichender Grund, dem Missbilligungsantrag zuzustimmen, weil es am Ende, glaube ich, auch vor allem ein Kommunikationsproblem war. Damit will ich das Thema auch abhaken [Christoph Wapler (GRÜNE): Schade!] und möchte gerne zum Thema Olympia kommen, was für mich zumindest und für unsere Fraktion ein sehr positives Thema für die Stadt ist. Wenn wir heute über die Olympiabewerbung BERLIN+ sprechen, dann reden wir nicht nur über ein Sportereignis. Wir reden über eine Idee, über eine Vision davon, was Berlin in den kommenden Jahren sein kann und welche Verantwortung wir tragen, wenn wir über etwas so Großes, so Symbolträchtiges sprechen wie Olympische und Paralympische Spiele in unserer Stadt. Berlin hat die einmalige Chance, Sportgeschichte zu schreiben, und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt. Die Olympiabewerbung ist nicht einfach ein sportliches Projekt. Sie ist eine Einladung, die Zukunft unserer Stadt mutig zu gestalten. Es geht um mehr als um Medaillen und um Rekorde. Es geht um ein Berlin, das zeigt, was es kann sportlich, inklusiv, nachhaltig und leidenschaftlich. Denn Sport ist nie nur Bewegung. Sport ist Begegnung. Er steht für Fairness, für Respekt, für die Fähigkeit, über Unterschiede hinweg Gemeinschaft zu stiften. Wenn wir auf die großen Momente des Sports blicken, in Berlin, in Deutschland und in der Welt, dann sehen wir: Sport verbindet. Sport kann Brücken bauen, wo Ideologien Mauern errichten. Und genau diese Kraft des Sports ist es, die wir nutzen sollten, wenn wir über eine Olympiabewerbung unserer Stadt sprechen. Berlin ist eine Stadt des Sports mit Geschichte, mit Verantwortung und mit Leidenschaft. Wir waren Gastgeber vieler großer Wettbewerbe. Wir sind Heimat unzähliger Vereine. Wir sind Trainingsort für Spitzensportlerinnen und Spitzensportler, aber auch für Kinder und Jugendliche, die einfach nur Freude an der Bewegung haben. Diese Vielfalt ist wertvoll, und sie verpflichtet uns, sorgsam damit umzugehen. Frau Schedlich: Sie selber wissen, wir haben über 800 000 Mitglieder in unseren Sportvereinen. Ich glaube, das ist ein starkes Zeichen für den Sport in dieser Stadt. Olympia würde uns tatsächlich sehr guttun. [Beifall bei der CDU – Beifall von Jan Lehmann (SPD) und Raed Saleh (SPD)] Mit der Bewerbung BERLIN+ haben wir jetzt die Gelegenheit, ein neues Kapitel zu schreiben. Es ist eine Bewerbung, die nicht nur von Berlin getragen wird, sondern von einer ganzen Region gemeinsam mit Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Schleswig-Holstein. Das ist eine starke Idee, ein starkes Signal. Es geht nicht um Größenwahn, sondern um Kooperation, nicht um ein Prestigeprojekt, sondern um eine Partnerschaft, die zeigt, dass Deutschland fähig ist, ein so großes Vorhaben gemeinsam, verantwortungsvoll und nachhaltig zu gestalten, natürlich mit Berlin im Zentrum, anders kann man sich das in Deutschland, glaube ich, auch gar nicht vorstellen – die Sportmetropole. Der Senat hat das Grobkonzept BERLIN+ beim Deutschen Olympischen Sportbund eingereicht. Ich muss mal sagen, anders als Sie, Frau Schedlich, sehe ich das so, wenn man sich beide Konzepte genau anschaut, dass das aus München das einzige ist, das vielleicht noch Konkurrenz sein könnte, dann ist auch München nach unserem Konzept maximal noch Mitbewerber, denn unser Konzept ist nachhaltig und sehr gut. Mehr als 90 Prozent der benötigten Sportstätten sind bei uns bereits vorhanden oder könnten mit überschaubarem Aufwand temporär errichtet werden. Das ist keine Selbstverständlichkeit und ein echter Vorteil gegenüber früheren Bewerbungen, die oft an gigantischen Neubauplänen und überzogenen Kosten gescheitert sind. Hier geht es nicht um Betonträume, sondern um kluge Nutzung vorhandener Infrastruktur. Das sollte auch Sie überzeugen, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Grünen. Ich weiß, wenn ich hier vorne in die erste Reihe schaue, da gibt es genügend Sportbegeisterte, die die Olympischen Spiele in Berlin doch im Hinterkopf haben und sich vielleicht auch noch dafür überzeugen lassen können. Ein Schlüsselprojekt in diesem Zusammenhang ist der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, ein Ort, der wie kaum ein anderer für das steht, was diese Bewerbung ausmachen soll: Inklusion, Nachhaltigkeit und gemeinsames Erleben. Der Jahn-Sportpark ist nicht irgendeine Sportstätte. Seine Erneuerung ist längst nicht mehr nur ein Plan auf Papier, er ist Realität geworden. Berlin investiert hier in ein modernes, barrierefreies und leistungsfähiges Sportzentrum, das künftig Maßstäbe setzen wird für den Breiten- wie für den Spitzensport, für Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen. Gerade für die paralympischen Athletinnen und Athleten entsteht hier ein Ort, der mehr ist als eine Sportstätte, ein Symbol für echte Teilhabe. Denn die Paralympischen Spiele sind keine Nebensache. Sie sind ein gleichwertiger Teil der olympischen Idee. Sie zeigen, was möglich ist, wenn wir Barrieren nicht hinnehmen, sondern abbauen architektonisch, organisatorisch, aber vor allem gesellschaftlich. Wenn diese Stadt wirklich den Anspruch hat, inklusiv zu sein, dann muss das sichtbar werden. Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ist der Ort, an dem dieser Anspruch Realität werden kann. Wir als CDU-Fraktion haben uns von Anfang an für diese Erneuerung stark gemacht. Dieser Sportpark ist ein Schlüsselprojekt, nicht nur für den Sport, sondern für unsere Stadtentwicklung, für Inklusion, für die Lebensqualität im Herzen Berlins. Wenn wir also über BERLIN+ sprechen, dann müssen wir beides tun: Chancen sehen und Risiken benennen. Eine Olympiabewerbung kann nur dann glaubwürdig sein, wenn sie in eine Vision eingebettet ist, die auch nach den Spielen trägt. Berlin hat diese Vision. Wir wollen keine gigantischen Neubauten, die nach zwei Wochen leer stehen. Wir setzen auf nachhaltige Nutzung, auf moderne Infrastruktur, auf kurze Wege und auf einen klaren Mehrwert für die Berlinerinnen und Berliner. Viele der bestehenden Anlagen, von der Max-Schmeling-Halle bis zum Olympiastadion, sind hervorragend geeignet, um olympischen und paralympischen Sport auf höchstem Niveau zu ermöglichen und zu präsentieren. Wir brauchen eine offene Diskussion, keine Entscheidung hinter verschlossenen Türen. Die Berlinerinnen und Berliner müssen wissen, was auf sie zukommt, und sie müssen das Gefühl haben, dass diese Bewerbung ihnen gehört – nicht einer Verwaltung, nicht einem einzelnen Verband, sondern der ganzen Stadtgemeinschaft. [Beifall bei der CDU – Vereinzelter Beifall bei der SPD – Zuruf von Steffen Zillich (LINKE)] In allererster Linie geht es auch darum, die Begeisterung in der Stadt zu entfachen. Olympia in Berlin ist nicht nur ein Sportfest, sondern ein Gemeinschaftsprojekt. Die olympische Idee ist im Kern eine soziale Idee. Sie bringt Menschen zusammen, unabhängig von Alter, Herkunft oder Einschränkungen. Olympia ist ein Projekt für ganz Berlin, für Jung und Alt, für die Mitte und für den Stadtrand, für alle, die hier bei uns leben. Ja, eine Bewerbung bedeutet natürlich auch Aufwand, sie verlangt Planung, Transparenz und Dialog. Kai Wegner fasst das immer in die Worte: zehn Jahre harte Arbeit, einen Monat olympischen und paralympischen Sport mit großartigen Bildern genießen und dann 20 Jahre als Sportmetropole, als Stadt davon profitieren. – Ein herzliches Dankeschön auch einmal an der Stelle an unser großartiges Team – Sportteam kann man ja fast sagen – mit unserer Innensenatorin Iris Spranger und Kai Wegener, unserem Regierenden Bürgermeister, die sich an allen Stellen wirklich stark für den Sport und vor allem für unsere Olympiabewerbung machen. Dafür ein ganz herzliches Dankeschön! [Beifall bei der CDU und der SPD] Berlin kann Olympia, und wir können uns dabei auf eine gewachsene Sportlandschaft mit engagierten Vereinen, starken Verbänden, einer lebendigen Fanszene und einem klaren Bekenntnis der Politik verlassen. Der Senat hat dafür inzwischen eine Steuerungseinheit eingerichtet, geleitet von Kaweh Niroomand. Wen hätte man Besseres für diese Aufgabe finden können? Die möglichen Vorteile sind ganz offensichtlich: eine bessere Sportinfrastruktur, eine Modernisierung von Verkehrswegen, wirtschaftliche Impulse für Handwerk, Tourismus, Medien und Gastronomie, aber auch für die Kultur und viele weitere Bereiche, vor allem aber eine Stärkung des Sportsystems. Die Spiele können Motivation und Schubkraft für den Nachwuchs sein, Sportstätten modernisieren und Menschen, die heute noch zu wenig Zugang haben, ganz neue Chancen eröffnen. Ich möchte noch einen kurzen Hinweis auf die Fußball-EM geben: über 1 Milliarde Euro Stadtrendite – wer hätte das geglaubt, bevor er den Bericht des Senats gelesen hat –, deutlich mehr übrigens als ursprünglich erwartet, und eine großartige Veranstaltung in Berlin. Diese Zahl unterstreicht: Wenn Investitionen sinnvoll gesteuert werden, wenn Infrastruktur nachhaltig und barrierefrei geplant wird, dann ist Sport nicht nur eine Frage von Prestige, sondern ein Katalysator für wirtschaftliches Wachstum, Tourismus, lokale Geschäftskraft und das internationale Image unserer Stadt. Gerade im Hinblick auf die Paralympics geht es um mehr als nur um Medaillen. Es geht um Teilhabe, um Vorbilder, um Selbstverständlichkeit. Wenn Kinder mit Behinderungen sehen, dass sie in denselben Stadien wie die besten Athleten der Welt trainieren können, dann verändert das etwas bei ihnen, die sehen, alles ist möglich, alles ist erreichbar, aber es verändert vor allem das Selbstbild einer Gesellschaft. Wir als CDU-Fraktion stehen klar hinter dieser Bewerbung. Wir wollen kein Projekt, das sich in schönen Bildern erschöpft. Wir wollen ein Projekt, das bleibt, wenn die letzten Medaillen vergeben sind. Wenn die Kameras abgebaut sind, dann soll das, was hier entsteht, in den Vereinen, in den Schulen, aber vor allem in den Herzen der Menschen weiterleben. Berlin hat die Chance, mit BERLIN+ ein Beispiel für Nachhaltigkeit statt Gigantismus, Kooperation statt Konkurrenz und Inklusion statt Symbolpolitik zu geben. Wir können zeigen, dass eine Großstadt auch Großes leisten kann, ohne die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Dafür braucht es aber Mut: den Mut, groß zu denken, ehrlich zu bleiben, Kritik auszuhalten und Entscheidungen zu treffen. Wenn wir das gemeinsam schaffen, kann Berlin nicht nur Gastgeber werden, sondern Vorbild, und dann kann diese Bewerbung etwas werden, das weit über den Sport hinausgeht: ein gesellschaftliches Zukunftsprojekt für unsere Stadt. [Beifall bei der CDU – Vereinzelter Beifall bei der SPD] Wenn wir diese Haltung bewahren, dann wird man in 20 Jahren vielleicht sagen, Berlin hat es geschafft; nicht, weil wir die größten Stadien gebaut, sondern weil wir verstanden haben, dass Größe nicht in Beton gemessen wird, sondern am Zusammenhalt einer Stadt. Das müsste eigentlich auch Ihre Fraktion überzeugen. Berlin kann Olympia, und Berlin will Olympia –
