Franziska Brychcy
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bevor ich gleich konkret zum Antrag komme, möchte ich die allgemeine Situation kurz thematisieren. Ein Viertel unserer Drittklässlerinnen und Drittklässler in Berlin kann gar nicht schwimmen. Wir müssen aber die 32 Prozent, die am Ende der 3. Klasse nur das Seepferdchen erworben haben, hinzuzählen, sodass wir quasi 60 Prozent der Kinder haben, die am Ende der 3. Klasse noch nicht sicher schwimmen können. Ob ein Kind schwimmen lernt, ist eine soziale Frage, weil es vom Einkommen der Eltern abhängt, ob man sich ein Babyschwimmen oder einen Premiumschwimmkurs in der frühkindlichen Bildung leisten kann. Das sehen wir daran, dass in Steglitz-Zehlendorf oder Charlottenburg zwei von drei Kindern am Ende des 3. Schuljahrs sicher schwimmen können, in Neukölln und Lichtenberg ist es nur eines von drei Kindern. Leider muss man aber auch sagen, Herr Buchner, weil Sie gesagt haben, der Senat investiert, dass wir eine deutliche Kürzung von 160 000 Euro bei den Intensivschwimmkursen jetzt aktuell im Haushalt stehen haben, sollte die Koalition hier nicht noch einmal umverteilen. Das ist natürlich falsch und wird auch Auswirkungen auf die Schwimmfähigkeit der Kinder haben. Aktuell wird in den Bezirken intensiv um die Schwimmbusse gerungen. In Pankow und Neukölln wurden die Mittel erheblich gekürzt, auch in Lichtenberg müssen deutlich mehr Schulklassen mit dem ÖPNV zum Schwimmen fahren, in Steglitz-Zehlendorf sind das 100 000 Euro und mehr, die eingespart werden. Das hat natürlich Auswirkungen auf die realen Wasserzeiten, in denen die Kinder schwimmen können, und natürlich auch auf das Stattfinden vom Schwimmunterricht oder dann gegebenenfalls den Ausfall. In einer solchen Situation bei den Schwimmbussen zu kürzen, ist unverantwortlich. Der schwarz-rote Senat muss aus meiner Sicht die Bezirke finanziell so ausstatten, dass sie die Beförderung der Drittklässler und Drittklässlerinnen zum Schwimmunterricht sicherstellen können. Bisher ist das leider nicht der Fall, und der Senat duckt sich hier weg. Jetzt konkret zum Antrag der AfD: Man muss wirklich sagen, dass die AfD in dieser Situation, wo wir quasi um den Kern ringen, beantragt, das Schulschwimmen in die 2. oder sogar 1. Klasse vorzuziehen, obwohl Sie selber in Ihrem Antrag schreiben, dass das aus personellen Gründen und auch schulorganisatorisch gar nicht möglich ist und dafür auch gar keine Wasserzeiten zur Verfügung stehen, ist wirklich grotesk, also Anträge zu stellen, von denen Sie genau wissen, dass sie gar nicht umsetzbar sind. [Tommy Tabor (AfD): Das ist eben der Masterplan!] In Ihrem Antrag steht auch keine einzige neue Maßnahme, Frau Khalatbari hat es sehr gut ausgeführt, sondern Sie haben wirklich wortwörtlich aus der Anhörung im Sportausschuss abgeschrieben. Und diese Maßnahmen laufen seit Jahrzehnten. Insofern braucht es Ihren Antrag nicht. Dadurch wird kein einziges Kind mehr schwimmen lernen. Insofern ist er abzulehnen. – Danke! [Beifall bei der LINKEN und den GRÜNEN – Beifall von Sven Meyer (SPD)]
