Tommy Tabor
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kollegen! Wir verfolgen mit unserem Antrag ein klares Ziel: Alle Kinder in Berlin sollen schwimmen lernen, und zwar systematisch, verpflichtend und überprüfbar. Es darf nicht länger dem Zufall überlassen bleiben, ob ein Kind schwimmen lernt oder nicht. Die aktuellen Zahlen der Senatsverwaltung zeigen ein alarmierendes Bild. Im Schuljahr 2023/2024 konnte jedes vierte Kind – und jetzt zuhören – nach der 3. Klasse trotz des verpflichtenden Schwimmunterrichts nicht schwimmen. Das bedeutet konkret: 25 Prozent unserer Drittklässler bleiben im Durchschnitt Nichtschwimmer. Diese Quote ist auch nicht gleich verteilt. In Bezirken wie Neukölln, Lichtenberg, aber leider auch meinem Heimatbezirk Spandau liegt die Quote deutlich höher als in den Bezirken Steglitz-Zehlendorf oder Charlottenburg-Wilmersdorf. Es ist aus meiner Sicht ein unhaltbarer Zustand, dass unter Rot-Rot-Grün und jetzt unter CDU und SPD nicht Leistungsbereitschaft und der Wille der Kinder in den Mittelpunkt gestellt wurden, sondern der Wohnort, die Infrastruktur und offensichtlich auch das soziale Umfeld darüber entscheiden, ob sie schwimmen lernen können. Genau hier zeigt sich das Versagen Ihrer jahrelangen Politik in dieser Stadt. [Beifall bei der AfD] Schwimmen ist nicht nur Sport, es ist eine Grundfähigkeit, die Sicherheit im Alltag bedeutet, Gesundheit fördert und Selbstbewusstsein vermittelt. Besonders dramatisch ist die Entwicklung in der Coronapandemie gewesen. In dieser Zeit sind viele Schwimmkurse ausgefallen, Bäder waren geschlossen, die Quote der Nichtschwimmer ist nach oben explodiert, und bis heute gibt es Rückstände, die wir dringend aufholen müssen. Berlin gehört zu den wenigen Bundesländern, die die Schwimmfähigkeit der Kinder systematisch erfassen. Das ist positiv, aber die Ergebnisse müssen natürlich auch Konsequenzen haben. Projekte wie Neuköllner Schwimmbär, der Schwimmbär Berlin oder Berliner Schwimmbärchen haben gezeigt: Frühzeitige Wassergewöhnung ist der Schlüssel. Kinder, die bereits im Kita-Alter an Wasser gewöhnt werden, haben es später erheblich leichter, im Schulschwimmen Schwimmen zu erlernen. Auch die Intensivkurse in den Ferien, die oft durch die Vereine angeboten werden, sind ein wichtiger Baustein. Doch die Nachfrage ist so groß, dass viele Kinder nicht einmal mehr auf der Warteliste landen, weil die Warteliste einfach zu lang ist. Schwimmvereine mussten Aufnahmestopps verhängen, weil Wasserflächen fehlen. Hier setzt unser Antrag an: Wir wollen das Schulschwimmen schrittweise vorziehen – zunächst auf die 2. Klasse, perspektivisch auf die 1. Klasse. [Beifall bei der AfD] Denn je früher Kinder mit dem Wasser vertraut gemacht werden, desto größer ist der Lerneffekt. Gleichzeitig fordern wir, dass Intensivkurse nicht nur in den Sommerferien, sondern auch flächendeckend in den Winterferien angeboten werden. Kein Kind darf durch das Raster fallen, nur weil die Wartelisten zu voll sind. [Beifall bei der AfD] Ein zentraler Hebel ist da natürlich auch die Infrastruktur. Die Bäderallianz Deutschland hat im Juli 2025 mit dem deutschen Schwimmbadplan eine bundesweite Strategie für eine zukunftsfähige Schwimmbadinfrastruktur vorgestellt. Auch Berlin braucht endlich einen Masterplan für Schwimmbäder – Funktionsbäder statt Spaßbäder. Mein Kollege Frank Scheermesser plädiert dafür schon seit Jahren. Wir brauchen ausreichende Wasserzeiten für Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit, die Sanierung bestehender Bäder und die Wiedereröffnung stillgelegter Anlagen wie zum Beispiel in Steglitz-Zehlendorf. Das muss der Weg für unsere Stadt sein. Schwimmcontainer sind keine Alternative. Wir leben hier in einer Hauptstadt im 21. Jahrhundert, und Sie bauen Schwimmcontainer auf. Na, herzlichen Glückwunsch! Doch Infrastruktur allein genügt nicht. Ohne qualifizierte Trainer nützt das beste Schwimmbad nichts. Deshalb fordern wir, die Arbeitsbedingungen für Schwimmlehrer deutlich zu verbessern, inklusive der Möglichkeit, 40-Stunden-Stellen zu schaffen. Nur, wenn wir Fachkräfte gewinnen und halten können, können wir dauerhaft qualitativ hochwertigen Unterricht gewährleisten. [Beifall bei der AfD] Wir knüpfen an unsere bisherigen Initiativen an, wie die Forderung nach höheren Wassertemperaturen in den Schwimmbädern. Man muss sich mal überlegen: Vor über 2 000 Jahren haben die Römer in Italien es geschafft, genug Energie bereitzustellen, um ihre Badehäuser warm zu kriegen, und Sie sind nicht in der Lage, genug Energie im 21. Jahrhundert bereitzustellen, um unsere Schwimmbäder warm zu halten. Das ist echt ein Armutszeugnis! [Beifall bei der AfD] Oder auch der Schwimmbus zur Sicherung von Wasserzeiten: Immer wieder haben wir darauf hingewiesen, dass Berlin handeln muss. Jetzt liegt ein Gesamtkonzept hier auf dem Tisch und die Vorteile auf der Hand. Wir senken die Nichtschwimmerquoten, erhöhen die Sicherheit unserer Kinder ein Leben lang, entlasten die Rettungsdienste und das Gesundheitssystem, schaffen Beschäftigungsmöglichkeiten für Fachkräfte und verbessern die Lebensqualität von Familien. Schwimmen ist keine Luxusfertigkeit. Schwimmen ist so grundlegend wie Lesen, Schreiben und Rechnen, eine Art Kulturtechnik. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! [Beifall bei der AfD]
