Tommy Tabor
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kollegen! Liebe Berliner! Erinnern Sie sich noch an den ehemaligen Regierenden Bürgermeister Michael Müller? – Er brauchte ganze 32 Jahre politische Arbeit, um endlich zu erkennen – in einem Interview hat er das gesagt –: Berlin ist irgendwie schmutzig. [Tobias Schulze (LINKE): Man kann ja wegziehen!] Das ist wirklich bemerkenswert. Meiner Fraktion, meiner Partei, unseren Mitgliedern, unseren Wählern fällt das allerdings jeden Tag auf: Berlin ist schmutzig. [Beifall bei der AfD] Beginnend mit unserem Antrag, der Sauberkeitsoffensive vom 26. März und dem Start unserer Kampagne „Berlin ist genug verwahrlost – Sauberkeit ist Ehrensache!“ am 29. April haben wir deutliche Zeichen gesetzt hin zu einem sauberen und lebenswerten Berlin. [Beifall bei der AfD] Wir freuen uns, dass uns der jetzige Regierende Bürgermeister seit Ende Juni in diese Richtung folgt. Erziehung zu Sauberkeit beginnt nach unserer Meinung bereits im Kindesalter. [Jeannette Auricht (AfD): So sieht es aus!] Schüler stärker in die Schulreinigung oder auch in leichte Tätigkeiten als Kinderhausmeister einzubeziehen, ist ein wichtiger Schritt, um bereits bei den jungen Berlinern für mehr Sauberkeit und Eigenverantwortung zu werben. Für uns sind das keine Nebensächlichkeiten, sondern es ist ein zentraler Baustein für mehr Verantwortungsbewusstsein, Gemeinschaftsgefühl und Charakterbildung unserer Kinder und Jugendlichen in unseren Schulen. [Beifall bei der AfD] Berlin leidet unter mangelnder Sauberkeit in vielen Schulgebäuden. Elterninitiativen und Beschwerden zeigen ganz deutlich: Der Zustand ist im Prinzip unhaltbar. Gleichzeitig erleben wir eine zunehmende Distanz zwischen Schülern und ihrem schulischen Umfeld. Unser Antrag setzt genau hier an. Wir wollen, dass Schüler nicht nur lernen, sondern auch Verantwortung für ihre Umgebung übernehmen – freiwillig, pädagogisch begleitet und mit positiven Effekten für das soziale Miteinander. Vorbild dafür ist das japanische Konzept des Gakkō sōji. In Japan ist es selbstverständlich, dass Schüler täglich 15 bis 30 Minuten ihrer Zeit für die Reinigung der Schule aufwenden. Sie wischen Böden, säubern Toiletten – so weit würde ich nicht einmal gehen –, übernehmen Ordnungsdienste. Dabei geht es nicht um billige Arbeitskraft, sondern um Charakterbildung. Jeder übernimmt Verantwortung, keine Aufgabe ist zu gering. Diese Haltung lehrt Respekt, Disziplin und Teamgeist – Werte, die auch vielen unserer Schüler guttun würden. [Beifall bei der AfD] Ein sauberes Umfeld wirkt sich nachweislich positiv auf das Lernklima aus. Es fördert Konzentration, Motivation und Wohlbefinden. Wer sich in seiner Umgebung wohl fühlt, lernt besser. Gleichzeitig lernen Schüler durch aktives Mitwirken, dass Sauberkeit keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein gemeinschaftliches Gut, welches man erarbeiten muss. Doch wir gehen noch einen Schritt weiter: Neben der Reinigung sollen Schüler dort, wo es organisatorisch sinnvoll ist, auch in der Essensausgabe, bei einfachen Tätigkeiten im Sekretariat oder im Rahmen von Ordnungsdiensten mitwirken können. Das Konzept der Kinderhausmeister liefert ein hervorragendes Beispiel: An mehreren Schulen in Berlin übernehmen Schüler bereits jetzt Aufgaben wie das Öffnen von Klassenräumen, Kontrollgänge über das Schulgelände oder die Postverteilung im Sekretariat. [Rolf Wiedenhaupt (AfD): Sehr schön!] Sie lernen Verantwortung, entwickeln Eigeninitiative und stärken ihre Selbstwirksamkeit. Solche Erfahrungen prägen weit über das Schulalter hinaus. [Beifall bei der AfD] Auch Vandalismus und mangelnde Identifikation mit der Schule lassen sich durch mehr Beteiligung deutlich reduzieren: Wer mitgestaltet, zerstört nicht. Wer Verantwortung übernimmt, achtet auf Ordnung. Wer sich einbringt, fühlt sich zugehörig. [Senator Christian Gaebler: Bisschen mehr Optimismus!] Unser Antrag fordert deshalb die Entwicklung eines tragfähigen und vor allem rechtssicheren Konzepts durch den Senat – mit Pilotprojekten, klaren Regeln und pädagogischer Begleitung. Die Umsetzung muss freiwillig erfolgen, pädagogisch begleitet sein, rotierend organisiert werden, sodass jeder Schüler mal dran kommt, und transparent kommuniziert sein, damit es keine Missverständnisse gibt. Und: Es ist nicht zur Kostenersparnis gedacht, sondern soll zur Persönlichkeitsentwicklung, zur Persönlichkeitsbildung beitragen. Dabei geht es auch um ein klares Signal an die Schüler: Ihr seid nicht nur Empfänger von Bildung, ihr seid Teil eurer Schule. [Marianne Burkert-Eulitz (GRÜNE): Empfänger von Bildung? Was soll das denn heißen?] Wer Teil von etwas ist, übernimmt Verantwortung. Wir wollen keine Rückkehr zur autoritären Schule vergangener Tage, wir wollen eine moderne, zukunftsorientierte Schule, die Verantwortung nicht scheut, sondern fördert. Unsere Schüler können mehr, wenn man sie nur lässt. Man muss ihnen nur vertrauen und sie begleiten. Ich komme zum Schluss: Unser Antrag verbindet pädagogischen Anspruch mit gelebter Verantwortung. Er orientiert sich an bewährten internationalen Beispielen und überträgt sie klug auf unsere Realität und fördert mehr Eigenverantwortung. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! [Beifall bei der AfD]
