Kristian Ronneburg
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Transsexualität im Frauensport ist ein Thema, das oft von Missverständnissen, aber auch von Vorurteilen geprägt ist. Wir haben heute den Redner der AfD-Fraktion dazu gehört. Es ist unerlässlich, dass wir uns diesem Thema mit Klarheit, Empathie und Engagement für Gleichberechtigung nähern. Als Linke stehen wir für eine Gesellschaft ein, die niemanden zurücklässt. Das schließt selbstverständlich auch Transmenschen ein. Die Deutsche Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit, die DGTI, leistet seit Jahren wichtige Arbeit, um die Rechte und Akzeptanz von trans- und intergeschlechtlichen Menschen in unserer Gesellschaft zu stärken. Ich würde auch den Kolleginnen und Kollegen hier, vor allem von der AfD, empfehlen, auch mal ihre Expertise in dieser Debatte heranzuziehen. Die ist von unschätzbaren Wert, wenn man sich einmal vorurteilsfrei dem ganzen Thema nähern möchte. Die DGTI betont, dass pauschale Verbote oder diskriminierende Regelungen im Sport Transfrauen nicht nur ausgrenzen, sondern auch wissenschaftlich nicht haltbar sind. Oft wird im Zusammenhang mit Transfrauen im Frauensport die sogenannte Fairness ins Feld geführt. Es wird argumentiert, dass Transfrauen aufgrund ihrer männlichen Pubertät biologische Vorteile hätten, die den Wettbewerb unfair gestalten würden. Diese Argumentation ist verkürzt und ignoriert auch die komplexen Realitäten von Transgeschlechtlichkeit und auch die Vielfalt menschlicher Körper. Erstens: Nicht alle Transfrauen haben die gleichen körperlichen Voraussetzungen. Viele Transfrauen unterziehen sich Hormonbehandlungen, die ihre Testosteronwerte senken und ihre körperliche Leistungsfähigkeit angleichen. Zudem ist es wichtig zu betonen, dass auch innerhalb des cis-weiblichen Sports erhebliche körperliche Unterschiede bestehen. Wir akzeptieren diese Unterschiede als Teil der sportlichen Vielfalt und sollten dies auch im Fall von Transfrauen tun. Zweitens: Die Fokussierung auf vermeintliche biologische Vorteile lenkt auch von den eigentlichen Problemen im Sport ab. Wir sollten uns vielmehr fragen, wie wir ein inklusiveres und gerechteres Sportsystem für alle schaffen können, unabhängig von Geschlecht, Herkunft und sozialem Status. Das bedeutet, Ressourcen gerechter zu verteilen, Diskriminierung abzubauen und den Fokus auf die Freude am Sport und die persönliche Entwicklung zu lenken. Die DGTI fordert, dass individuelle Lösungen gefunden werden, die sowohl die Inklusion von Transfrauen gewährleisten als auch faire Wettbewerbsbedingungen ermöglichen. Das kann durch differenzierte Regelungen geschehen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und medizinischen Standards basieren anstatt auf pauschalen Verboten und ideologischen Vorurteilen. [Beifall bei der LINKEN] Als Linke stehen wir an der Seite von Transsportlerinnen. Wir lehnen Diskriminierung und Ausgrenzung ab. Wir setzen uns für eine Sportwelt ein, die offen, vielfältig und gerecht ist, für alle, auch wenn manche in diesem Parlament diese Begriffe nicht hören möchten. Deswegen betone ich sie noch einmal umso mehr. Wir kämpfen dafür, dass trans Frauen im Frauensport akzeptiert werden, dass sie willkommen geheißen werden, dass sie die gleichen Chancen erhalten wie alle anderen Sportlerinnen. Am Ende des Tages geht es nicht nur um Sport. Es geht um Menschenrechte, es geht um Würde und die Vision einer Gesellschaft, in der jeder Mensch sein volles Potenzial entfalten kann, unabhängig von der Geschlechtsidentität. – Vielen Dank! [Beifall bei der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei der SPD – Beifall von Dr. Bahar Haghanipour (GRÜNE)]
