parlament-berlin.de ↗

Sebastian Walter

GRÜNE 13.03.2025 Sitzungen 19/63

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Mit diesem Antrag attackiert die AfD einmal mehr die Rechte queerer Menschen in unserer Stadt, nun im Sport. [Rolf Wiedenhaupt (AfD): Das stimmt doch gar nicht!] Die AfD behauptet, für glaubwürdige und faire Verhältnisse im Sport sorgen zu wollen; das Gegenteil aber ist der Fall. Sie will allein die Diskriminierung, die Pathologisierung und die Entmenschlichung von transgeschlechtlichen Menschen befördern. Das weisen wir entschieden zurück. [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN – Beifall von Dennis Buchner (SPD)] Glaubwürdig und fair ist der Sport dann, wenn er ein sicherer Ort für queere Menschen ist, und das ist noch viel zu oft nicht der Fall, [Jeannette Auricht (AfD): Und für Frauen muss er nicht sicher sein, nicht?] gerade für trans- und intergeschlechtliche Sportlerinnen und Sportler. Berlin will das ändern. Durch Sportvereine wie Vorspiel und Seitenwechsel, durch konkrete Maßnahmen der Initiative geschlechtliche und sexuelle Vielfalt und nicht zuletzt durch den Landessportbund selbst, der sich inzwischen auf den Weg gemacht hat, einen gleichberechtigten und diskriminierungsfreien Zugang zum Sport zu fördern – für queere Menschen – und für Frauen und Mädchen. Denn im Unterschied zur AfD hat der Landessportbund nämlich verstanden, dass es dreckig ist, unterschiedliche vulnerable Gruppen gegeneinander auszuspielen. [Beifall von Carsten Schatz (LINKE)] Wir unterstützen weiter, dass der Berliner Sport ein Sport für alle wird, – unabhängig von der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität. Das ist die Zukunft. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der SPD und der LINKEN] Die AfD konstruiert in dem Antrag mühevoll wie besessen ein Problem, das in der Realität nicht existiert, – erst recht nicht im Berliner Breitensport. Statt so viel Energie und Zeit zu investieren, Transmenschen de facto aus dem Sport verbannen zu wollen, sollten Sie die Fakten zur Kenntnis nehmen: Nur 1 Prozent der Bevölkerung ist trans. Über was reden wir eigentlich? [Zuruf von der AfD: Worüber redet ihr denn?] Und Fakt ist auch, dass insbesondere transgeschlechtliche Berlinerinnen und Berliner tagtäglich verbale und physische Übergriffe erleben, massiver Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt sind. Es ist daher besonders schäbig, dass die AfD mit dem Antrag den Hass gegen Transfrauen weiter befeuert. Aber das hat Methode. Transfeindlichkeit – und das wissen wir – dient der AfD funktionell als Brückenideologie, um ihre rechtsextreme Agenda bis in die Mitte der Gesellschaft zu streuen. Aktuell sehen wir die Auswirkungen in den USA, wie dieser Hass offen zur Entrechtung von ganzen Menschengruppen führt. Queere Menschen, transgeschlechtliche Menschen werden von Trump aus Geschichte und Gegenwart ausradiert. Wir werden aber niemals still sein. [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei der SPD] Berlin darf sich an diesem Kulturkampf gegen queere Menschen nicht beteiligen. – Danke, Herr Standfuß, für Ihre Worte! Und dennoch habe ich Zweifel daran, wenn man sich den CDU-geführten Senat anschaut: Wo blieb die im Koalitionsvertrag verabredete Unterstützung für das Selbstbestimmungsgesetz? Wo bleibt die Bundesratsinitiative zur Erweiterung von Artikel 3 Grundgesetz zum Schutz queerer Menschen? [Beifall von Carsten Schatz (LINKE)] Warum darf der CDU-Abgeordnete Husein noch immer unwidersprochen seine Transferfeindlichkeit ins Parlament hineintragen? [Zurufe von der AfD: Oh oh!] Warum kürzt die CDU ausgerechnet die Beratung für Trans- und Interjugendliche? Warum kürzt sie an der queeren Bildung wie bei Queerformat und i-PÄD oder zerschlägt queere Bildungsprojekte wie den Queer History Month? Das ist unwürdig. Für meine Fraktion kann ich nur versprechen: Wir werden die Regenbogenhauptstadt immer gegen eine Agenda des gesellschaftlichen Rollbacks verteidigen. Berlin bleibt solidarisch. – Danke! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN – Beifall von Dennis Buchner (SPD)]

Alle Reden von Sebastian Walter Protokoll ↗